Valley Talk: Warum der IBM-Softwarechef den Chefposten bei HP ausschlug

Valley Talk: Warum der IBM-Softwarechef den Chefposten bei HP ausschlug

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von Matthias Hohensee

Steve Mills hat den Chefposten bei HP ausgeschlagen. Der renommierte Softwareexperte hat Größeres vor.

Für den Aufsichtsrat des Computerherstellers Hewlett-Packard war er die erste Wahl: Steve Mills sollte dem zurückgetretenen Konzernchef Mark Hurd folgen und den Konzern in die Zukunft führen. Und er wäre tatsächlich eine gute Wahl: Der 58-jährige Mills hat in den vergangenen 15 Jahren die IBM-Softwaresparte aufgebaut, deren Gewinnspanne derzeit bei 87 Prozent liegt. Ein solches Kunststück sollte er auch bei HP vollbringen. Doch der IBM-Veteran lehnte ab. Stattdessen muss nun der ehemalige SAP-Chef Léo Apotheker das größte Unternehmen des Silicon Valley in das margenträchtige Geschäft mit Software führen.

Warum nur habe er nicht Chef des nach Umsatz größten Technologiekonzerns der Welt werden wollen, fragte ich Mills, als ich ihn jüngst bei einer Konferenz in Las Vegas traf. Ich rechnete mit einem dieser wolkigen Statements, wie man sie so oft von US-Managern bekommt. Doch ich irrte.

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Mills hielt kurz inne und überlegte: Software, sagt er dann, sei bei HP viel zu lange vernachlässigt, seit 25 Jahren, um genau zu sein. Deshalb habe der Konzern kaum eigenes Know-how. Ganz anders IBM: Dort könne er als Hard- und Softwarechef rasch Produkte entwickeln und habe dafür nicht nur ausreichend Geld zur Verfügung, sondern vor allem die nötigen Talente im Haus. Kurz: Er liebe seinen derzeitigen Job zu sehr, um zu wechseln.

Tatsächlich ist der Mann mit seinem Team dabei, ein neues, wachstumsstarkes Geschäftsfeld bei IBM aufzubauen. Es geht um die sogenannte Business Analytics. Dahinter steckt der Ansatz, die Datenflut aus Unternehmenssoftware und Internet – von Lager- und Orderbeständen bis externen Information über Wettbewerber oder Marktentwicklung – mit IT-Hilfe automatisch aufzubereiten. Gestützt auf diese Analysen, sollen Manager bessere operative oder strategische Entscheidungen treffen können.

Die Entwickler von BMWs neuem Mini wurden so etwa in der Entscheidung bestärkt, das Gaspedal des Wagens zu vergrößern. Viele männliche Fahrer hatten sich auf Fanseiten im Internet beklagt, dass es ab Schuhgröße 43 einfach zu klein sein.

Nun hätte BMW auch einen Mitarbeiter abstellen können, um die Online-Foren zu beobachten, der – auch ohne IBMs Data-Mining Software SPSS – zur gleichen Erkenntnis gekommen wäre. Aber die Herausforderung ist, die Analysen zu automatisieren. BMW nutzt die Technik nicht nur zur Marktforschung, sondern auch, um Ursachen von Reparaturen zu finden oder den Treibstoffverbrauch auszuwerten, heruntergebrochen bis auf einzelne Regionen.

Infektionen erkennen

Im Uniklinikum der Universität Ontario wiederum wird ähnliche Software genutzt, um Frühgeburten via Sensoren zu überwachen. Aus den gewonnenen Informationen sollen Infektionen bis zu 24 Stunden früher festgestellt werden können als mit herkömmlichen Methoden.

In dem Sektor gibt es eine Menge Geld zu verdienen. In den vergangenen vier Jahren haben auch SAP, Oracle und Microsoft in das Wachstumsgeschäft investiert. Doch keiner so ehrgeizig wie Mills. Seit 2005 hat er zwölf Milliarden Dollar für den Kauf von Analysefirmen ausgegeben. Er schätzt, dass IBM bei Business Analytics im Jahr 2015 etwa 16 Milliarden Dollar Umsatz erzielen wird, etwa so viel wie derzeit die gesamte Hardwaresparte von Big Blue.

Paradoxerweise hat ausgerechnet die Finanzkrise das Geschäft angetrieben. Unternehmen versuchen nun, mithilfe von Datenanalyse ihre Risiken zu begrenzen.

Ob Software wirklich helfen kann, künftige Krisen zu vermeiden, ist jedoch fraglich. Denn die Erkenntnis, dass die Spekulationsblase bei Immobilien irgendwann platzt, war vorhanden. Doch wie schon bei der Dotcom-Krise riskierten Frühwarner ihren Job, weil ihre Kollegen bis zum Crash bestens verdienten. Die wiederum konnten sich danach in der Herde verstecken.

Gegen solchen Opportunismus ist auch die beste Analysesoftware machtlos.

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