Von Nullen und Einsen: Paid Content von gestern

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WiWo-Technik-Kolumnist Ben Schwan lebt als Journalist in Berlin

Kolumne von Ben Schwan

Verlage suchen händeringend nach Abrechnungsmodellen, um digitale Inhalte zu refinanzieren. Nun versucht die Deutsche Telekom, die gute alte Bezahlung per Telefonrechung wiederzubeleben. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan erinnert das an die vielgescholtenen Handy-Abodienste und glücklicherweise längst vergangene Zeiten, in denen die einst gelbe Post BTX-Seiten für 9 Mark 99 pro Stück verhökerte.

In iPhone-Benutzerkreisen macht derzeit die Warnung vor unseriösen Werbebannern die Runde, über deren einfaches Anklicken man sich teure Abos einfangen kann. Diese User-Abzocke ist nur deshalb möglich, weil Mobilfunkanbieter in Deutschland standardmäßig solche angeblich innovativen Bezahlplattformen zulassen - nur wenn man SMS- und andere "Premium"-Services vorher durch einen Anruf bei der Hotline sperren lässt, ist man sicher.

Das Beispiel zeigt, dass Bezahlmodelle auch zu einfach sein können - eine Tatsache, die die Verlage bei ihrer aktuell augenscheinlich fiebrigen Suche nach neuen Einnahmequellen für digitale Inhalte beachten sollten, wollen sie ihre Kundschaft nicht auf längere Sicht vergraulen. Und das geht durchaus ganz leicht: So hagelte es bei den Apps von "Bild" und "Welt" anfangs harsche Nutzerkommentare, weil der Verlag die Abopflicht dieser Programme nach dem ersten Monat zu Beginn nicht deutlich genug hervorgehoben hatte.

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Deutsche Telekom will Verlage retten

Nun inszeniert sich pünktlich zur gerade zu Ende gegangenen Cebit die Deutsche Telekom als Retterin der Verleger. Sie will ein Verfahren wiederbeleben, dass viele Kunden ähnlich wie SMS-Abofallen als eher negativ in Erinnerung haben: Die Bezahlung von Inhalten per Telefonrechnung, jenem Kampfschauplatz, auf dem man sich auch schon mal um die Anwahl teurer "Sonderrufnummern" streitet.

Geplant ist zunächst eine Zusammenarbeit mit "Bild" sowie dem "Spiegel" aus dem gleichnamigen Verlag. Beim "Spiegel" hört sich das Modell noch recht schlau an: Wer T-Online-Kunde ist, kann künftig diese Daten bei der Akquise der jeweiligen E-Paper-Ausgabe des Wochenblattes einsetzen. Dafür gibt es immerhin einen Monat lang 50 Prozent Rabatt (1,90 Euro statt 3,80 Euro), der Betrag taucht dann auf der Telekom-Rechnung auf, sollte man (noch)  Kunde sein.

Bei "Bild" wird es indes mit Verlaub ein wenig "abofallig": Deren Regionalausgaben soll man künftig im Handy-Portal des Springer-Verlages nur noch gegen Geld beziehen können - und zwar mit dem bei Nutzern höchst unbeliebten Nutzungspreis-pro-Tag-Modell. Selbiger liegt zwar nur bei 19 Cent (anfangs 14 Cent), doch verliert man hier schnell den Überblick, sollten noch weitere ähnlich zu löhnende Inhalte hinzukommen. Auch hier landet der Betrag auf der Telefonrechnung.

BTX: Traum für Verleger!?

Es ist keineswegs das erste Mal, das Inhalteanbieter versuchen, über Handy-Dienste Geld einzusammeln. Dabei denke ich nicht an krawallige Abo-Systeme a la Jamba (das inzwischen übrigens einem Medienkonzern  gehört), sondern an durchaus durchdachte Dienste wie das in Japan lange höchst erfolgreiche i-mode. Noch bis Frühjahr 2008 wurde es hier zu Lande von E-Plus betrieben und konnte verwendet werden, um Bezahlinhalte im Monatsabo anzubieten - Verlage waren durchaus dabei. Durchgesetzt hat es sich mangels vernünftiger Endgeräte und Provider-Verbreitung außerhalb Japans allerdings nie.

Und dann war da noch BTX, jener "Online-Dienst", den man in Deutschland als eine Art Vorläufer des Internet betrachten könnte. Es war ein durch und durch geregeltes System, das die damals noch als gelbe Post operierende Telekom anbot - grafisch dank "CEPT"-Standard im Vergleich zu den in den Achtzigern noch häufig schwarz-weißen Mailboxen durchaus attraktiv. Diese Technik wäre, hätte sie sich in der Bevölkerung wirklich durchgesetzt, wohl der Traum der mit der Digitalisierung kämpfenden Verleger gewesen: Man konnte pro Seite bis zu 9 Mark 99 verlangen, was z.B. mancher Softsex-Anbieter gerne tat. Selbst E-Mails, Btx-Mitteilungen genannt, kosteten Geld. Aber in diese Zeiten müssen wir ja nun wirklich nicht mehr abgleiten.

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