Galileo-Satelliten: Europas Navigationssystem geht an den Start

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Galileo-Satelliten: Europas Navigationssystem geht an den Start

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Eine Computergrafik zeigt die Galileo-Satelliten im All.

von Jürgen Rees

Galileo ist Europas teuerstes Industrieprojekt. Das Satelliten-Navigationssystem soll Flugzeuge automatisch landen lassen und Schiffe ohne Kapitän navigieren. Nach vielen Pannen liefen erste Tests nun vielversprechend.

Alle reden vom autonomen Autofahren. Doch künftig sollen auch Güterzüge ohne Lokführer ihren Zielbahnhof finden, Schiffe ohne Kapitän den Hafen erreichen und sogar Flugzeuge ohne Piloten landen können. Damit das funktioniert, müssen die Robo-Verkehrsmittel stets genau wissen, wo sie sich befinden.

Doch um ihre Position zu errechnen, benötigen sie neben äußerst exakten elektronischen Karten auch ultrapräzise Satellitensignale, genauer als alles, was bisher an Positionsdaten aus dem All verfügbar ist.

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Genau da soll das europäische Satellitensystem Galileo helfen. Ein Projekt, das seit Jahren Probleme bereitet – nun aber immerhin Lebenszeichen funkt: Seit Ende März kreisen Satellit Nummer sieben und acht um die Erde. In diesem Herbst soll eine russische Sojus-Rakete Nummer neun und zehn auf die rund 23.500 Kilometer hohe Umlaufbahn um die Erde schießen.

Erreichen die je 40 Millionen Euro teuren Geräte funktionsfähig ihr Ziel, kreisen endlich genug Funkbojen im Himmel, um kommendes Jahr die ersten Anwendungen zu starten. 2020 soll das System mit dann 30 Satelliten komplett sein.

Ein Durchbruch – für die autonome Mobilität, vor allem aber für die europäische Präsenz in dem Markt. Denn bisher verfügen nur die USA mit dem Global Positioning System GPS, die Russen mit Glonass und die Chinesen mit Beidou über künstliche Erdtrabanten für Ortungsdienste, die auch für Militärs extrem wichtig sind. Die Europäer dagegen versuchen seit Jahren vergeblich, sich mit ihrem Satellitennavigationssystem Galileo aus der Abhängigkeit von den drei Ländern zu befreien.

Mit mindestens sechs Milliarden Euro Kosten ist Galileo heute das kostspieligste europäische Industrieprojekt. Die Betriebskosten von rund einer Milliarde Euro jährlich sind da noch nicht einmal einberechnet. Dafür bietet es schon in der frühen Ausbaustufe gegenüber seinen Rivalen einen entscheidenden Vorteil: Es ist deutlich genauer.

Wie sich das kommerziell nutzen lässt, testen Forschungsinstitute und Unternehmen wie der Industrieriese Siemens, der Kommunikationskonzern Vodafone oder der IT-Service-Dienstleister Scisys seit wenigen Tagen auf den zwei Testgeländen Automotive-Gate und Rail-Gate, die das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in der Nähe von Aachen betreibt.

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