Valley Talk: Von null auf 22 Millionen Dollar in drei Monaten

kolumneValley Talk: Von null auf 22 Millionen Dollar in drei Monaten

Kolumne von Matthias Hohensee

Das Unternehmen IntoNow bietet eigentlich nicht viel mehr als eine iPhone-App. Warum Yahoo für das gerade einmal drei Monate alte Startup trotzdem tief in die Kasse greift.

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Yahoo-Chefin Carol Bartz hat für das Startup IntoNow tief in die Tasche gegriffen

Als Mark Zuckerberg im August vergangenen Jahres Facebook Places – die Antwort des sozialen Netzwerkes auf Lokationsdienste wie Foursquare und Gowalla – vorstellte, fragte jemand aus dem Publikum, ob man sich mit dem Service nicht nur am aktuellen Aufenthaltsort anmelden könne, sondern beispielsweise auch vermelden, dass man bestimmte Fernsehshows, Filme oder Veranstaltungen verfolgt. Facebook-Produktchef Chris Cox antwortete, man konzentriere sich derzeit auf geografisch definierte Orte. Aber denkbar sei viel.

Nun zeigt sich, wie viel im Silicon Valley nicht nur denkbar, sondern auch möglich ist. Denn Yahoo-Chefin Carol Bartz ist die Idee, dass Onliner ihren Medienkonsum im Internet veröffentlichen können, eine zweistellige Millionensumme wert. Rund 22 Millionen Dollar hat Bartz angeblich gerade für den Kauf des Startups IntoNow bewilligt, das sich genau darauf spezialisiert hat.

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Dabei hat IntoNow seinen Service erst Ende Januar gestartet. Noch funktioniert der Eincheck-Service für Fernsehshows und Filme nur mit dem iPhone. Doch Hunderttausende nutzen ihn bereits. Trotzdem: Von null auf 22 Millionen Dollar in gerade mal drei Monaten für im Prinzip nicht viel mehr als eine iPhone-App – das ist selbst für Silicon-Valley-Verhältnisse sportlich.

Shazam-Prinzip für Filme

Sind Bartz die Nerven durchgegangen, weil sich in den Kaufverhandlungen auch Facebook und Twitter für das Startup interessierten? Ist die Summe zu hoch für eine Idee, die sich kopieren lässt und mit der bereits etliche Dienste wie Ijustshared, Miso oder Tunerfish konkurrieren? Darüber lässt sich streiten. Auch wie sinnvoll es ist, der Welt mitzuteilen, dass man gerade den Horror-Zerstücklungsthriller Saw schaut oder sich am helllichten Tag von Seifenopern oder Talkshows berieseln lässt.

Aber ganz so verrückt ist der Kauf nicht. Denn IntoNow ist eine Ausgründung von Auditude aus Palo Alto. Der Videospezialist hat eine Technologie namens Soundprint entwickelt, mit der er Fernsehsendungen, Filme und selbst Werbespots in Echtzeit identifizieren kann. Das Verfahren funktioniert wie der bewährte Musik-Identifikationsservice Shazam. Übers Mikrofon des iPhones wird ein knapper Tonmitschnitt an die Server von IntoNow übermittelt, die ihn dann automatisch mit dem laufenden Fernsehprogramm vergleichen und den Treffer an den Nutzer zurückschicken.

Laut IntoNow funktioniert das neben Live-TV auch mit DVD-Inhalten oder Videos aus dem Internet. Dafür hat das Startup Sound-Abdrücke von Tausenden von Filmen und Serien genommen. Der Abgleich soll sicherstellen, dass IntoNow-Nutzer tatsächlich das gemeldete Programm schauen und so schummeln vermeiden.

Pepsi überzeugte das so, dass das Unternehmen IntoNow-Nutzern eine Gratis-Cola spendierte, wenn diese in einen bestimmten Pepsi-Werbespot „eincheckten“. Damit ist auch klar, wie sich mit dem Service Geld verdienen lässt. Denn eines der größten Probleme der werbetreibenden Industrie ist, dass immer mehr Zuschauer Werbespots ignorieren. Mit diesem Verfahren könnte man potenziellen Käufern Sonderangebote direkt aufs Handy schicken.

Hinzu kommt, dass Yahoo-Chefin Bartz stärker ins soziale Internet investieren muss. Doch Größen wie Twitter, Foursquare oder die Bewertungsseite Yelp winkten schon ab. Auch, weil Yahoo dafür berüchtigt ist, den Innovationsgeist aufgekaufter Unternehmen durch interne Intrigen und Eifersucht binnen kürzester Zeit abzutöten. Mit IntoNow muss Bartz nun beweisen, dass Yahoo sich geändert hat.

Das größte Risiko aber ist, wie Facebook und Twitter auf den Eigentümerwechsel reagieren. Denn der Service ist auch deshalb populär, weil er auf Facebook und Twitter aufsetzt. Wird er zu erfolgreich, oder nutzt Yahoo ihn gar als Sprungbrett für den Aufbau eines eigenen sozialen Netzwerks, könnte Facebook rasch mit einem eigenen Angebot kontern.

Wie sagte noch Facebook-Produktchef Chris Cox? „Denkbar ist vieles.“

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