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kolumneVon Nullen und Einsen: Googles großes Spiel

Kolumne von Ben Schwan

Nachdem Chefwechsel tut sich einiges bei Google. Der Internet-Riese tritt im Mobilbereich und sogar beim Angriff auf Microsoft richtig aufs Gas. Darauf, dass die aggressiven Vorstöße zum Erfolg führen, mag wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan dennoch nicht wetten.

Teilhehmer der Quelle: dpa
Teilhehmer der Google-Entwicklerkonferenz I/O in San Francisco Quelle: dpa

Wenn man sich die Liste der Dinge anschaut, die Google auf seiner bereits seit 2008 stattfindenden "I/O"-Konferenz vorgestellt hat, ergeben sich mindestens so viele Nieten wie Gewinner. Natürlich, das sehr erfolgreiche Mobilbetriebssystem Android wurde hier präsentiert. Doch Produkte wie "Google Wave" oder "Google Friend Connect", die auf dem Entwicklertreffen in San Francisco einst ebenfalls erstmals gezeigt wurden, erwiesen sich trotz allem Hype als im Markt nicht wirklich platzierbar. Wave, ein komplizierter Kommunikationsdienst, der einmal E-Mail ablösen sollte, wurde nach einem knappen Jahr eingestellt, nach Friend Connect, das eine Art Über-Facebook werden sollte, schreit heute kein Hahn mehr.

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Um es zusammenzufassen: Die Neuigkeiten von der "I/O" sind häufig das, was der Amerikaner einen "mixed bag" nennt - es kann gut ausgehen oder durchwachsen. Entsprechend gefreut hat es mich, dass die diesjährige Veranstaltung dann doch noch allerlei Spannendes zutage brachte. Ich kann es zwar nicht belegen, vermute aber, dass das viel mit dem Führungswechsel an der Google-Spitze zu tun hat. Der etwas dröge und manchmal geradezu unheimliche Eric Schmidt ist zum Verwaltungsratsvorsitzenden weggelobt worden, während mit Larry Page ein Google-Gründer das Ruder übernahm. Page ist nicht das, was man sich unter einem knallharten Manager vorstellt: Er ist eher eine zurückgenommene, ja nerdige Persönlichkeit. Und trotzdem: Genauso wie Gründungskollege Sergey Brin hat er sich im Triumvirat mit Schmidt in den letzten Jahren viel Managementwissen angeeignet.

Techpresse verreißt den Google-Musikdienst

Die "I/O" 2011 hatte denn auch gleich mehrere Höhepunkte. Am ersten Tag ging es ein wenig weiter wie schon im letzten Jahr: Google feierte seinen Erfolg mit Android, ohne dass Unterhaltungselektronikkonzerne mittlerweile kein Smartphone mehr zu bauen wagen. 100 Millionen Geräte sollen mittlerweile im Markt sein, Probleme wie die Fragmentierung, also zahllose unterschiedliche Versionen des Betriebssystems, will Google mit neuen, zunächst freiwilligen Wartungsprogrammen lösen. Android geht außerdem den Weg auf immer mehr Geräte: Nach Tablets wird auch der Bereich der Multimedia-Boxen angepeilt, womit nicht nur Google TV gemeint zu sein scheint. Android 3.1, die nächste Version des Tablet-Betriebssystems "Honeycomb", wächst sich unterdessen zu einer validen iPad-Alternative aus, auch wenn hier vieles noch nicht so leicht bedienbar ist wie bei Apple. Im Musikbereich startete Google den etwas langweiligen Speicherdienst "Music Beta", der in der Techpresse bereits verrissen wurde - möglicher Ärger mit Plattenlabels inklusive.

Doch die "I/O" besteht ja nicht nur aus dem Android-zentrierten Eröffnungstag. Tag 2 beinhaltete eine zweite Keynote-Präsentation und in der ging es wirklich zur Sache. Zeigte Google im letzten Jahr bereits einen Laptop mit dem Browser-basierten Betriebssystem Chrome OS, wächst sich die Idee nun zur Komplettplattform aus, die Microsoft und Windows Konkurrenz machen soll.

Google ist ein Werbekonzern

Die Chromebooks genannten Billigrechner von Samsung, Acer und Co. sollen komplett Internet-basiert sein: Der Browser ist der Computer, ohne ein durchscheinendes Betriebssystem. Der Nutzer verbringt darauf sein Leben in Google-Diensten und anderen Web-Apps: Die speichern Daten in der "Cloud". Das Konzept klingt spannend. Da alles im Netz liegt, kann man sein Chromebook auch aus dem Fenster werfen, um dann mit dem nächsten einfach weiterzumachen. Google verfolgt darüber hinaus eine aggressive Strategie, Geräte bei Unternehmen zu platzieren: Pilotprogramme mit mehreren US-Mittelständlern sollen diesen beweisen, dass es ein Leben außerhalb von Windows gibt.

Mir selbst macht die Chromebook-Idee allerdings Bauchschmerzen: Man darf dabei nicht vergessen, welch sensible Daten man aus der Hand gibt, die dann potenziell in irgendwelchen Rechenzentren im Ausland lagern. Hinzu kommt, dass das alles letztlich mit Googles Hauptgeschäftsmodell zusammenhängt, der Online-Werbung. Noch immer kommen mindestens 90 Prozent der Einnahmen aus diesem Bereich, nicht aus Services, nicht aus Android, nicht aus Chromebooks. All diese Plattformen sind letztlich nur ein Weg, Nutzer zum Betrachten von bezahlter Reklame zu bekommen. Google ist auf diese Weise ein Werbekonzern, der so tut, als sei er ein IT-Riese. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das unter Larry Page ja langsam.

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