Von Nullen und Einsen: Googles mobile Sackgasse

kolumneVon Nullen und Einsen: Googles mobile Sackgasse

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Google-Chef Eric Schmidt mit einem Android-Smartphone

Kolumne von Ben Schwan

Je nach Statistik hat Googles Handy-Betriebssystem Android Apples iPhone mittlerweile eingeholt - oder sogar überholt. Der Preis dafür war allerdings hoch: Der Online-Riese verdient mit seiner Technik nur indirekt, besitzt erstaunlich wenig Kontrolle über die Plattform und musste zuletzt auch noch den Kotau vor seinen Mobilfunkpartnern machen. Für Innovationen im Zukunftsmarkt der mobilen Internet-Computer bedeutet das wenig Gutes, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Würde man die aktuell laufende Upgrade-Kampagne für Googles Mobilfunk-Betriebssystem Android ein Desaster nennen, es wäre nicht unbedingt eine Übertreibung: Bereits seit Monaten versucht der Internet-Konzern, möglichst große Teile seiner Gerätepopulation auf die lecker "Froyo" getaufte neue Version 2.2 zu hieven.

Allein, es will nicht klappen. Da wären zum einen die Geräte, denen die technischen Voraussetzungen fehlen, das neueste Android zu nutzen - sie werden wohl auf immer bei der Uralt-Version 1.6 bleiben. Andere Hersteller haben schwere technische Probleme, weil sie Android aus Differenzierungsgründen aufgebohrt haben oder wollen lieber zunächst auf 2.1 upgraden, weil sie Froyo nicht trauen. Und dann sind da noch die Netzbetreiber, die Android 2.2 zwar ihren Kunden versprochen haben, es seit Wochen aber nicht hinkriegen - und stattdessen zweifelhafte Werbe-Updates anbieten. Einzig Googles hauseigenes "Nexus One"-Handy, das der Konzern mittlerweile aber gar nicht mehr an Endkunden verkauft, schluckte Froyo problemlos und vor allem frühzeitig.

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Merkwürdiges Geschäftsmodell

Was dieses Upgrade-Wirrwarr zeigt, ist vor allem eines: Android ist trotz seines noch jungen Alters - keine zwei Jahre ist die Plattform alt - bereits unsagbar fragmentiert. Während Apple für seine iOS ein Update bereitstellen kann, das dann auf iPhones, iPod touch oder iPad von den Nutzern häufig innerhalb weniger Stunden installiert wird, muss Google sich mit Geräteherstellern und Netzbetreibern herumärgern. Die Hardware ist einfach zu unterschiedlich und liegt nicht in der Hand des Internet-Riesen.

Dessen Plattform, die in den letzten Monaten je nach Marktforschungsunternehmen die iPhone-Fraktion entweder eingeholt oder überholt hat, verfügt sowieso über ein reichlich merkwürdiges Geschäftsmodell. Android kostet die Gerätebetreiber nämlich keinen Cent: Die "Open Handset Alliance" macht es möglich. Geld will Google mit etwas anderem verdienen: über mobile Werbung, die über die Plattform und den enthaltenen Browser gesprenkelt wird. Zu 100 Prozent geht das so eingenommene Geld aber auch nicht an den Internet-Riesen - er hat Deals mit Geräteherstellern und Netzbetreibern laufen, um diese zu beteiligen.

Innovationen lassen sich nur schwer etablieren

Trotzdem ist Android für Google hausintern ein enorm wichtiges strategisches Pfund. Das konnte man schon am für viele Netzexperten völlig überraschenden Kotau erkennen, den der Online-Konzern kürzlich in Sachen Netzneutralität vor den Mobilfunk-Carriern veranstaltete. Firmenboss Eric Schmidt sagte der versammelten Welt ohne jegliche Schamesröte im Gesicht, dass das mobile Internet nicht dem Festnetz entspreche, weil dieser Markt "dynamischer" sei und stärker im Wettbewerb stünde. Dabei weiß jedes Kind, das bis fünf zählen kann, dass es in keinem Land der Welt mehr als eine Handvoll große Mobilfunkanbieter gibt. Und deren Netzwerkmanagement und Kundengängelei sind weltweit fast überall gleich.

Aber Google will es zulassen, dass diese Carrier im längst zur Commodity gewordenen Drahtlos-Internet tun und lassen dürfen, was sie wollen - eigene Dienste bevorzugen genauso wie das Einschränken von Firmen, die nicht extra zahlen wollen. Schmidt betonte, man sei darauf eingegangen, weil man ja im Festnetz-Internet einiges erreicht und die Netzneutralität erstmals festgeschrieben habe. Pustekuchen.

Noch lässt sich nicht sagen, wie und ob die Android-Strategie aufgehen wird. Das Einnahmemodell für Google ist schwammig, die Konkurrenz durch Apple und Co. weiterhin scharf. Und dann wäre da noch eine dicke Patentklage seitens des frischgebackenen Java-Besitzers Oracle, der dank Aufkauf von Sun Microsystems nun über ein enormes Rechteportfolio verfügt. (Wer weiß, dass Oracle-Boss Larry Ellison ein guter Freund von Steve Jobs ist, muss hier kurz grinsen.)

Doch was bedeutet das alles für die Nutzer? Zunächst ist es schön, dass mit Android eine handfeste Alternative zu iPhone und Co. existiert. Das Problem: Sie ist bei weitem nicht so offen, wie es Google versprochen hatte. Innovationen lassen sich, siehe Froyo-Desaster, nur schwer etablieren. Die Carrier besitzen völlig freie Hand - sowohl beim Abgesang auf die Netzneutralität als auch bei der Anpassung der Geräte, dem bei den Kunden so verhassten "Branding". Wirklich zukunftsträchtig ist das nicht.

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