Verkehrspolitik: Staaten investieren Milliarden in ihr Bahnsystem

Verkehrspolitik: Staaten investieren Milliarden in ihr Bahnsystem

von Christian Schlesiger, Matthias Hohensee und Matthias Kamp

Weltweit pumpen Staaten Milliarden in den Ausbau ihrer Schienennetze. Hochgeschwindigkeitsstrecken mit Tempo 250 und mehr sollen Metropolen miteinander verbinden und Reisende zum Umstieg vom Auto und Flugzeug auf die Bahn bewegen. Europa gilt weltweit als leuchtendes Vorbild für den schnellen Transport auf der Schiene. Jetzt rüsten die USA, China und Russland auf. Wie sich dort in den kommenden Jahrzehnten die Bahnwelt verändert.

USA gilt noch als bahnpolitisches Entwicklungsland

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Die USA gelten in Sachen Highspeed auf der Schiene noch als Entwicklungsland. Das Bild zeigt einen Vorortszug in Philadelphia

In den Vereinigten Staaten wird schon seit zwei Jahrzehnten heiß darüber diskutiert, in den zehn wichtigsten Ballungszentren Trassen für Hochgeschwindigkeitszüge zu errichten. Doch deren Bau scheiterte stets an den fehlenden finanziellen Mitteln sowie dem Widerstand von Fluggesellschaften, Naturschutzverbänden und Grundstückseigentümern. Zudem gab es kaum Rückendeckung durch die US-Regierung, die ohnehin schon die Bahngesellschaft Amtrak mit Milliarden Dollar Zuschüssen gegen die wachsende Konkurrenz von Billigfliegern stützen musste.

Trotz vollmundiger Ankündigungen verkehrt deshalb in den USA heute nur ein Hochgeschwindigkeitszug. Der Acela verbindet Boston über New York mit Washington. Wobei der Zug ausgerechnet im Land der Superlative nur die bescheidene Spitzengeschwindigkeit von 241 Kilometern pro Stunde erreicht.

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Schienennetz Europa (Klicken Sie bitte auf das Lupensymbol, um die Grafik zu vergrößern)

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Doch nun kommt Schwung in die Pläne der Bahn-Befürworter. Endlich gibt es nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern auch Gelder aus Washington. Acht Milliarden Dollar hat Präsdient Barrack Obama in seinem Infrastrukturprogramm für Neubau und Ausbesserung von Bahntrassen reserviert und fünf zusätzliche Milliarden kurzfristig in Aussicht gestellt.

Am weitesten vorn liegt Kalifornien. Dort genehmigten die Wähler im November Schuldverschreibungen von rund zehn Milliarden Dollar für die Finanzierung der ersten Ausbaustufe für eine Hochgeschwindigkeitstrasse zwischen San Francisco und Los Angeles. Sie soll ab 2020 die beiden kalifornischen Metropole in rund zwei Stunden und zehn Minuten für rund die Hälfte des Flugtickets verbinden – der Flieger benötigt derzeit ungefähr eine Stunde und 15 Minuten. Der Baubeginn ist für 2012 geplant. Doch der Staat Kalifornien ist nahezu bankrott. Und die Trasse wird rund 40 Milliarden Dollar kosten, Kritiker rechnen mit dem Doppelten.

Doch es wird etwas geschehen, auch in anderen Teilen der USA, etwa in Florida, Texas und Chicago. Ausrüster machen sich deshalb schon in die Spur. Gute Chancen hat dabei auch der Siemens-Konzern. Die Münchner sind über ihre US-Tochter Siemens Transportation Systems nordamerikanischer Marktführer für Straßenbahnen und Nahverkehrszüge, die unter anderem in einem Werk in der kalifornischen Bundeshauptstadt Sacramento hergestellt werden.

Dort beschäftigt Siemens auch Spezialisten für Hochgeschwindigkeitszüge. Gut im Geschäft sind auch die französische Alstom und der kanadische Bombardier-Konzern. Das franko-kanadische Konsortium bekam den Zuschlag für den Acela-Hochgeschwindigkeitszug.

Hoffnungen macht sich auch die französische Bahngesellschaft SNCF. Sie reichte jüngst bei den US-Behörden ein voluminöses Strategiepapier ein, das detalliert beschreibt, wie die Franzosen vier Hochgeschwindigkeitstrassen in Kalifornien, Florida, Texas und dem mittleren Westen langfristig profitabel betreiben und gleichzeitig mit dem Flugverkehr konkurrieren könnten.

Eine Lobbygruppe namens US Highspeed Rail Association träumt bereits von einem Superschnellzug-Netz, ähnlich wie in Europa, das alle Trassen miteinander verbindet. „Bis 2030 könnte das Realität werden“, träumt deren Präsident Andy Kunz.

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