Valley Talk: Software-Goliaths im Duell

Valley Talk: Software-Goliaths im Duell

Bild vergrößern

SAP Mitgründer Hasso Plattner

Was sich SAP-Gründer Hasso Plattner und Salesforce-Chef Marc Benioff zu sagen hatten.

Noch selten hat der Churchill-Club, der renommierteste Debattierclub des Silicon Valley, so einen Ansturm erlebt. Rund 500 Unternehmer, Manager, Programmierer und Banker drängten sich jüngst dort, als SAP-Gründer Hasso Plattner und Marc Benioff, der Gründer und Chef des Online-Softwarevermieters Salesforce. com, bei einem Streitgespräch über die Zukunft der Softwarebranche aufeinandertrafen. Beim ersten gemeinsamen öffentlichen Auftritt der großen Egos würden die Funken sprühen, wurde geraunt.

Plattners SAP macht 13 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr, Benioffs Salesforce knappe 750 Millionen. Klar, wer David und wer Goliath ist. Als Charaktere aber sind Plattner und Benioff beide Giganten – wohlgenährt, rechthaberisch, ungestüm. Was Plattner, 64, an Erfahrung voraus hat, gleicht Benioff, 42, mit Selbstbewusstsein und scharfer Zunge aus.

Anzeige

Plattner sei ein Dinosaurier, seine SAP mächtig und groß, aber auch schwer und behäbig, ging Benioff in die Offensive. Kurz: SAP sei die Vergangenheit, Salesforce die Zukunft.

Plattner konterte mit den ungezählten vermeintlichen Trends, die er habe kommen und vergehen sehen – und, dass SAP schon in den Achtzigerjahren Software vermietet habe, bis schließlich die Kunden gemerkt hätten, dass kaufen auf Dauer günstiger sei. Kurz: SAP sei die Zukunft und Salesforce.com bald nicht mehr eigenständig, weil Benioff die Firma für viel Geld verhökern werde.

Vielleicht sogar an SAP? Die Augen der anwesenden Banker leuchteten auf. Denn die beiden Männer sind – bei allem Gepolter – gar nicht so weit auseinander. Benioff skizziert die Zukunft in Internet-Plattformen, auf denen Tausende von Programmierern aus verschiedenen Firmen Unternehmenssoftware entwickeln und an Kundenbedürfnisse anpassen. Plattner sieht das teils ähnlich, allerdings vor allem bei kleineren Unternehmen.

Im Falle von Großprojekten warnt er vor Chaos und Wildwuchs, sollte sich Benioffs Idee durchsetzen. Der konterte, auch Plattners Ansatz sei nicht ohne Risiko und verwies genussvoll auf die aktuelle Klage des US-Müllunternehmens Waste Management gegen SAP – wegen fehlerhafter Software. „Das ist ein Foul, Marc. Schade“, giftete Plattner.

Hat Benioff damit eine Offerte von SAP verscherzt? Auf die Frage, ob SAP einen Anbieter wie Salesforce kaufen werde, antwortete Plattner kryptisch. Anschauen könne man sich alles. Viel mehr als ein verkappter Scherz war das kaum, schließlich ist ausgerechnet Oracle-Chef Larry Ellison, einer der größten SAP-Konkurrenten, Aktionär bei Salesforce. So treten Plattner und Benioff wohl auch beim nächsten Treffen nur als Gesprächs- und nicht als Allianzpartner auf.

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%