Von Nullen und Einsen: Netz auf vier Rädern

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BMW Online

Kolumne

Immer mehr Hersteller bieten in ihren Fahrzeugen Internet-Zugänge an. Technisch ist das dank flächendeckender UMTS-Abdeckung kein großes Problem mehr. Optimal sind die Lösungen allerdings noch nicht - und günstig ebenso wenig. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan über die Angebote der Autohersteller - und billigere Selbstbaualternativen.

Immer und überall im Internet: Das ist das Verlangen vieler beruflich beanspruchter Menschen - von allgemein Online-Süchtigen, die stets in ihrem Twitter-Feed hängen oder keine 15 Minuten ohne News-Update auskommen, ganz abgesehen. Und ganz weit entfernt sind wir von diesem Anspruch auch nicht mehr. Zuhause, im Büro, auf Flughäfen und in den meisten Hotels ist Vollversorgung, zu Fuß unterwegs gibt's das Smartphone. In Bussen und Bahnen kann man gleich Laptop oder Tablet samt Funk-Modem auspacken, im Flieger versorgen zumindest auf internationalen Verbindungen mehr und mehr Airlines die Reisenden in der Kabine mit Netz. Bleibt als einziger potenziell netzloser Bereich eigentlich nur noch der vierrädrige Liebling aller Deutschen: Ihr Auto.

Die großen Hersteller sind jedoch längst dabei, diese Lücke zu schließen. BMW Online versorgt Fahrer mit Bayern-Power vom 1er bis zu 7er. Mercedes geht mit COMAND und anderen Systemen ins Netz. Peugeots 3008 wird als sogenanntes Online-Modell angeboten, dass ein WLAN-Modul ("Connected Box") mitbringt und damit die Passagiere versorgt. Und so geht es bei vielen Herstellern: Mindestens ab der oberen Mittelklasse muss eine Netzstrategie her.

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Wozu Internet im Auto?

Nun kann man sich zunächst fragen, wozu Internet im Auto überhaupt taugt. Der Fahrer kann ja schließlich nicht - auch wenn viele von uns es viel zu oft tun - dauernd auf den ins Armaturenbrett vieler Fahrzeuge eingelassenen Bildschirm schauen, um auf seiner Facebook-Seite zu surfen. Zudem ist das sowieso nicht zugelassen: Von Herstellern mitgelieferte Systeme blockieren interaktionsintensive Dienste während der Fahrt.

Ich persönlich halte viele der direkt mitgelieferten Optionen sowieso für Schnickschnack. Warum sollte jemand beispielsweise von seiner S-Klasse aus einen Facebook-Status absetzen wollen? Oder aus einem Audi A8 an der Ampel (bei ausgeschaltetem Motor) twittern? Eigene "App Stores", die einige Hersteller planen, reißen Menschen, die das Angebot bei Apple oder Android kennen, bislang auch noch nicht vom Hocker.

Ganz anders sieht es bei Navis aus. Eingebaute Geräte wie Nachrüstvarianten a la TomTom oder Navigon bringen immer öfter ein eingebautes Funkmodem mit, um sich unterwegs aktualisieren zu können - samt aktueller Verkehrslage. Sehr schön finde ich das beispielsweise in der iPhone-Variante von TomTom: Hier signalisiert ein grünes Symbol, wenn die Route staufrei verläuft, ändert sich etwas, wird netzseitig signalisiert, dass man es mit ein paar Minuten mehr zu tun bekommt - oder mit noch viel länger. Ansonsten ist die Vernetzung vor allem für Mitpassagiere von Belang: Wenn beispielsweise der Nachwuchs auf dem Rücksitz nach Surftouren schreit.

Günstige Alternativen

Ins Fahrzeug eingelassene Internet-Anschlüsse wie die erwähnte "Connected Box" von Peugeot haben hier den Vorteil, dass der Hersteller den Funkempfang optimieren kann - Außenantennen sind höchst hilfreich. Aber es gibt noch eine wesentlich günstigere Option: Kleine WLAN-Hotspot-Kästchen von Herstellern wie Huawai, ZTE oder Novatel, die ab 110 Euro aufwärts verkauft werden. In die schiebt man dann seine Zweit-SIM-Karte ein, die gerne ein Prepaid-Tarif sein kann. (Sinnvolle 1 Gigabyte Datenvolumen im Monat sind mittlerweile für 10 Euro zu haben, z.B. bei Simyo.) Den Mini-Hotspot platziert man dann strategisch günstig z.B. in Scheibennähe, um optimalen Empfang zu haben. Das Signal wird per WLAN an alle Geräte im Auto weitergeleitet - vom Smartphone über das Tablet bis zum Laptop. Wer bei höheren Geschwindigkeiten Empfangsprobleme hat, kann sich auch eine Außenantenne legen lassen. Wunder erwarten sollte man allerdings nicht: Bei schnellen Funkzellenwechseln z.B. auf der Autobahn kommen sowohl eingebaute Geräte als auch Selbstbaulösungen ab und zu ins Trudeln.

Die derzeit auf UMTS basierende automobile Internet-Versorgung ist indes nur der Anfang. In den nächsten Jahren sollen dank der nächsten Funktechnik LTE schnellere und stabilere Datenverbindungen her, die DSL zuhause überholen könnten. Blöd, dass man auch noch fahren muss.

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