Valley Talk: Twitter als Inkubator für Geschäftsideen

kolumneValley Talk: Twitter als Inkubator für Geschäftsideen

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Matthias Hohensee: Wird das Geld für neue Ideen und Produkte knapp?

Kolumne von Matthias Hohensee

Zahlreiche Startups versuchen auf dem Rücken des Kurznachrichtendienstes Twitter Geschäfte zu machen. Twitter will seinen Erfolg auch endlich monetarisieren und muss aufpassen, sich mit den Huckepack-Startups nicht in die Quere zu kommen.

Ist Twitter, der Kurznachrichtendienst aus San Francisco, über den sich jeder via Internet in 140 Zeichen der Welt mitteilen kann, eine kurzlebige Mode-? Oder entwickelt er sich zu einer Kommunikationsform im Netz, die bald so etabliert sein wird, wie die Angebote der Online-Riesen Ebay, Amazon, Google oder Facebook?

Microsoft und Google, die Twitter-Nachrichten in ihre Suchmaschinen integrieren wollen, glauben an Letzteres. In jedem Fall stützen immer mehr Jungunternehmer ihre Geschäftspläne auf die Dienste von Twitter. Dutzende filtern die „Tweets“ genannten Nachrichten, bereiten sie auf oder übersetzen sie. Auch dem Startup Seesmic des Internet-Unternehmers Loic LeMeur hauchte Twitter neues Leben ein.

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Eigentlich wollte der leutselige Franzose, der nicht nur in der europäischen Internet-Szene, sondern auch im Silicon Valley bekannt ist wie ein bunter Hund, via Seesmic Videobotschaften verteilen. Das kam nicht an. Nun bietet Seesmic Software zum Darstellen von Nachrichten aus Twitter und Facebook an. Fast fünf Millionen Mal ist sie bereits heruntergeladen worden.

Twitter hält sich aus Nachrichten heraus

Umgekehrt profitiert auch Twitter von den Startups. Operativchef Dick Costolo gab jüngst zu, dass sich das Mitgliederwachstum in USA spürbar verlangsamt hat. Neuen Schub erhofft sich Costolo von einem neuen Service, der Anfang 2010 starten soll.

Dann wird Twitter in den von seinen 35 Millionen Nutzern erzeugten Nachrichtenstrom Werbung einklinken. Ihr Thema wird sich am Inhalt der Nachrichten orientieren. Ähnlich macht das Google mit seinem AdWords-Programm, bei dem nach Eingabe von Suchbegriffen wie „Unfallschutz“ am Rand der Suchergebnisse Werbung von Versicherungen erscheint.

Twitter wird diesen Nachrichten- und Werbestrom wahrscheinlich kostenlos an andere Internet-Dienste lizenzieren, die beim Klicken auf die Werbung an den Einnahmen beteiligt werden. Oder Twitter liefert gegen eine fixe Gebühr nur den Nachrichtenstrom, und die Partner können auf eigenes Risiko Werbung verkaufen.

Aus gutem Grund hält Twitter sich bisher aus dem Filtern und Aufbereiten seiner Nachrichten heraus. Es könnte sonst die Zahl und Art der Twitter-Nachrichten negativ beeinflussen.

Silicon-Valley Investor Ron Conway, der einige Millionen Dollar in die Twitter-Huckepack-Startups investiert hat, ist optimistisch: „In fünf Jahren wird das ein milliardenschwerer Markt sein, sonst hätten Google und Microsoft keinen Vertrag mit Twitter geschlossen.“ Nur bei LeMeur kommen manchmal Zweifel auf: Sein 14-jähriger Sohn beschäftige sich überhaupt nicht mit Twitter, sagt er. Der sei ein absoluter Facebook-Fan.

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