Im Schraubstock der Bürokratie: Die sieben größten Ärgernisse für Handwerker

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Im Schraubstock der Bürokratie: Die sieben größten Ärgernisse für Handwerker

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Kleine Brötchen backen: Viele Meister haben Mühe, neue Nachfolger zu finden.

von Harald Klein

Mindestlohn, neue Regeln bei der Rentenversicherung und Veränderungen am Steuergesetz: Was deutsche Handwerker am meisten ärgert.

Der Mindestlohn belastet die Handwerksbetriebe seit Anfang 2015. Weniger, weil sie ihn zahlen müssen – in vielen Handwerksbranchen liegt der tariflich vereinbarte Mindestlohn über 8,50 Euro. Sondern eher, weil selbst in diesen Branchen jeder Betrieb verpflichtet ist, die täglichen Arbeitszeiten der Mitarbeiter aufzuzeichnen und die Daten für Prüfungen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit zwei Jahre aufzubewahren. „Die 8,50 Euro bedrohen nicht das Handwerk“, sagt Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH). „Aber es ist nicht hinnehmbar, unsere Betriebe mit Kontrollen unter Generalverdacht zu stellen.“

Zwei Regelungen aus dem Rentenversicherungsrecht empfinden viele Betriebe ebenfalls als Zumutung. Zum einen die abschlagsfreie Rente mit 63 nach mindestens 45 Beitragsjahren. Wer als Lehrling ab 16 eingezahlt hat, hat die 45 Beitragsjahre mit 63 ohne Weiteres erreicht. Die relativ jungen Rentner fehlen auf dem Arbeitsmarkt – das Handwerk sucht verzweifelt Fachkräfte. Zum anderen müssen sich auch selbstständige Handwerker in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichern. Das gilt für alle 41 Gewerke, in der ein Meister im Betrieb vorgeschrieben ist. Selbstständige müssen hier 18 Jahre Pflichtbeiträge zahlen.

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Das deutsche Handwerk in Zahlen

  • Handwerksumsatz

    Im vergangenen Jahr hat das deutsche Handwerk einen Umsatz von 533 Milliarden Euro erwirtschaftet. Ein sattes Umsatzplus von 2,4 Prozent.

  • Handwerksbetriebe

    2014 waren 1.007.016 Betriebe in die Handwerksrollen und in das Verzeichnis des handwerksähnlichen Gewerbes eingetragen. 0,2 Prozent weniger als im Vorjahr.

  • Insolvenzen

    Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen im Handwerk in Deutschland ist 2014 gegenüber dem Vorjahr um 9,7 Prozent auf 4.930 gesunken.

  • Erwerbstätige

    Das deutsche Handwerk beschäftigte 2014 etwa 5.379.000 Erwerbstätige. 0,1 Prozent weniger als 2013.

  • Auszubildende

    Etwa 370.995 Lehrlinge erhalten im deutschen Handwerk eine Ausbildung. Damit sind insgesamt 27 Prozent aller Auszubildenden im Handwerk tätig.

  • Beliebtester Ausbildungsberuf bei Männern

    Männer zieht es eher in die handwerklich-technische Richtung. Bei ihnen belegt der Kfz-Mechatroniker seit Jahren unangefochten den Spitzenplatz auf der Beliebtheitsskala. 2014 wurden 56.757 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen.

  • Beliebtester Ausbildungsberuf bei Frauen

    Gemessen an den Ausbildungsverträgen zeigen sich 2014 deutliche Geschlechtsunterschiede in der Berufswahl. Mit insgesamt 20.793 neuen Lehrverträgen zählt Friseurin zum beliebtesten Ausbildungsberuf bei Frauen.

  • Unbesetzte Lehrstellen

    2014 verzeichnete das deutsche Handwerk rund 20.000 unbesetzte Lehrstellen.

Die übrigen rund 100 Branchen sind davon befreit, ebenso Handwerker mit einer GmbH. Trotz verschiedener Initiativen hält die Bundesregierung an der Ungleichbehandlung fest. Viele Handwerksbetriebe firmieren daher zur GmbH um, oder die Inhaber verlassen sofort nach 18 Jahren die Rentenversicherung.

Neues Steuergesetz

Auch bei der Nachfolgeplanung steigt der Druck. Vor allem bei den Regelungen für Betriebe, die per Schenkung oder Erbschaft unentgeltlich auf familiäre Nachfolger oder Mitarbeiter übergehen sollen, stehen Änderungen an. Wegen eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts von Dezember 2014 muss der Bundestag einzelne Punkte des Gesetzes reformieren, das je nach Modell 85 oder 100 Prozent Steuernachlass einräumt. Betriebe mit bis zu 20 Mitarbeitern mussten für den Steuervorteil nicht nachweisen, dass sie im Gegenzug Arbeitsplätze erhalten.

Als neue Grenze ist die Zahl von fünf Mitarbeitern im Gespräch. „Wir schlagen vor, Betriebe mit 12 bis 15 Mitarbeitern zu verschonen“, so Wollseifer. Betroffene Familien können sich voraussichtlich noch bis zur Sommerpause die jetzigen Vorteile sichern. Danach dürften die Neuregelungen erstmals im Bundestag diskutiert werden. Der Termin könnte später als Stichtag für die Anwendung der neuen Regeln gelten.

Digitale Organisation im Handwerk Quelle: Getty Images, Montage

Immer weniger junge Menschen lassen sich für eine Ausbildung im Handwerk begeistern. 2014 meldet der ZDH 384 000 Lehrlinge, der niedrigste Stand seit 2010. Für fast die Hälfte aller Betriebe ist Fachkräftemangel schon jetzt ein Problem, so die Wirtschaftsauskunftei Creditreform. Verglichen mit der Industrie, ist die Bezahlung im Handwerk oft deutlich schlechter, Arbeitszeiten und -bedingungen gelten als weniger attraktiv.

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