Von Nullen und Einsen: Wie Sie SMS kostengünstig ersetzen können

kolumneVon Nullen und Einsen: Wie Sie SMS kostengünstig ersetzen können

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Kurznachricht auf einem älteren Nokia-Handy

Kolumne von Ben Schwan

Die mobile Kurznachricht ist für die meisten Handynetzbetreiber eine wahre Goldgrube: Mit geringster Bandbreite machen sie größtmögliche Gewinne. Dabei lässt sich die altbackene Technik längst durch diverse clevere Dienste ersetzen, die nichts oder fast nichts kosten. Das Problem: Es tut nur niemand. wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan wagt das Selbstexperiment.

Es gab eine Zeit, da liebte ich SMS. Es muss so um 1996 herum gewesen sein: Ich eroberte damals gerade für mich die im Umbruch befindliche Hauptstadt und hatte als erster meines Jahrgangs eines dieser wunderhübschen grünen Nokia-Handys von E-Plus in der Tasche. Mit dem Teil konnte ich den anderen Geeks in meinem Freundeskreis so viele Textbotschaften schicken, wie ich wollte: Der damals jüngste Netzbetreiber der Republik hatte, weil es noch keinen echten Markt für die Technik zu geben schien, den Kurznachrichtendienst netzintern schlicht anfangs auf gratis gestellt. Kurzgefasst: Es war eine Offenbarung der mobilen Kommunikation und kostete mich keinen Cent.

Als dann wenige Zeit später der echte SMS-Boom losging, änderte sich das natürlich schlagartig. Seither scheffeln die Mobilfunkanbieter enorm hohe Beträge mit der simplen Übertragung winziger Datenmengen. 2008 hat mal jemand ausgerechnet, was eine 160 Bit lange Botschaft aufs Megabyte umgerechnet beim damals als günstig geltenden US-Provider AT&T kostet: schlappe 1310 Dollar. Die Gewinne sind, sofern die Infrastruktur einmal steht, immens.

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Monat für Monat enormes Sparpotential

Was mich daran besonders ärgert: Es gibt schon seit langem einfach zu benutzende Alternativen, die nichts oder fast nichts kosten. Viel-SMSer können so Monat für Monat enorm sparen. Das Problem: Die Methoden nutzt fast niemand - aus Unkenntnis oder Bequemlichkeit. Das freut, T-Mobile, Vodafone und Co. ungemein - verbleibt ihnen doch neben der ebenfalls bandbreitenschonenden und damit höchst profitablen Sprachtelefonie ein weiterer dicker Einnahmestrom ohne große Mühe.

Die mögliche Ersetzbarkeit von SMS durch Gratisdienste haben natürlich auch die Telekommunikationsriesen längst mitbekommen. Aus diesem Grund galt lange in den Geschäftsbedingungen der Netze, dass Chat- und Instant Messaging-Applikationen auf dem Handy genauso offiziell verboten waren wie Internet-Telefonie-Services, die potenziell am Sprachumsatz kratzten. Inzwischen ist es nicht mehr ganz so schlimm, zumal die Anbieter schlicht nicht kontrollieren (können), wie die Nutzer ihre Kommunikation per Smartphone absolvieren - insbesondere auf App-mäßig weitgehend freien Plattformen wie Google Android oder Apple iPhone.

Hauptschwierigkeit ist nun, all seine Freunde auf die richtige Plattform zu holen, um die teuren Kurznachrichten wirklich endgültig aufgeben zu können. Und genau das ist leider verdammt schwer - weil es schlicht zu viele alternative Möglichkeiten gibt, simple Textbotschaften auszutauschen. Da SMS an die jeweilige Handynummer geknüpft und auf jedem GSM-Gerät der Welt verfügbar ist, ergibt sich eine universelle Erreichbarkeit. Das gilt für Chat- oder IM-Accounts noch lange nicht. Daher ist es ratsam, am besten mit einer Technik zu beginnen, die sich auf anderen Plattformen großer Beliebtheit erfreut.

Skype & Co

In diesem Fall dürfte das Skype sein, ein Dienst, den es mittlerweile für fast jede Handy-Plattform gibt. Natürlich kann man damit auch telefonieren, doch das kostet nur von Skype zu Skype normalerweise nichts. Das Chatten ist immer gratis. Problematisch ist höchstens, dass man auf manchen Plattformen nicht informiert wird, wenn eine neue Nachricht eingeht, sollte man die Software abbrechen. (Ja, genau, iPhone - ich schaue Dich an...)

Aber auch hier gibt es Möglichkeiten. So kann man mit alternativen Skype-Zugangswegen wie Fring sogenannte (und kostenlose) Push-Nachrichten nutzen, die einen auf neu eingegangene Textbotschaften aufmerksam machen, ohne dass die Software läuft. Wer Skype nicht mag, hat außerdem weitere IM-Programme zur Auswahl - sei es nun ein anderes Chat-Protokoll wie AIM oder spezielle Anwendungen, die allein dem Anpingen untereinander dienen.

Die möglicherweise einfachste Form des SMS-Ersatzes ist aber mobile E-Mail. Wer seine gesamte Büropost nicht auch noch auf dem Smartphone lesen möchte, richtet sich dafür beispielsweise einen zusätzlichen Google Mail-Account ein. Der hat den Vorteil, dass er auch mit einer Chat-Funktion (Google Talk) verknüpft ist, die man von vielen Plattformen wie Blackberrys direkt nutzen kann. Ansonsten schickt man sich einfach E-Mails von Handy zu Handy.

Wer von SMS nicht lassen kann, kann sich auch alternative SMS-Anbieter suchen. Die gibt's im Web entweder werbefinanziert und damit für den professionellen Betrieb nicht zu gebrauchen - oder kostenpflichtig zu zumeist günstigeren Tarifen als im Mobilnetz. So bietet etwa der VOIP-Spezialist Sipgate eine eigene Client-Software fürs iPhone an, bei der jede SMS, egal in welches Netz, für 7,9 Cent zu haben ist. Das Praktische daran: Die Absenderadresse ist das eigene Handy, so dass eine echte Kommunikation möglich ist.

Damit die Alternativen zu SMS allerdings wirklich (fast) nichts kosten, sollte man am besten über eine Internet-Flatrate auf dem Handy verfügen. Wer sich allein auf die Textkommunikation beschränkt, kann dabei auch zu kleinen Datenpaketen greifen, beispielsweise mit 200 MB im Monat - auf das der Preisvorteil der SMS-Losigkeit nicht gleich wieder flöten geht.

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