Von Nullen und Einsen: Realität aus dem Drucker

kolumneVon Nullen und Einsen: Realität aus dem Drucker

Kolumne von Ben Schwan

Sogenannte 3D-Printer erlauben es, neue Produkte am Rechner zu entwerfen und diese dann in relativ kurzer Zeit zu anfassbaren Gegenständen zu machen. Noch ist die Technik sehr teuer und kaum etwas für Endanwender - doch das könnte sich bald ändern. Wenn es so weit ist, steht uns die nächste IT-Revolution ins Haus, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

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Parick Stewart als Captain Jean Luc Picard in Star Trek The Next Generation

In William Gibsons Science-Fiction-Roman "All Tomorrow's Parties", der auf Deutsch den nicht schlechten Namen "Futurematic" trägt, kommt eine Technik vor, die mich schon 1999 fesselte, als ich das Buch zum ersten Mal gelesen habe: Darin tut sich ein ominöses Schweizer Unternehmen mit dem Namen Nanofax AG ausgerechnet mit einer Convenience-Store-Kette à la 7-Eleven zusammen, um nanotechnische Automaten zu vermarkten. Und mit denen ist es wiederum möglich, Gegenstände über große Distanzen 1:1 zu kopieren.

Gibsons Idee war keineswegs neu (und das Wort "Fax" klingt mittlerweile geradezu archaisch) - schon der Replicator in "Star Trek: The Next Generation" konnte jedes beliebige Produkt in Sekunden für Captain Picard und seine Truppe herbeizaubern. Mit solchen Geräten, glaubt mancher Träumer bis heute, wäre wohl eine Art SF-Kommunismus möglich: Die ultimative Bedürfnisbefriedigung für alle, zu geringen Kosten - so dass man sein Leben nicht mehr mit der Jagd nach Geld verbringen müsste, um sich irgendwelchen physisch anfassbaren Kram zu kaufen.

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3D-Printer für die Industrie

Soweit wie die Universen von Gene Roddenberry oder Gibson sind wir bislang technisch leider noch nicht gekommen. Es gibt da aber gerade eine faszinierende Entwicklung, die zumindest in die Richtung dieser Utopisten zeigt: Sogenannte 3D-Printer, mit denen es möglich wird, Gegenstände "auszudrucken", beginnen gerade damit, einigermaßen erschwinglich zu werden.

Solche Systeme basieren normalerweise auf einem leicht zu bearbeitendem Rohmaterial, etwa einem haltbaren Kunststoff, der sich in erhitzter Form von einem Block zum Produkt "meißeln" lässt - mittels Druckköpfen, wie man sie auch von Papierdruckern kennt. Andere Techniken bauen Gegenstände über Düsen schichtweise aus einem aushärtenden Flüssigmaterial auf - nur ein bisschen Staub muss man nachher noch fortblasen. In letzter Zeit ebenfalls untersucht wird die Nutzung des Rohstoffes Glas.

3D-Printer werden bislang vor allem für Firmen entwickelt und vermarktet. Diese nutzen die Geräte als "Rapid Prototyping"-Maschinen, mit denen sie schnell Prototypen neuer Produkte herstellen können. Das dauert dann höchstens ein paar Stunden, während ein Modellbauer früher Tage gebraucht hätte.

Was mit 3D-Printern mittlerweile möglich ist, zeigte ein Experiment von Amit Zoran, einem Forscher am MIT Media Lab. Er baute zusammen mit Hilfe eines Gerätes des Herstellers Objet, das mehrere Materialien gleichzeitig verarbeiten kann, eine spielbare Querflöte. Nur noch wenige Metallteile musste der Forscher einbauen, schon konnte ein Musiker vorführen, dass das Produkt aus dem Drucker wirklich funktioniert - und erstaunlich gut klang. Allerdings benötigte der Objet Connex 500 für den Gesamtprozess auch noch 15 Stunden.

Bewegung in Richtung Endkundenmarkt vorstellbar

Das Datenmaterial, mit dem die Drucker angesteuert werden, wird mittlerweile auch im Internet ausgetauscht: Es sind CAD-Dateien, die die zu druckenden Gegenstände bis ins kleinste Detail erfassen. Sie werden dann an den 3D-Printer gesendet, der schließlich seine Arbeit tut.

Entsprechende Geräte werden mittlerweile nicht mehr nur von Spezialherstellern wie Objet oder der Z Corporation vermarktet, auch der Druckerriese Hewlett-Packard macht seit einiger Zeit mit im Geschäft. Die Preise beginnen bei rund 10.000 Euro aufwärts für eher einfache Geräte.

Eine Bewegung in Richtung Endkundenmarkt ist aber bereits vorstellbar. In sogenannten Fab Labs teilen sich Aktivisten mehrere der teuren Geräte und geben sich gegenseitig Tipps - (fast) jeder kann mitmachen. Und dann ist da noch ein Projekt des amerikanischen Start-ups MakerBot, das "Roboter baut, die Dinge herstellen": Sein kostengünstiger 3D-Printer soll knapp 1250 Dollar kosten. Dafür erhält man allerdings zunächst nur einen Bausatz. Aber das gehört wahrscheinlich dazu in dieser schönen neuen Welt der Gegenstände aus dem Computer.

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