Verbrecherjagd mit High-Tech: Stumme Zeugen zum Reden bringen

Verbrecherjagd mit High-Tech: Stumme Zeugen zum Reden bringen

Präzise Laserkameras, virtuelle Autopsien und DNA-Tests, die das Aussehen des Täters verraten: Mit fortschrittlicher Technik jagen Kommissare heute Verbrecher, die vor wenigen Jahren noch davongekommen wären. Einblicke in eine verschwiegene High-Tech-Welt.

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Soldat Robert B. war sich lange sicher, dass seine brutale Tat nie ans Tageslicht kommen würde. Vor 26 Jahren lernte er die 19 Jahre alte Nicola S. kennen, die als Praktikantin in einer Klinik in Bad Kreuznach südwestlich von Mainz arbeitete. An einem Samstag im August 1984 gingen die beiden erst essen und danach tanzen. Für Nicola war dieser Samstag ihr letzter. Soldat B. vergewaltigte und erwürgte die junge Frau.

An der Kleidung der Abiturientin hinterließ er winzige Spermaspuren. B. geriet zwar ins Fadenkreuz der Ermittler. Doch nachzuweisen war ihm nichts, weil die Fahnder mit den Spuren damals noch nichts anfangen konnten. Der Fortschritt sorgte schließlich doch noch für Gerechtigkeit: Immer besser können Biologen aus immer kleineren Resten von ausgefallenen Haaren, abgebrochenen Nägeln und Hautschuppen im Labor die für jeden Menschen typische Erbsubstanz DNA isolieren, so auch die Spuren, die Soldat B. am Tatort hinterließ. Im September verurteilte das Frankfurter Landgericht den 50-Jährigen zu lebenslanger Haft.

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Wiesbaden kämpft gegen das Verbrechen

Künftig wird es, da sind sich Fachleute sicher, noch viel häufiger gelingen, alte Fälle aufzuklären. Denn die Kriminalisten rüsten im Kampf gegen das Verbrechen auf. Und ihre Technik macht bemerkenswerte Fortschritte: Kommissare und Forensiker nutzen Geräte aus der Computer-, Pharma- und der Autoindustrie und entwickeln sie für die Spurensuche weiter. Tatorte werden mit Laserscannern und hochauflösenden Kameras eingefroren, damit Fahnder sie später virtuell betreten und Spuren bewerten können. Biologen wollen bald sogar aus der DNA des Täters auf ihr Aussehen schließen können.

Mit diesen Techniken können Ermittler Verbrechen aufklären, die vor wenigen Jahren noch für immer ungesühnt geblieben wären. 2009 zählten die Behörden in Deutschland rund sechs Millionen Straftaten. Davon löste die Polizei mit 56 Prozent so viele Kriminalfälle wie nie zuvor. 1995 lag die Quote noch bei lediglich 46 Prozent. „Dass die Polizei immer mehr Straftaten aufklären kann, liegt auch an den immer besseren kriminaltechnischen Untersuchungsmethoden“, sagt Hans Gerhard Heuser, Leiter des Kriminaltechnischen Instituts des Bundeskriminalamtes (BKA).

Die Hochburg im Kampf gegen das Verbrechen in Deutschland wird von einem hohen Stacheldrahtzaun, Bewegungsmeldern und Videokameras geschützt. Aus Angst vor Anschlägen herrscht in der Sicherheitszone rund um das Kriminaltechnische Institut in Wiesbaden striktes Parkverbot. Denn hier, in einem hochmodernen Bau aus Glas und Beton, arbeiten 330 Spezialisten aus 60 verschiedenen Berufen. Und die Physiker, Biologen, Ingenieure und Mediziner haben nur ein Ziel: Sie wollen stumme Zeugen zum Reden bringen.

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