Von Nullen und Einsen: Wo Microsoft noch punktet

kolumneVon Nullen und Einsen: Wo Microsoft noch punktet

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Bill Gates präsentiert im Jahre 2001 die erste XBox

Kolumne von Ben Schwan

Während der Softwareriese im Mobilfunkgeschäft deutlich hinterherhinkt und im Internet keinen Fuß auf den Boden zu bekommen scheint, erntet er im Spielebereich mittlerweile die Früchte langjähriger Fleißarbeit. Selbst wiwo.de-Technik-Kolumnist Ben Schwan, sonst eingefleischter Microsoft-Vermeider, kann sich da ein kleines Lob nicht verkneifen.

Die Anzahl an Microsoft-Produkten in meinem Arbeitszimmer ist denkbar klein: Hier eine alte Windows XP-Lizenz, die ich per Virtualisierung auf meinem Mac betreibe, dort das Büropaket Office 2008, dessen Icons ich nur dann mit spitzem Mauszeiger anfasse, wenn es unbedingt sein muss - das war's auf dem Schreibtisch auch schon. Bis auf ein paar Antiquitäten aus den Neunzigern in den Regalen (Windows 95, anyone?) ist Redmond also ganz weit weg.

In meinem Wohnzimmer sieht es dagegen erstaunlich nach Bill Gates-Altar aus. An einem Flachbildschirm hängt eine Xbox 360 Elite samt großer Festplatte, mehreren Controllern, einem WLAN-Adapter und allerlei Zubehör. Dazu gesellt sich eine durchaus beachtliche Spielesammlung für das Gerät. (Die allerdings, so muss ich einräumen, aufgrund von Zeitmangel teilweise stark eingestaubt ist.)

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Ein kleines Lob für Microsoft

Was Ihnen das sagen soll? Nun, wenn ich auch in vielen anderen Bereichen nicht mehr recht an Microsoft glauben mag - weder im Mobilbereich noch im Internet-Geschäft noch wirklich bei den Betriebssystemen - hat sich das Unternehmen im Games-Bereich doch meiner Meinung nach ein Lob verdient. Denn: Redmond bewies in dem Sektor erstaunliches Sitzfleisch.

Zunächst machten Xbox und Xbox 360 nur Miese - Milliarden gingen den Bach herunter. Mittlerweile lohnt sich das Geschäft, die Spiele sind trotz des inzwischen recht hohen Alters der Hardware immer wieder fantastisch, und Sonys ein Stückchen neuerer PS3 weiter nahezu ebenbürtig. Die Oberfläche der Xbox 360 ist meiner bescheidenen Meinung nach die beste, die Microsoft seit vielen Jahren zuwege gebracht hat. Und auch Xbox Live, der Online-Dienst, funktioniert erstaunlich gut.

Gut, die Xbox 360 hat auch einige Nachteile. So werde ich wohl nie verstehen, warum man zwar mittlerweile Games vom altertümlichen Scheibendatenträger auf die Festplatte übertragen darf, selbige aber trotzdem nervigerweise als Kopierschutzmaßnahme beim eigentlichen Spielen wieder einlegen muss. Oder der verflucht laute Geräuschpegel, den selbst die jüngste im Handel befindliche Konsolengeneration noch verursacht - warum muss ich den Ton von "Gears of War 2" so laut aufdrehen, dass meine Nachbarn aus dem Bett fallen?

Immerhin wird sich Hardware-technisch nun einiges tun. So soll in wenigen Tagen eine neue Xbox 360 in den Handel kommen, die deutlich aufgebohrt wurde. Sie soll angeblich "flüsterleise" sein, ist keine ganz so riesige Wuchtbrumme mehr und hat sogar endlich einen WLAN-Adapter eingebaut, der die schnellere Übertragungstechnik 802.11n beherrscht. Für 250 Euro kann man sich schon überlegen, ob man da zugreift und sein altes Modell auf eBay in Rente schickt.

"Kinect" sorgt für Furore

Welches Ansehen Microsoft im Spielebereich mittlerweile genießt, sah man erst kürzlich in Los Angeles auf der Spielemesse E3. Tatsächlich war es ausgerechnet der sonst so gebeutelte Softwareriese, der dort für Furore sorgte. Bei Sony gab's nur eine Vollzugsmeldung ("Move", siehe unten) und bei Nintendo ein Handheld-3D-Spielzeug zu sehen (zugegebenermaßen nett).

Microsofts zumindest in der Werbung höchst revolutionäre Bewegungserkennung Kinect war dagegen das eigentliche Produkt, das für Furore sorgte. Noch lässt sich ohne unabhängige Tests zwar nicht sagen, wie gelungen die im November in den Handel kommende 3D-Kamera im Wohnzimmer wirklich sein wird. Die Demonstrationen, die es auf der E3 zu sehen gab, waren allerdings durchaus beeindruckend - so konnten Besucher Kinect in gläsernen Kabinen nutzen, während nur ein paar Meter weiter Messegäste vorbeizogen, was das System offenbar nicht aus dem Tritt brachte. Sonys Wii-artigen Bewegungscontroller "Move" gab es dagegen nur vor geweißeltem Hintergrund zu spielen.

Bleibt zu hoffen, dass die Microsoft-Führung ihren Vorsprung bei der Xbox 360 weiter auszubauen versteht und nicht kaputtmacht. Das ist leider gar nicht so sicher: Kürzlich trat J. Allard, einer der Manager, ohne die es das Xbox-Projekt niemals gegeben hätte, den Rückzug an. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich ihn auf einer Londoner Messe zur Vorstellung der Original-Xbox treffen durfte. "Nett", dachte ich mir damals, "bei Microsoft gibt es ja doch noch coole Leute".

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