
Als ich mir im vergangenen Sommer mein iPhone 3GS besorgte, hatte ich ziemlich viel Glück. In einem Forum hatte ich aufgeschnappt, dass Apples italienischer Online-Laden erstaunlicherweise auch den Versand nach Deutschland erlaubte, wenn man eine passende Adressdarstellung wählte. Und zwar von Geräten, die im Gegensatz zu den hierzulande allein bei der Deutschen Telekom verfügbaren Modellen völlig vertrags- und netlockfrei waren - also in jedem beliebigen Netz funkten, wie ich das haben wollte.
Offensichtlich hatte der Konzern mit dem Apfellogo einen europaweiten Liefervertrag mit einem großen Paketdienstleister geschlossen, dem es dann zumindest anfangs reichlich egal war, in welches Land er ein Gerät vom Hauptlager in den Niederlanden verschickte. Und so kam es dann tatsächlich auch: Obwohl hierzulande offiziell kein Direktverkauf durch Apple möglich war, erreichte mich wenige Tage später mein brandneues Gerät, problemlos bezahlt mit Kreditkarte.
Nur ganz günstig war der Einkauf nicht: 700 Euro wurden für ein Modell mit 32 GB Speicher fällig, was der fehlenden Subventionierung durch einen Mobilfunkanbieter geschuldet war. Doch das war mir in diesem Fall egal: Der Telekom-Vertrag wäre in meiner persönlichen Situation ein Vielfaches teurer gewesen und netlockfreie Geräte bei deutschen Importeuren kosteten wenige Wochen später deutlich mehr als meine Italo-Eigenbestellung.
Es ist stark davon auszugehen, dass ein solcher direkter Online-Versand in diesem Jahr nicht mehr funktioniert - schließlich hat Apple nach wie vor einen fetten Exklusivdeal mit dem Rosa Riesen laufen, den es zu schützen gilt. Und so muss man, egal ob bereits Telekom-Kunde oder nicht, standardmäßig in den sauren Apfel beißen, wenn man eines der brandneuen iPhone 4-Geräte auf dem offiziellen hiesigen Weg haben will. Entweder wird einem der alte Vertrag verlängert oder man kann sich zwei Jahre lang an teuren "Complete"-Tarifen ergötzen, bei denen für läppische 1 GB Datennutzung bereits 60 Euro fällig werden.
Flexibel ist man damit auch nicht: So ist etwa ein Tethering, vulgo: Anschluss des iPhone an den Laptop zum Surfen, nur gegen Zusatzzahlung von minimal weiteren 5 Euro (mindestens sechs Monate lang) möglich. Sogar Internet-Telefonie verbietet der Vertrag. Entsprechend viel Lust kann man bekommen, sich auch in diesem Jahr wieder ein Telekom-freies iPhone zu besorgen. Dazu hat man genau zwei Möglichkeiten: Entweder man wartet darauf, bis Importeure die Geräte in Deutschland anbieten - bisherige Preise bewegen sich allerdings bei 1000 und mehr Euro - oder man wird kurzfristig zum Handlungsreisenden ins EU-Ausland.
Soweit muss man dabei gar nicht fahren: Die Länder, in denen es aktuell freie iPhones zu erwerben gibt, sind Frankreich (629 Euro für das 16 GB-Modell, 739 Euro für das mit 32 GB) und Großbritannien (499 und 599 Pfund, wechselkursanfällig). Im Juli dürften weitere Regionen hinzukommen, beispielsweise (wieder) Italien und Belgien. Ein schneller Kauf dürfte nach der ersten Ansturmphase unter anderem in den diversen Apple Retail Stores möglich sein.
Flexibilität hat weiterhin ihren Preis
Man kann sich natürlich fragen, wie sinnvoll es ist, die zum Beispiel 739 Euro für ein freies französisches 32 GB-iPhone auszugeben. Hier hängt die Entscheidung ganz von der persönlichen Situation ab. Die Rechnung ist simpel: Tarif des Telekom-Konkurrenten (dabei auf die Laufzeit achten!) plus freies iPhone plus eventuelle Kosten für den schnuckeligen Städtetrip (vorzugsweise per Billigflieger - oder wenn man sowieso in Frankreich oder Großbritannien ist).
Mein persönliches Setup ist dank des vertragsfreien iPhone 3GS übrigens recht wild: Im Handy selbst nutze ich die SIM-Karte eines Billiganbieters, der meine Nummer portierbar hält, während in meiner mobilen Mifi-Basisstation eine Karte eines Telekom-Wiederverkäufers steckt. Der nutzt zwar das (durchaus gute!) T-Netz, kostet mich aber für reine Daten nur 30 Euro im Monat mit 5 GB. Außerdem kann ich, wenn ich möchte, auch hier jeden Monat aus dem Vertrag aussteigen.
Alternativ könnte man auch noch darauf warten, ob Telekom-Konkurrenten Import-iPhones in einigen Monaten selbst anzubieten versuchen. So ist von Vodafone zu hören, dass man dort ein Angebot unterbreiten will - allerdings natürlich mit Laufzeitvertrag. Ergo: Wirklich flexibel ist man weiterhin nur mit einem vertrags- und netlockfreien iPhone, das seinen Preis hat. Bleibt zu hoffen, dass Apple seine Politik aus Großbritannien und Co. bald auch nach Deutschland exportiert. Geschlossen ist die Plattform auch so schon genug.











