Von Nullen und Einsen: Das Ende des monolithischen Chip-Marktes

kolumneVon Nullen und Einsen: Das Ende des monolithischen Chip-Marktes

Bild vergrößern

CPU-Chip von Sharp aus dem Jahre 2002

Kolumne von Ben Schwan

Früher war die IT-Welt simpel: Intel baute die meisten PC-Prozessoren, gefolgt von AMD. Microsofts Windows lief auf solchen Chips, die Konkurrenz probierte sich weitgehend erfolglos an ein paar anderen Technologien. Mit der Durchsetzung des mobilen Netzes, mit Smartphones und Tablets, ändert sich das alles nun langsam - und zwar womöglich radikal. Wirklich schlecht ist das nicht, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Als ich in den Achtzigern meinen ersten Heimcomputer bekam, war die EDV-Landschaft noch sehr fragmentiert. Zahllose unterschiedliche Rechnermarken stritten sich um die Krone, es gab ältere Rechner mit 8-Bit-Prozessoren, neuere mit 16-Bit-Chips und fast alle nutzten sie unterschiedliche Hersteller für ihr Silizium. Die Namen solcher Central Processing Units klingen für die "Generation C64" noch immer irgendwie heldenhaft: 6502, 68000er, Z-80A. Mittlerweile hat eine Mikrowelle mehr Leistung als solche Prozessoren - und die historischen CPUs werden von IT-Archäologen begutachtet.

Heute ist die Welt eine andere. 99,9 Prozent aller Laptops und Desktops laufen mit Chips von Intel oder AMD. Apple, wo man über Jahre die PowerPC-Fahne zunehmend verzweifelt hochgehalten hatte, machte 2005 - mein Gott, ist das schon wieder lange her! - zur x86-Plattform rüber. Ich kann hier auf meinem Mac also, wenn ich denn will, ein ganz normales Windows ausführen - umgekehrt mit OS X geht das auf anderen PCs, mit etwas Bastelarbeit, natürlich auch. Alles ist irgendwie mit allem kompatibel, eine Monokultur machte sich breit. Seither wartet man Jahr für Jahr nur noch gelangweilter darauf, was die beiden großen Chiphersteller an Neuerungen auskochen. Meist ist alles immer nur ein Quäntchen schneller und verlangt mehr RAM.

Anzeige

ARM-Architektur dominiert den Markt

Intel und AMD könnten sich also beruhigt ins Bettchen legen. Wenn da nicht vor mittlerweile drei Jahren eine Entwicklung losgegangen wäre, die inzwischen höchst spannend geworden ist: Erstmals begannen Smartphones, wirklich smart zu sein - multimedial, ständig vernetzt und mit einer Leistung, die man bislang noch nie in der Hosentasche mit sich herumtragen konnte. Was so ein Android-Handy, iPhone oder Windows-7-Gerät an grafischer Darstellungskraft, Touchscreen-Antwortzeiten und purer Rechenkraft liefert, ist die eigentliche Revolution der letzten Jahre. Und dann wäre da auch noch der aufkommende Tablet-Markt.

Auf die traditionelle PC-Chip-Branche schlug das alles anfangs nur langsam durch. Dabei werkeln in all den modernen Mobilgeräten Prozessoren mit ganz anderem Anforderungen als in Desktops und Laptops. Stromsparend müssen sie sein, gleichzeitig aber auch die Fähigkeit besitzen, Leistung in kurzen Bursts mit minimaler Wartezeit abrufbereit zu halten. Hinzu kommt eine höhere Integration: Platz für eigene Grafikchips gibt es selten, so dass die Prozessoren samt Umgebung in Paketen kommen, die alles Wichtige in Modulform enthalten.

Momentan dominiert Technik auf Basis der Architektur von ARM - egal ob es nun Apples A4 oder Samsungs Hummingbird ist, ob auf dem Smartphone Android, Windows 7 oder iOS läuft. Gebaut werden diese Chips, etwa der Cortex A8, von zahlreichen Herstellern. Samsung, Texas Instruments, Marvell, FreeScale, Qualcomm, Nvidia - die Liste ist lang. Alle haben sie sich den Patentrechteschatz der ARM-Holdings gesichert, die selbst eine lustige (und lange) Geschichte haben.

Nutzer profitieren vom Trend

Intel und AMD haben diesem flotten Treiben erstaunlich wenig entgegenzusetzen, machen ihr Hauptgeschäft nach wie vor mit x86-PCs. Intel hätte selbst im ARM-Sgement mitmischen können, verkaufte aber bereits 2006 Anteile an einem Joint-Venture. Stattdessen versucht man seit Jahr und Tag, die x86-basierte und stromsparoptimierte Atom-Technik nach vorne zu bringen, zuletzt recht erfolgreich auf Netbooks. Doch diese Kategorie wird gerade von den Tablets überrollt und die laufen wieder - es war nicht anders zu erwarten - mit ARM.

Die x86-Helden müssen zwar aufgrund der wieder anziehenden PC-Verkäufe nicht heute um ihre Vorherrschaft bangen, aber sehr wohl morgen. Mittlerweile erwägt sogar Microsoft, eine Windows-Version für ARM-Chips anzubieten - eben weil die Plattform im mobilen Bereich derart dominant ist und auf Tablets so gut spielt.

Doch ARM wird auch nicht zum neuen Intel werden - schon allein deshalb, weil die halbe IT-Industrie hier mitmischt. Vielleicht ist ja auch einfach das monolithische Modell, das Intel, AMD und Microsoft im PC-Markt so lange prägten, von gestern. Für die Nutzer ist der Trend eigentlich nur positiv: Sie erleben eine gestärkte Konkurrenz und bekommen Geräte, die länger laufen und schneller loslegen.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%