Von Nullen und Einsen: TV 0.0 im Internet

kolumneVon Nullen und Einsen: TV 0.0 im Internet

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Startseite des US-Internet-TV-Hienstes Hulu

Kolumne von Ben Schwan

Die Angebote der deutschen Fernsehsender im Netz lassen nach wie vor zu wünschen übrig. Während es in den USA erstklassige zentrale Portale gibt, muss man sich hierzulande mit den unterschiedlichsten Technologien, Bezahlaufforderungen und Mini-Archiven herumplagen. Währenddessen löschen die mit Gebührengeldern bezahlten Netzangebote der Öffentlich-Rechtlichen Tausende von Seiten, weil es der Staatsvertrag so will. Kein Wunder, wenn sich der Zuschauer zu iTunes und Co. abwendet, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Dass das Internet die Zukunft ist, weiß inzwischen jedes Kind. Trotzdem scheinen die deutschen Fernsehsender lieber in sie hineinstolpern zu wollen, anstatt sie mit beiden Beinen aufrecht zu betreten. Ein Beispiel: Während es in den USA tolle kostenlose Sammelportale wie Hulu mit riesigem Angebot gibt und UK z.B. den wunderbaren BBC-iPlayer kennt, auf dem man sich vor HD-Inhalten kaum retten kann, herrscht hier zu Lande das Klein-Klein. Man muss schon von Website zu Website surfen, um sich einen Überblick zu verschaffen. Ein gewisses Angebot an Sendungen ist zwar vorhanden, doch legen die Kanäle dem einfachen Nutzer viele Steine in den Weg, sie auch zu finden.

Bei RTL wird man mit einem boulevardesken Angebot empfangen, bei dem man erst ganz nach unten scrollen muss, um Videos zu entdecken. (Des Rätsels Lösung: Sie sind auf ein eigenes und teilweise kostenpflichtiges Portal ausgelagert.) Bei ProSieben und Sat.1 gibt es zwar Videos, doch statt sofort gucken zu können, fordern "Promi-TV"-Moderatoren oder "Doku-Soap"-Nasen den Nutzer dazu auf, eine ominöse Browser-Software zu installieren, die man nirgendwo sonst braucht. RTL II bietet zwar ganze Episoden einzelner Sendungen, doch auch hier klickt man regelmäßig viermal bis zum Ziel. Super RTL will einem unterdessen anscheinend vor allem Abos für Kinderwebsites verkaufen, während die Schrift bei Vox so klein ist, dass Menschen ab 30 zur Brille greifen müssen.

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Sinkende Qualität bei Öffentlich-Rechtlichen Anbietern

Bei den Öffentlich-Rechtlichen, die bislang in vielen Fällen ein relativ gut sortiertes Angebot boten (sie bekommen schließlich auch genügend Gebührengelder dafür), sinkt unterdessen die Qualität Zug um Zug. Der Grund ist im neu ausgehandelten Rundfunkstaatsvertrag zu finden, der explizit darauf abhebt, dass die Ö-Rs den Privaten nicht zu viel Konkurrenz im Netz machen und z.B. "presseähnliche Internet-Angebote" unterlassen. So sehr man die Medienfirmen und die Verleger auch verstehen kann, dass sie im Internet gigantische gebührenfinanzierte Wettbewerber fürchten, mit denen sie wirtschaftlich nur schwer Schritt halten können - für den Zuschauer, der regelmäßig mit GEZ-Erhöhungen belastet wird, ist das völlig unverständlich.

Erst kürzlich wurden aus dem ARD-Web-Angebot knapp 100.000 Dokumente getilgt, die die Gebührenzahler zuvor finanziert hatten. Internet-Videoangebote von ARD, ZDF und Co. sind unterdessen zumeist auf schlappe sieben Tage nach der TV-Sendung beschränkt, was bedeutet, dass auch teuerste Inhalte nach kurzer Zeit einfach im unzugänglichen Archiv versauern, wenn man nicht rechtzeitig klickt. Das ist nicht nur ärgerlich für den Benutzer, sondern bedeutet auch, dass viel Interessantes einfach aus der öffentlichen Debatte verschwindet - was man nicht mehr im Internet findet, existiert für viele Menschen schlicht nicht. Die Strategie der Ö-Rs ist allerdings auch nicht gerade schlau: Statt gebührenfinanzierte Inhalte beispielsweise einfach gemeinfrei zu stellen, womit sie dann nicht nur von allen Gebührenzahlern, sondern beispielsweise auch von den Privaten genutzt werden könnten, beharrt man auf dem Status Quo.

Es ist daher kein Wunder, dass die Zuschauer zu gut sortierten und einfach zu bedienenden Alternativen strömen.

Das kann dann schon mal ins Illegale abdriften (Fernsehsendungen sind in Tauschbörsen seit Jahren der Hit) , auch blühen gesetzwidrige Streaming-Angebote oder einer der neuen Wettbewerber wie iTunes sein, die sich gegen Umsatzbeteiligung als neue Intermediäre postiert haben. Dabei könnten die Sender dieses Geschäft eigentlich selbst übernehmen - und versuchen das auch.

Ein Beispiel ist das Videoportal Maxdome der ProsiebenSat.1-Gruppe, das ich neulich ausprobieren wollte. Leider verging mir die Lust, nachdem die Website mich aufforderte, ein dahergelaufenes Plug-in aus dem Hause Microsoft zu installieren. So was würde Apple nie wagen.

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