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kolumneVon Nullen und Einsen: Werbung im Netz: Personalisiert ausspioniert

Kolumne von Ben Schwan

Interessensbasierte Werbung gilt als das nächste große Ding im Online-Reklamemarkt. Weil Anbieter wie Google oder Facebook immer mehr über uns wissen, lassen sich auch die eingeblendeten Anzeigen bis ins Detail optimieren. Das Problem: Für die Nutzer wird eine solche Reklamestrategie schnell unheimlich - und ob sie wirklich wirkt, ist fraglich, meint wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan.

Facebook: Mitlieferung von Quelle: REUTERS
Facebook: Mitlieferung von Identitäten an "Premium Kooperationen" Quelle: REUTERS

Wir leben in datenschutztechnisch merkwürdigen Zeiten. Da gibt es Dienste wie Foursquare, bei denen Menschen freiwillig und fast rund um die Uhr angeben, wo sie sich gerade aufhalten - sichtbar für jeden und ohne jegliche Angst vor Stalkern oder Einbrechern. Andere Angebote wie Blippy öffnen automatisiert unser Portemonnaie und stellen unsere Ausgaben frei ins Netz - unfreiwillige Freigabe der Kreditkartennummer ab und an inklusive. Parallel sammeln Internet-Riesen immer mehr Daten über uns, um unser Online-Erlebnis zu "personalisieren" - Infos, die einst als sensibel galten, werden mittlerweile durchsuchbar veröffentlicht, ohne dass der User noch einwilligen müsste.

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Da wundert es nicht, dass schon seit einigen Jahren versucht wird, auch Reklame ganz konkret auf den jeweiligen Empfänger zu münzen. Die Mutter aller dieser Versuche einer interessensbasierten Werbung heißt Google-Suche. Das Prinzip, dass jemand, der im Internet nach etwas forscht, womöglich mit passender Reklame befriedigt werden könnte, ist so simpel wie genial. Mittlerweile geht das alles aber noch viel weiter.

Per "Targeting" passende Werbung

Da viele große Werbenetze auf immer mehr Seiten vertreten sind, wird es möglich, Nutzer durch das halbe Web zu verfolgen. "Targeting" nennt sich das: Mittels Cookies kann dann zum Beispiel Googles Adsense-Technik erkennen, dass man sich besonders gerne auf Reiseseiten zur Karibik tummelt. Im nächsten Schritt tauchen dann auf irgendeiner anderen mit Google-Werbung ausgestatteten Seite passende Konkurrenzangebote auf.

"Wir wollen Werbung spannender machen", hieß es bei der Einführung der Technik durch Google, die für erstaunlich wenig Rauschen im Blätterwald sorgte. Kaum ein User weiß beispielsweise, dass man solche und andere aggressive Werbeformen mit wenigen Klicks abdrehen oder Google sogar höchstpersönlich ein Profil liefern darf, damit Reklame besser "passt".

Die Technik läuft mittlerweile einfach so mit, ohne dass User viel davon sehen oder hören. In der Werbebranche selbst ist das Thema dagegen ganz oben auf der Agenda: Es gilt schon seit längerem als das nächste große Ding.

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4 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.12.2010, 22:33 Uhrterewqy

    ich verwende http://zugangsein.com/

  • 18.05.2010, 02:26 UhrLibero

    Demnächst wird die bundesregierung bestimmt ein Gesetzt unter dem Deckmäntelchen des Datenschutzes erfinden, mit dessen Hilfe die Facebook-Trottel vor sich selbst geschützt werden. Dann wird man wieder beispielhaft irgendeinen armen irren ausgraben, der beweisen will, daß er wegen 5 Jahre alter Koma-Sauf-Party-bildchen den hinterletzten Job nicht bekommen hat und dem Personalchef des betreffenden Unternehmens wird man Datenmißbrauch vorwerfen, weil er diese bildchen mit Minimalstaufwand per Google aus dem WWW gefischt hat. Dummheit kennt wirklich keine Grenzen. Und in Deutschland hat sich der Vollkasko-Staat das Ziel gesetzt, auch noch den debilsten brettergymnasiasten vor sich sekbst zu schützen.

  • 17.05.2010, 12:55 UhrHägar Schmidt

    Für Facebook-Fans ein Auszug aus dem Online-Dialog von Zuckerberg (damals, in seinem zarten Alter von 19 Jahren, Quelle: businessinsider.com):

    Zuck: Yeah so if you ever need info about anyone at Harvard

    Zuck: Just ask.

    Zuck: i have over 4,000 emails, pictures, addresses, SNS

    [Redacted Friend's Name]: What? How'd you manage that one?

    Zuck: People just submitted it.

    Zuck: i don't know why.

    Zuck: They "trust me"

    Zuck: Dumb fucks.

    brutal.

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