Von Nullen und Einsen: Mein Apfel, dein Apfel

kolumneVon Nullen und Einsen: Mein Apfel, dein Apfel

Kolumne von Ben Schwan

Es ist ein erstaunliches Verfahren: Der Computerriese Apple hat den koreanischen Elektronikkonzern Samsung verklagt, weil der seine Handys zu nah an iPhone und Co. ausrichten soll. Gleichzeitig ist Apple aber Samsungs größter Kunde - und will das auch bleiben. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan über einen Kleinkrieg um geistiges Eigentum - und die Frage, was man überhaupt schützen können sollte.

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Original und Kopie? Rechts Apple, links Samsung

Wenn man ehrlich ist, kann man Apples Wut verstehen. Da hat der Computerkonzern sich seit 2007 mit enormer Mühe eine dominante Position im Smartphone-Markt erkämpft - nur um nun zu erleben, dass Google mit seinem Handy-Betriebssystem Android und zahllosen Partnerunternehmen mehr und mehr Marktanteile erobert. Das, was die Hersteller an "Look & Feel" abliefern, orientiert sich dabei nicht selten an dem, was Cupertino sich ausgedacht hat.

Beispiele gefällig? Apple setzte die stiftlose Touchscreen-Bedienung durch, also bekam die auch Android. Apple hatte mit seinem App Store für schnell downloadbare Programme großen Erfolg, also kriegte den auch Android. Apple setzte eine Gestensteuerung ein - auch Android erhielt "Pinch & Zoom". Man mag dabei einräumen, das viele dieser Ideen keineswegs ursprünglich von Apple stammten und teils sehr alt sind. Die Tatsache, dass die Steve-Jobs-Firma sie in den letzten Jahren populär und "hip" gemacht hat, ist aber nicht zu bestreiten.

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Apple führt Stellvertreterkrieg

Während Apple Google selbst wegen Android bislang nicht belangt - und das wohl auch nicht tun wird -, geht es in letzter Zeit massiv gegen seine Partner. Apple führt eine Art Patent-Stellvertreterkrieg. Betroffen ist beispielsweise der taiwanesische Handy-Riese HTC, der stark auf Android setzt. Oder der traditionsreiche Mobilfunkkonzern Motorola. Und nun kommt "die Mutter aller Patentklagen", wie mancher Beobachter letzte Woche kommentierte: Apple nimmt sich den nach Umsatz größten Elektronikhersteller der Welt vor, den koreanischen Konzern Samsung.

Der habe, so heißt es in Apples Klageschrift, massiv kopiert. "Statt eine unabhängige Produktentwicklung zu betreiben, wählte Samsung den Weg der sklavischen Kopie." Von Apples "innovativer Technologie" über das "unverwechselbare Nutzerinterface" bis hin zum "eleganten Produkt- und Verpackungsdesign" soll Samsung abgekupfert haben. "Damit wurden Apples wertvolle Rechte geistigen Eigentums verletzt."

Apple ist Samsungs größter Kunde

Die Klageschrift ist auch deshalb sehr lesenswert, weil sie hübsch bebildert ist. Da kann man dann sehen, wie Samsungs "TouchWiz"-Oberfläche sogar bei den Icons erstaunlich nah an Apples Produkten angesiedelt ist, bis hinunter zum Design des Adressbuch-Icons. Selbst den Look der Geräte soll Samsung kopiert haben, klagt Apple. Egal ob Samsung Captivate, Continuum, Vibrant, Galaxy S 4G, Epic 4G, Indulge, Mesmerize, Showcase, Fascinate, Nexus S, Gem, Transform, Intercept oder Acclaim - alles angeblich Kopien.

Mich erinnert die Geschichte ein wenig an schlechte, alte Zeiten, als Apple gegen Microsoft klagte, weil dessen Windows so nah am alten Mac OS gewesen sein sollte. Damals war Steve Jobs allerdings nicht beteiligt und Apple in der Position des langsamen Absteigers. Heute sieht die Sache ganz anders aus.

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