Von Nullen und Einsen: Breiteres Breitband

kolumneVon Nullen und Einsen: Breiteres Breitband

Kolumne von Ben Schwan

Wer das schnellstmögliche Internet haben möchte, das hierzulande verfügbar ist, stößt auf allerlei Hürden. Wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan mit einer persönlichen Odyssee auf der Jagd nach breiterem Breitband.

Bild vergrößern

56K-Modem von US Robotics

In meinem Haus gibt es seit vielen Jahren eine schöne Tradition: Immer dann, wenn eine neue Internet-Versorgungstechnik auf den Markt kommt, besorge ich sie mir, um auch ja den schnellstmöglichen Zugang nutzen zu können. So hatte ich als einer der Ersten in meinem Bekanntenkreis ein Modem mit 28.8k, während alle anderen noch mit einem lahmen 14400er oder gar 9600er surfen - wenn man das damals so nennen konnte - mussten. Dann kam ISDN (testweise sogar einmal mit zwei Leitungen, 128 Kilobit!) und alle Stufen, die die ab 1999 verfügbare (T-)DSL-Technik erlaubte - von unsagbaren 768 Kilobit über knapp 3 Megabit und 6 Megabit bis hoch zu ADSL2+ mit satten 16 Megabit, als es das in meinem Wohngebiet dann endlich gab.

Doch seither habe ich aufgehört, die Entwicklung mitzumachen, was mich zunehmend schmerzt. Der Grund war ein ganz einfacher: VDSL, die ADSL2+-Nachfolgetechnik, war mir dann vermarktungstechnisch schlicht zu blöde. Im Gegensatz zu allen anderen Vorgängern nahm sich die Deutsche Telekom zunächst heraus, ihr Upgrade auf Glasfaserkästen in den Straßenzügen (Outdoor-DSLAM) für sich zu behalten, anstatt sie recht bald mit der privaten Konkurrenz zu teilen. Das Monopol wurde auch gleich voll ausgenutzt: Mondpreise mit allerlei TV-Paketen, die niemand haben wollte, der nur Internet brauchte, verbunden mit Einrichtungsgebühren und verpflichtenden Zweijahresverträgen.

Anzeige

Die Telekom hat mich weichgeklopft

Ich hoffte darauf, dass sich dieser Schwachsinn bald legen möge. Tatsächlich merkte der Rosa Riese alsbald, dass diese Vermarktungstaktik nicht recht aufging: Irgendwie wollten erstaunlich wenige "Entertain"-t werden. Man ließ sich also breitschlagen, VDSL auch ersten Resellern anzubieten. Vodafone und 1&1 sowie Alice machten dann endlich mit. Wirklich verbessert hatte sich dadurch allerdings wenig: Das Netz gehörte immer noch größtenteils der Telekom, die Tarife glichen sich recht stark. Auch hier nahezu überall: Zweijahresverträge mit tariflich minimalen Unterschieden. Kam wohl davon, dass alle die gleiche Infrastruktur verwendeten.

Und trotzdem haben mich Telekom und Co. mittlerweile weichgeklopft. Da ich in Skandinavien schon erleben durfte, wie Glasfaser-Internet mit 100 Megabit aussehen kann (das es hierzulande vielleicht in ein paar Jahren gibt, wenn wir Glück haben), ertrage ich meine läppischen 16 Megabit kaum mehr. Wenn man mal einen iTunes-Film mit 8 und mehr Megabyte (!) pro Sekunde durch die Leitung rauschen sah, will man davon nicht mehr weg.

Also machte ich mich vor einigen Wochen auf die Suche nach einem VDSL-Tarif, der mir mit 50 Megabit immerhin die Hälfte der Glasfaser-Bandbreite versprach. Mittlerweile gibt es von der Telekom mit "Call & Surf Comfort VDSL" einen preislich relativ erträglichen Dienst. Die Mindestlaufzeit bleibt natürlich bestehen. Alternativ habe ich bei Hansenet/O2 einen monatlich kündbaren VDSL-Tarif gefunden, der sogar etwas billiger ist.

Das Internet sagt "Nein"

Doch als ob mir die Telekom meine bisherige VDSL-Abstinenz heimzahlen wollte, es war dann wie verhext: Ein Blick auf Ausbaukarten und Verfügbarkeitslisten zeigte schnell, dass ich hier gar kein VDSL bekommen kann. VDSL ist nämlich, das muss man wissen, stark davon abhängig, wo man GENAU wohnt. Während also 30 Meter Luftlinie von meiner Wohnstätte problemlos VDSL 50 bestellbar wäre, schaue ich aus nicht näher bezeichneten Gründen in die Röhre. Das kann daran liegen, dass der Outdoor-DSLAM, auf den es bei VDSL ankommt, nicht nah genug ist (von dort geht's nämlich per lahmem Kupfer weiter). Oder daran, dass es der Telekom nicht gelang, mein Haus komplett mitzuversorgen, also vielleicht nicht genügend freie "Ports" zur Verfügung stehen.

Die Suche nach einer Lösung führte sogleich in eine Sackgasse. Das Internet sagte "nein", zwei Hotlines, die Bestellannahme sowie die technische, ebenso. Danach kam ich bei der Telekom leider nicht mehr weiter. So ist es z.B. offenbar nicht möglich, die lokale Niederlassung zu befragen, ob es nicht vielleicht doch eine Lösung gibt. (Wäre ja auch zu einfach.)

Anzeige
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%