Valley Talk: Zuckerbergs Erfolgsgeheimnis

kolumneValley Talk: Zuckerbergs Erfolgsgeheimnis

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Profilfoto von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg

Kolumne von Matthias Hohensee

Der neue Facebook-Film unterhält. Doch was erfolgreiche Gründer in der Internet-Szene ausmacht, verrät er nicht.

Ist Facebook-Gründer Mark Zuckerberg wirklich das Ekelpaket, als das ihn eine Ex-Freundin beschreibt? Nicht nur dieser Vorwurf – in der Eingangsszene des soeben gestarteten Films "The Social Network" – elektrisiert das Silicon Valley. Der Streifen über Facebooks Aufstieg zum größten sozialen Online-Netzwerk läuft seit vergangenem Donnerstag auch in Deutschlands Kinos und verspricht intime Einblicke in die erfolgreichste Neugründung der vergangenen Jahre im Valley.

Es ist der Gipfel der Ironie, dass ausgerechnet Zuckerberg, der mit Facebook Millionen von Menschen ermöglicht, sich online so zu präsentieren, wie sie es möchten, sein Leben lang durch einen Film geprägt sein wird, den er nicht beeinflussen konnte. Egal, wie der Facebook-Gründer wirklich ist, Millionen Zuschauer haben nun ein Bild von ihm. Es ist nicht das Beste.

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Zwar bemüht sich etwa Matt Cohler, einst einer der ersten Facebook-Mitarbeiter und heute einflussreicher Wagniskapitalgeber im Valley, um eine Imagekorrektur ("So ist Mark wirklich nicht. Das ist Unsinn."). Doch nicht einmal Zuckerberg soll allzu böse über die Darstellung sein. Der Gründer hat erkannt, dass der von Kevin Spacey produzierte Streifen sein Unternehmen Facebook noch bekannter macht, auch wenn er selbst nicht als Sympathie-träger rüberkommt.

Film bietet mehr Unterhaltung als Enthüllung

Zumal der Film ohnehin mehr Unterhaltung ist als Enthüllung: Wer wirklich erfahren möchte, warum Facebook ein Megahit wurde – und vor allem wie das Silicon Valley tickt –, sollte nicht ins Kino gehen, sondern das Buch "The Facebook Effect" des US-Journalisten David Kirkpatrick lesen. Es erscheint im Januar auch auf Deutsch.

Darin erscheinen mir zwei Dinge über die Entstehungsgeschichte von Facebook bemerkenswert. Denn es gibt kein Unternehmen, an dem sich so gut zeigen lässt, dass es nicht ausreicht, nur eine gute Idee zu haben. Man muss sie auch umsetzen können.

Als Zuckerberg Facebook startete, gab es schon ähnliche Dienste: MySpace und Friendster. Sein Glück oder seine Weitsicht war, dass er das neue Netzwerk zunächst nur als elitären Club für Top-Universitäten startete und es so für Außenstehende noch attraktiver machte. Vollends hängte er den einstigen Marktführer MySpace ab, als er seine Web-Seite auch für externe Programmierer öffnete, die dort heute unter anderem so beliebte wie lukrative Spiele wie Farmville oder Mafia Wars betreiben.

Alles entscheidend aber war wohl, dass Zuckerberg darauf setzte, sein Ding selbst zu machen und 2006 – im Alter von nur 22 Jahren – ein Kaufangebot von Yahoo ausschlug, das ihn rund 300 Millionen Dollar reich gemacht hätte. Als mir Peter Thiel, der erste externe Facebook-Investor, 2006 erzählte, dass Facebook mindestens vier Milliarden Dollar wert sei, hielt ich ihn für durchgedreht. Heute nicht mehr. Man mag Facebook lieben oder hassen. Doch die Firma macht richtig Umsatz, wahrscheinlich fast zwei Milliarden Dollar in diesem Jahr.

MySpace ist Schatten seiner selbst

Szene aus dem Facebook-Film Quelle: dpa

Szene aus dem Facebook-Film "Social Network"

Bild: dpa

Es ist nicht das erste Mal in der IT-Szene, dass sich die Entscheidung gegen das schnelle Geld langfristig auszahlt: Die Google-Gründer standen 1999 vor einer ähnlichen Entscheidung, als Excite@Home die Suchmaschine kaufen wollte. Auch sie lehnten ab. Und was wäre passiert, wenn Microsoft-Gründer Bill Gates das IBM-Angebot akzeptiert hätte, das Betriebssystem MS-DOS zu kaufen statt nur zu lizenzieren?

Zuckerberg ist inzwischen nicht nur zum jüngsten Milliardär weltweit aufgestiegen. Das US-Wirtschaftsmagazin "Forbes" schätzte den Wert seines persönlichen Anteils an Facebook jüngst auf 6,9 Milliarden Dollar. Vor allem hat er den Aufstieg von Facebook zur heutigen Stärke in einer Weise vorangetrieben, die nie möglich gewesen wäre, wenn Zuckerberg verkauft hätte.

Wettbewerber MySpace hat genau das getan und 2005 beim Kauf durch Rupert Murdochs Medienkonzern News Corp rund 580 Millionen Dollar Kasse gemacht. Glück hat der Deal keinem gebracht: Denn unter fremdem Management hat MySpace nicht nur die Marktführerschaft verloren, es ist auch nur noch ein Schatten seiner selbst.

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