
Als Steve Jobs bei einem internen Mitarbeitertreffen im Januar sagte, Teams bei Google seien gerade darauf erpicht, "das iPhone zu töten", galt das noch als Anfall der typischen Paranoia des Apple-Chefs. Schließlich waren der Computerhersteller und der Internet-Riese in bestimmten Bereichen noch immer zusammen dick im Geschäft - bei der mobilen Suche beispielsweise, wo Google hohe Werbeumsätze mit iPhone-Nutzern macht und erfolgreich seinen Kartendienst anbietet.
Etwas später dann schien der Krieg vollends ausgebrochen: Apple verklagte den Google-Handy-Partner HTC, der unter anderem das Nexus One für den Suchmaschinengiganten fabriziert, wegen 20-facher Patentverletzung. Der potenzielle Google-Apple-Konflikt entfachte ein Pressefeuerwerk von der "New York Times" bis zum "Wall Street Journal". Nicht einmal ein Treffen in aller Öffentlichkeit, das Jobs und Google-Chef Eric Schmidt in Palo Alto vor den Kameras einiger Gadget-Jünger abhielten, beruhigte die Nerven von Analysten und Medien.
Google will einer "drakonischen Zukunft" entgehen
Bei Google selbst blieb es dagegen recht ruhig. Wenn man Firmenvertreter in jener Zeit fragte, was sie von Apple hielten, wurde stets der große Respekt vor der Innovationskraft aus Cupertino betont - und die Tatsache, dass Schmidt ja viele Jahre in Apples Aufsichtsrat saß.
Umso erstaunlicher wirkte deshalb die Aggressivität, mit der Google auf seiner kürzlich abgehaltenen Entwicklerkonferenz "I/O" dann doch gegenüber Apple vom Leder zog. Besonders Vic Gundotra, Technik-Vizepräsident und vorher ausgerechnet stolze 16 lange Jahre bei Microsoft beschäftigt, machte den Anti-Apfel-Aktivisten. Er erzählte von einem (historisch möglicherweise nicht ganz korrekten) Treffen mit Google-Handy-Software-Boss Andy Rubin, der ihm vor Jahren gesagt habe, dass man das hauseigene Android-Betriebssystem als freie Alternative aufbauen müsse, um einer "drakonischen Zukunft" zu entgehen. "Eine Zukunft, in der ein Mann, eine Firma, ein Gerät und ein Mobilfunkanbieter unsere einzige Wahl ist." Um den Apple-Seitenhieb noch ein bisschen zu verstärken, wurde eine Folie mit einer "1984"-Homage ("Nicht die Zukunft, die wir wollen") eingeblendet.
Doch das war längst nicht alles an kleinen Sticheleien. An anderer Stelle wurden (zum Glück demnächst behobene) Unzulänglichkeiten der iPhone-Plattform wie das fehlende Multitasking neckisch erwähnt. Google-Boss Schmidt fragte Adobe-Chef Shantanu Narayen, "warum wir uns für Flash einsetzen" - und weitere Hinweise auf die große Offenheit von Android kamen praktisch im Minutentakt. Für Kara Swisher, Veteranin unter den amerikanischen IT-Kolumnisten, wirkte all das geradezu "lächerlich" - und "nicht so lustig". "Notiz an Google: Ein furchterregender Such-Gigant, der den Internet-Werbemarkt im Würgegriff hat, ist nicht glaubwürdig als Opfer des großen Bruders, in diesem Fall Apple-Chef Steve Jobs."











