Von Nullen und Einsen: Die Qual der Smartphone-Wahl

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Oberfläche des ersten iPhone Generation

Kolumne von Ben Schwan

Wer jetzt noch keines hat, sollte sich endlich eines kaufen: Die Auswahl an guten Smartphones ist größer als je zuvor, nachdem nun auch der Software-Riese Microsoft in das Geschäft zurückkehrt. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan gibt einen Überblick über die verschiedenen Plattformen und ihre Möglichkeiten - und Tipps, was man bei der Auswahl beachten sollte.

Vor dem 29. Juni 2007 war alles anders. Handys mit Computerfunktionen, auch Smartphones genannt, stellten eher langweilige Gerätschaften da, mit denen Geschäftsleute ihren E-Mail-Verkehr abwickelten und hier und da Ausflüge in ein sehr eingeschränktes World Wide Web unternahmen. Mancher abenteuerlustiger Nutzer hatte sich auch erste Anwendungen ("Apps") auf sein Symbian- oder Windows Mobile-Gerät aufgespielt, doch der Mainstream telefonierte mit seinem Handy vor allem.

Als Apple dann an jenem Sommertag sein iPhone vorstellte, das eine ausgefuchste Touchscreen-Bedienung samt "echtem" Browser bot, änderte sich alles. In den nächsten Jahren begann der Verkauf von Programmen direkt auf dem Handy, Hunderttausende Titel vom Spiel bis zur Bürolösung waren plötzlich im Angebot. Und dann war da auch noch der riesige Hype, das Apfel-Gerät als Fashion-Statement.

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Ob es einem passt oder nicht - Apple trat das Smartphone 2.0 los. Die Wettbewerber begannen, Geräte zu bauen, die mit dem iPhone konkurrenzfähig waren. Mittlerweile ist die Auswahl an Smartphones riesig, fünf verschiedene Plattformen teilen sich den Markt. In dieser Woche kam nun auch Microsoft mit einer neuen, deutlich verbesserten Handy-Oberfläche heraus. Ich möchte das zum Anlass nehmen, in dieser Kolumne alle fünf Plattformen mit ihren Vor- und Nachteilen vorzustellen. Sie wendet sich an Smartphone-Neulinge und Wechselwillige.

Microsoft: Rückkehrversuche eines Riesen

Der Softwareriese Microsoft hat die wohl stressigste Aufholjagd hinter sich. Und es hat sich durchaus gelohnt: Windows Phone 7, das in diesen Tagen erstmals in fertiger Fassung vorgestellt wurde, ist ein gelungenes Smartphone-Betriebssystem. 10 Geräte von unterschiedlichen Herstellern sollen in den nächsten Monaten erscheinen, die sich nur durch kleine Goodies unterscheiden: Manche haben einen besseren Sound, andere einen größeren Bildschirm, wieder andere eine Hardware-Tastatur, also noch richtige Knöpfe.

Das Gute an Windows Phone 7 ist die Anbindung an bestehende PC-Infrastrukturen: Mit Office oder Exchange spielt die Microsoft-Technik naturgemäß gut zusammen. Das Schlechte ist aber auch, dass Windows Phone 7 so neu ist, dass es nur sehr wenig Software gibt. Hunderttausende Apps wie beim iPhone oder bei Android sind nicht verfügbar, es wird dauern, bis Hunderte verfügbar sind. Hinzu kommt, dass die durchaus schicke Oberfläche, die auch einige neue Ideen implementiert, noch nicht komplett ist. Microsoft will beispielsweise die durchaus wichtige "Kopieren und Einfügen"-Funktion erst nachreichen.

Apple: Glasklare Geschlossenheit

Zum iPhone braucht man eigentlich nicht viel zu sagen: Es gibt drei Modelle, die verfügbar sind - die aktuelle iPhone 4-Linie mit zwei Speicherausbaustufen (Multimediafreunde nehmen die 32 GB-Version) sowie das ältere, etwas billigere iPhone 3GS. An Anwendungen kann man sich nirgendwo mehr erfreuen als auf dieser Plattform. Es gibt viele innovative Apps, die Bedienung funktioniert spielend leicht und selbst die Anbindung an Unternehmensnetze, die einst ein großer Nachteil war, funktioniert recht gut. Das iPhone 4-Antennenproblem ist ebenfalls fast vergessen - es kam in Deutschland aufgrund der besseren Netzabdeckung sowieso recht selten vor.

Der Nachteil am iPhone: Der Nutzer ist in einer Plattform "gefangen", die Apple mit strenger Hand kontrolliert. Der Software-Laden App Store wurde zwar kürzlich um einige nervige Knebelmaßnahmen für Programmierer befreit, doch behält sich Apple nach wie vor vor, Anwendungen zu zensieren, wenn ein Inhalt nicht den (konservativen) amerikanischen Vorstellungen entspricht. Ob diese Dinge einem einfachen iPhone-Nutzer auffallen, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Zur Ansteuerung des iPhone braucht man stets Apples iTunes-Software. Auch das ist ein Zeichen von Kontrolle.

Zudem lässt sich Apple seinen Status als Kultmarke und technischer Vorreiter natürlich immer noch extra bezahlen. Inwieweit die Preise nun durch den Fall des Telekom-Monopols bei Vodafone und O2 sinken, muss man abwarten - doch ein gewisser Apple-Aufschlag wird bleiben. 

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