Von Nullen und Einsen: Nokias No-Go-Strategie

kolumneVon Nullen und Einsen: Nokias No-Go-Strategie

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Neuer Nokia-Chef Stephen Elop

Kolumne von Ben Schwan

Nach einem neuen Chef gibt es von Nokia auch ein paar neue Geräte. Doch das Grundproblem, das Software-Chaos bei den Smartphones, bleibt bestehen. Und da ist die Lage weiterhin düster: Ein Teil der bestehenden Technik ist völlig veraltet, ein anderer noch unreif. Die Übernahme von Googles Android oder Microsofts Windows Phone 7 würde Nokia dagegen zum reinen Hardware-Zulieferer degradieren. Auswegloser geht es kaum, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Wenn ich an Nokia denke, wird mir in den vergangenen Jahren immer ganz schwer ums Herz. Die Finnen bescherten mir, es muss nach 1995 oder 1996 gewesen sein, mein erstes und drittes Handy (ein Motorola-Klappmodell kam noch dazwischen) und irgendwie fühlte es sich immer gut an, eine europäische Marke zu unterstützen. Dann setzten bald viele Konkurrenten zum Überholmanöver an, bis zu Apples iPhone - und zuletzt auch Googles Android - die nahezu alles, was Finnland an Smartphones hervorbrachte, in den Staub stießen.

Angesichts dieser sich ständig wiederholenden Erniedrigungen gibt man sich in Espoo erstaunlich lernresistent. Unzählige Versuche wurden schon gestartet, Feature-seitig zur Konkurrenz aufzuholen. Resultat war stets nichts Halbes und nichts Ganzes. Profitabel gehalten wird Nokia mittlerweile vor allem vom Verkauf seiner billigen Massenhandys, Innovationen sucht man woanders.

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Nokia braucht einen Visionär

Die Strategielosigkeit gipfelte zuletzt im Abtritt des langjährigen Nokianers und Chefs seit 2006, Olli-Pekka Kallasvuo - vorzeitig, was in Finnland recht unerhört ist. Und auch Aufsichtsratsboss Jorma Ollila, der Nokia selbst von 1992 bis 2006 führte und als Handy-Hersteller groß machte, ist auf dem Sprung. Zuletzt sagte dann auch noch Mobilfunk-Chef Anssi Vanjoki, der zum Amtsantritt Nokia wieder zur Top-Marke bei den High-End-Smartphones machen wollte, überraschend Tschüss, muss aber noch sechs Monate lang bleiben, weil es sein Vertrag vorschreibt.

Was Nokia nun eigentlich bräuchte, wäre ein Visionär, der das ganze Unternehmen umkrempelt, eine Art nordischen Steve Jobs. Doch die Finnen blieben lieber bei einer vermeintlich sicheren Wette, einem typischen Manager. Der kommt zwar nun nicht mehr aus der Heimat von Jean Sibelius und Aki Kaurismäki, sondern aus dem nördlichen Silicon Valley, vulgo: Seattle, hat aber, um im skandinavischen Bild zu bleiben, ungefähr so viel Originalität wie das Regalsystem Billy von Ikea.

Neuer Nokia-Chef will zuhören

Der Neue, Stephen Elop, hat sich bislang nicht gerade als herausragender Kreativling der IT-Szene hervorgetan. Er war bei Macromedia und versuchte dort unter anderem, mit "Flash Lite" eine Programmierplattform für (damals noch reguläre) Mobiltelefone umzusetzen, was leidlich gnadenlos scheiterte. Dann blieb er nach der Übernahme durch Adobe kurz bei dieser Firma, bevor er als Mann fürs Tagesgeschäft (COO) zum hausbackenen Netzwerker Juniper wechselte. Ab 2008 ging es dann für zwei Jahre zu Microsoft und dort ausgerechnet in die Office-Abteilung, die schnarchiger kaum sein könnte: Als absoluter Marktführer zelebriert man dort seit nehr als einem Jahrzehnt das stetige Addieren von Features, die möglicherweise Excel-süchtige Buchhalter anmachen, vom Rest der Technik-Welt jedoch schlichtweg ignoriert werden.

Das, was man bislang von Elop zu hören bekam, - der seinen Job in diesen Tagen offiziell beginnt - stimmt wenig hoffnungsfroh. Bei seiner Antrittsrede vor der (sehr finnischen) Presse betonte er, er sei ein Change-Management-Experte, seine erste Aufgabe sei nun, "viel zuzuhören", bevor er dann den Umbauhammer herausholt. Festlegungen, was er mit dem Software-Chaos anstellen will, welches bei Nokia das Bild bestimmt, vermied er - sprach ganz im IT-Politiker-Slang von unterschiedlichen "Experiences" (Erfahrungen), die man den Kunden erhalten wolle. Garniert wurde der Auftritt noch mit einer Sarah-Palin-Hommage.

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