Von Nullen und Einsen: Der unbekannte Steve

kolumneVon Nullen und Einsen: Der unbekannte Steve

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Steve Jobs Biographie von Walter Isaacson

Kolumne von Ben Schwan

In Walter Isaacsons offizieller Jobs-Biografie lernt man den Apple-Mitbegründer kennen, wie man ihn so noch nie erlebt hat - emotional und menschlich und nicht nur als Magier der IT-Innovationen. Gleichzeitig erfüllt das Werk die Ansprüche an eine historisch akkurate Chronik des jüngsten Computerzeitalters. Jobs verstarb noch vor der Veröffentlichung - und ohne das Buch zu lesen. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan mit einer Rezension.

"Steve Jobs by Walter Isaacson", wie die autorisierte Biografie des Apple-Mitbegründers offiziell heißt, ist ganz anders als alles, was Steve Jobs jemals selbst herausgebracht hätte. Während seine Firma und er persönlich stets enorm kontrolliert und bedächtig mit der Vorstellung neuer Produkte - und der Bewältigung von PR-Krisen - umgingen und jedes Wort auf die Goldwaage legten, konnte der ehemalige "CNN"-Chef und "TIME"-Redaktionsleiter Isaacson das gesammelte Material völlig frei verwerten.

Apple selbst kommentiert das Werk bislang mit keinem Wort, aber das braucht der Konzern auch nicht. Es steht für sich selbst. Im elektronischen iTunes-Buchladen, dem iBookstore, wird es groß präsentiert und entwickelte sich sofort zum Bestseller, genauso wie das ebenfalls bei Apple erhältliche Hörbuch. "Steve Jobs" dürfte, da bin ich mir sicher, schnell zum meistverkauften E-Book aller Zeiten werden. (Für Amazons Kindle ist es natürlich auch zu haben. Entgehen kann man dem Band kaum.)

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Über 40 Interviews mit Jobs selbst und zahllose Gespräche mit Familie, Weggefährten und Gegnern kamen für das Buch seit 2009 zusammen - ein enormer Informationsschatz, aus dem das über 650 Seiten starke Werk gekonnt schöpft. Jobs selbst hatte Isaacson zugesagt, der vorher Biografien über Albert Einstein und Benjamin Franklin schrieb, dass er das Buch ohne jegliche Zensur verfassen dürfe. Er wolle es nicht einmal lesen, betonte er, um nicht den Eindruck aufkommen zu lassen, es handele sich um eines jener unsäglichen Inhouse-Werke im Auftrag einer Konzernleitung.

Im nüchternen Ton

Jobs sagte Isaacson, er werde sich das Buch vielleicht nächstes Jahr ansehen. Das war nur Wochen vor seinem Tod. "Er hatte so eine machtvolle, magische Art, über die Dinge nachzudenken, dass ich sofort begeistert von dem Gedanken war, dass er in einem Jahr noch leben würde", so der Autor.

Wenn man das Buch liest, das von einem nüchternen Ton geprägt ist, der gleichzeitig typisch amerikanisch-optimistisch ist, kommt man sich an mancher Stelle vor wie ein Voyeur. Jobs' Jahre mit der Krebserkrankung werden detailliert geschildert, wobei erstmals zu lesen ist, dass bereits 2004, nach der ersten Operation, klar war, dass sein Bauchspeicheldrüsentumor sich auf andere Bereiche des Körpers ausgeweitet hatte. Jobs musste die nächsten Jahre über in Krebsbehandlung, was geheim gehalten worden war. Der Apple-Mitbegründer hatte neun Monate lang eine Operation gescheut - eine zutiefst menschliche Entscheidung.

Manchmal fragt man sich, ob man so etwas wissen muss. Doch Isaacson will das "Book of Record" zu Jobs schreiben und die Krankheit gehört zu seiner Person. Ebenso gehört dazu, dass der Apple-Mitbegründer kein einfacher Zeitgenosse war. Er forderte Menschen heraus, wie man in der Biografie schon in den Kapiteln aus jungen Jahren nachlesen kann und war brutal ehrlich. Er forderte diese brutale Ehrlichkeit von seinen Mitarbeitern aber auch. Ebenso kritisch waren seine frühen Jahre mit seiner ersten Tochter. Und Frau Laurene Powell hatte auch unter dem Innovator zu leiden. "Es ist nicht so, dass jemand, der auf der einen Seite genial ist, nicht auch Schwächen hat", lässt sie Isaacson erzählen. Jobs lebte sein Leben so, als würde es bald enden - und das schon vor der Krankheit. "Lasst das, was Euer Herz sagt, nicht durch den Lärm der anderen übertönen." Weinen und Wutausbrüche gehören dazu.

Jobs von Alpha bis Omega

Was bei seiner Arbeit herauskam, davon konnte sich dann jeder anhand der Produkte von Apple überzeugen. So overhyped die Marke in den letzten Jahren auch war - im Kern sind die Produkte immer eine Spur menschlicher als das, was andere fabrizieren. Das kann daran liegen, dass es Jobs, wie Isaacson glaubhaft darlegt, nie wirklich ums Geldverdienen ging - wobei er darin zum meiste mutierte -, sondern um bessere Produkte.

"Steve Jobs" zeigt den Apple-Chef von Alpha bis Omega. Von seiner Kindheit als Adoptivsohn mit Eltern, die ihm den Weg ins Silicon Valley wiesen - sein Vater war selbst ein detailverliebter Bastler - über die frühen Erfolge bei Apple, den Rauswurf, den externen Erfolg mit der Filmfirma Pixar und dann, ab 1997, die triumphale Wiederkehr.

Das Buch liest sich stellenweise wie eine Reportage - Isaacson, der heute die renommierte Denkfabrik Aspen Institute leitet, hat eine ausgezeichnete journalistische Vorbildung, die auch für die Langstrecke reicht. Das beste an "Steve Jobs" sind allerdings die vielen kleinen Details, die zahllosen O-Töne von Wegbegleitern und Jobs selbst, die man sonst nie zu hören bekommt, weil Apple ein so schweigsamer Marktbeherrscher ist. Isaacson hat dabei eine Mammutaufgabe bewältigt, wie er selbst einräumt. "Manchmal gab es vier verschiedene Varianten der ein und derselben Anekdote." Seine journalistische Ausbildung dürfte ihm dabei geholfen haben, die Wahrheit zu finden.

Wenn eines nach der Lektüre von Isaacsons Werk klar wird, dann ist es dies: Die Welt ist ohne Jobs eine schlechtere. Er setze neue Dinge durch, die sich andere nicht trauten, zeigte neue Wege, die andere längst aufgegeben hatten. Jobs hat versucht, in den letzten Jahren seine Kultur des Perfektionismus und der Innovation zwischen Technik und Geisteswissenschaften auf den Gesamtkonzern zu übertragen, auf Apples DNA. Man kann der IT-Branche nur wünschen, dass dies gelungen ist.

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