Von Nullen und Einsen: Kurznachrichten, die nichts kosten

kolumneVon Nullen und Einsen: Kurznachrichten, die nichts kosten

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SMS auf einem alten Handy

Kolumne von Ben Schwan

Lange Jahre war die SMS eine Cashcow für die Mobilfunkanbieter: Sie nahm nicht viel Bandbreite weg, war technisch wenig anspruchsvoll und kostete pro Stück und je nach Vertrag trotzdem schon mal zweistellige Cent-Beträge. Mittlerweile nimmt das Kurznachrichtenaufkommen langsam ab - auch, weil es endlich marktgerechtere Alternativen gibt. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan über neue Messaging-Dienste, die der alten Textnachricht den Garaus machen könnten.

Der US-amerikanische Mobilfunkanbieter AT&T, der bis vor kurzem alleiniger Anbieter von Apples iPhone im Land war, überbrachte seinen Kunden in der vergangenen Woche schlechte Nachrichten. Man habe sich entschieden, sein SMS-Angebot "zu optimieren und klarer zu gestalten" und deshalb zwei kostengünstige Pauschalen zu 5 und 10 Dollar im Monat mit jeweils 200 oder 1000 Textnachrichten im Paket gestrichen. Seither muss die AT&T-Kundschaft im Land der Cowboys, Banker und Technologieunternehmer entweder satte 20 Dollar im Monat für eine SMS-Flatrate blechen oder flotte 20 US-Cent pro Stück löhnen.

Das Vorgehen des amerikanischen Mobilfunkriesen ist ein Zeichen für das, was uns in Europa noch blüht. AT&T weiß nämlich, dass es mehr und mehr Dienste gibt, die SMS kostenlos und viel besser ersetzen - und in den nächsten Monaten dürften weitere hinzukommen. Da sorgen wir dann besser noch dafür, kurz etwas mehr Kasse mit SMS zu machen, dachte sich da wohl das Management. Geht ja vielleicht bald nicht mehr. (In Deutschland wird das Niveau momentan noch vor allem durch Flatrates gehalten.)

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Ein Wunder, wie lange sich SMS schon halten

Es ist sowieso ein Wunder, wie furchtbar lange sich die Textnachricht mit ihren 160 beschränkten Zeichen und ihrem erstaunlich hohen Preis für eben diese simple Übertragungsleistung gehalten hat. Klar, es gab zwischenzeitlich auch noch den Multimedianachfolger MMS, doch auch der ist teuer (= noch teurer als SMS) und die übertragbare Datenmenge von 300 Kilobyte passt ebenfalls längst nicht mehr ins Internet-Zeitalter, Stichwort: Briefmarkenbilder.

Kostengünstig textlich kommunizieren kann man auf Smartphones schon lange: Die verschickte E-Mail ist ebenso über das von vielen Kunden gebuchte Internet-Datenpaket abgedeckt wie die Nutzung von Instant-Messaging-Apps, sollte der Netzbetreiber hier nicht wettbewerbsfeindlich vorgehen und letztere einschränken.

Konkurrenzdienste kein vollwertiger Ersatz

Das Problem: Die Dienste waren kein vollwertiger Ersatz für SMS, weil SMS so einfach ist. Die Textnachricht ist mit jedem anderen Handy kompatibel - es reicht die Eingabe der Empfängernummer, schon ist man im Geschäft. Deshalb müssen spezialisierte Messaging-Services her, die diese Einfachheit kopieren. Nur so findet sich eine kritische Masse an Nutzern.

RIMs Blackberry Messenger (BBM) ist ein Beispiel dafür, wie es funktionieren kann. Der Dienst, der gerade als Medium der Wahl unter britischen Randale-Jugendlichen in die Negativschlagzeilen geriet, funktioniert ultrasimpel: Zwischen Blackberry-Geräten lassen sich Textbotschaften beliebiger Länge senden und empfangen, Multimedia-Features (Fotos, Videos) sind eingebaut, Gruppen-Benachrichtigungen sind verfügbar und selbst einen einfachen Empfangsstatus gibt es. Zur Kommunikation reicht die E-Mail-Adresse des Partners oder seine Blackberry-PIN, eine eindeutige ID-Nummer jedes Gerätes. Darüber hinaus ist der Nachrichtenversand auch noch verschlüsselt, was gerade den britischen Behörden zu schaffen macht. (Blackberry hat allerdings offenbar einen Nachschlüssel.)

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