Virologe Hartmut Hengel: "Verschärfte Form"

Virologe Hartmut Hengel: "Verschärfte Form"

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Hartmut Hengel ist Direktor des Instituts für Virologie der Universität in Düsseldorf

Virologe Hartmut Hengel über Pandemie-Impfstoffe und den besten Schutz gegen die Schweinegrippe.

WirtschaftsWoche: Herr Hengel, Sie arbeiten in Düsseldorf, wo die japanische Schule wegen der Schweinegrippe geschlossen wurde. Waren Sie auf dem japanischen Fest, das kurz darauf in der Düsseldorfer Innenstadt stattfand?

Hengel: Nein, aber nicht weil ich Sorge gehabt hätte, mich mit der Schweinegrippe zu infizieren. Ich hatte einfach keine Zeit.

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Manche Menschen überlegten damals, sich auf dem Fest ganz bewusst mit dem Erreger anzustecken – jetzt, wo er noch harmlos ist.

Bloß nicht! Von solchen Ansteckungs-Partys rate ich dringend ab. Denn es gibt Menschen, bei denen eine Infektion nicht so harmlos verläuft, etwa weil sie chronisch krank sind oder ihr Immunsystem geschwächt ist. Auch wenn man selbst die Sache gut übersteht: Man steckt andere an, für die es möglicherweise tödlich ausgeht. Ich finde das unverantwortlich.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bereits die Grippe-Pandemie ausgerufen. Wann gibt es einen Impfstoff?

Das hängt davon ab, wann die Hersteller beginnen, ihn zu produzieren. Wie die entsprechenden Saatviren aussehen müssen, hat die WHO Ende Mai bekannt gegeben.

Zumindest will das US-Unternehmen Baxter schon im Juli seinen Pandemie-Impfstoff auf den Markt bringen.

Ja, mit sogenannten Mock-Up-Impfstoffen geht das relativ schnell. Das sind bereits zugelassene Rohvarianten eines Grippe-Impfstoffs, die nur noch um das aktuelle Motiv des Pandemie-Erregers ergänzt werden. Aber die meisten Unternehmen warten noch etwas ab.

Warum?

Weil niemand mit Sicherheit sagen kann, ob ein Impfstoff, der auf Grundlage des ursprünglich isolierten Virus hergestellt wird, zu einem späteren Zeitpunkt wirklich gut wirkt. Diese Viren haben ein hohes Veränderungspotenzial. Wie die Veränderungen genau aussehen, kann man aber nicht vorher sagen. Auch wissen wir nicht, wie sich das neue Virus im Herbst und Winter, der üblichen Grippezeit, verhalten wird.

Wenn man wartet, bis der Erreger tödliche Eigenschaften entwickelt, ist es zu spät.

Irgendwann muss man natürlich anfangen. Das ist ja auch das Problem für Politiker. Sie müssen rechtzeitig handeln, um die Menschen zu schützen. Aber zugleich wollen sie keine Unsummen in einen Impfstoff investieren, der dann nicht optimal wirkt. Um den richtigen Zeitpunkt abzupassen, beobachten Forscher auf der ganzen Welt die Viren gerade sehr genau.

Wie verändert sich das Virus? 

Bei der Weitergabe von Mensch zu Mensch kann sich der neue, hochansteckende Erreger mit den herkömmlichen Grippeviren zusammentun und Erbgutstücke austauschen. So kann eine Mischung entstehen, die gefährlicher ist als der jetzt existierende Stamm. Dem fehlen noch einige bekannte Eigenschaften, die Influenza-Viren so gefährlich machen.

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