Vorstellung der Boeing 747-8: Hoffnungsvoll in Seattle

Vorstellung der Boeing 747-8: Hoffnungsvoll in Seattle

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Präsentation der neuen Boeing 747-8

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der US-Flugzeugriese Boeing stellte seinen neuen Jumbojet 747-8 in einer großen Feier vor. Doch weil der noch ein Ladenhüter ist, war es am Ende eher ein nostalgisches Familientreffen und Balsam für die wunde Seele des Industrieriesen.

Elizabeth Lund schaute gestern ein bisschen traurig zum Himmel. Gerade noch hatte die Sonne den grauen Himmel über Seattle durchbrochen und einen Sonnenschein versprochen. Doch jetzt, wo die Managerin mit den langen blonden Haaren aus dem Kleinbus steigt, verdichten sich wieder die im pazifischen Nordwesten der USA üblichen Wolken und es könnte sogar regnen.

Dabei hätte sich Lund doch gerade heute sehr über ein wenig blauen Himmel und einen Hauch von Frühling gefreut. Schließlich leitet sie beim US-Luftfahrtriesen Boeing das derzeit jüngste Flugzeugprogramm – die 747-8 genannte Neuauflage des traditionellen Jumbojets. Und heute wollen Lund und ihre Kollegen ihre Arbeit in der vergangenen zwei, drei Jahren feiern. Dafür haben sie am gestrigen Sonntag gut 10.000 Menschen aus der ganzen Welt eingeladen in die Halle des Boeing-Werks in Everett im Norden Seattles.

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Dort, wo der Konzern hinter blauen Toren von der Größe eines Fußballfelds normalerweise Langstreckenmaschinen wie der Jumbojet oder die neue Leichtbaumaschine 787 montiert, wird heute gefeiert. Die hier Classic Rock genannte Rockmusik der siebziger und frühen achtziger Jahre pumpt aus dem halben Dutzend Boxentürme, hoch oben an der Decke hängend. Doch jedes Lied hat einen Hintergedanken, eine Botschaft: „You ain't seen nothing yet“ (Das beste kommt noch) oder „Some kind of wonderful“ (Ziemlich wundervoll) tönt es und alle Gäste, die nach und nach in die Halle strömen, wippen im Takt mit und schauen voller Erwartung nach vorne zur Bühne, den sechs großen Bildschirmen, die verteilt an der Decke hängen und natürlich zu den drei fast vier Meter großen Flugzeugmodellen der 747-8.

Geschäft läuft nur schleppend an

Schließlich ist heute endlich mal wieder ein freudiger Tag, vielleicht der freudigste Tag für Boeing, seit der Flugriese hier in der Halle vor dreieinhalb Jahren die 787 vorgestellt hatte. Ein Termin, an den heute keiner gerne denkt. Sicher: Auch damals gab es viel Musik und noch mehr Ehrengäste, darunter fast alles was Rang und Namen in der Branche hatte.

Doch die Party endete in einem gewaltigen Kater. Zuerst musste Boeing den Prototyp gleich nach der Feier wieder auseinander nehmen, weil einige Teile von nicht zugelassene Nieten zusammengehalten wurden und die Ingenieure - weil es wirklich schnell gehen musste – nicht notiert hatten, wo die richtigen und wo die falschen Nieten saßen. Dann folgten sechs weitere Verspätungen. Und auch bei der 747-8 gab es Probleme. Dazu hat Boeing den sicher geglaubten Milliardenauftrag über 180 Maschinen seiner Langstreckenmaschine 767 als Basis für den US-Militärtanker an den Erzrivalen Airbus verloren. Und es tobt ein bitterer Streit um Subventionen für Zivilflugzeuge, wo Boeing gerade von der Welthandelsorganisation ebenso zum Sünder erklärt wurde, wie zuvor Airbus.

Damit heute keiner an diese Kette von Spaßbremsen denkt, machen auf der Bühne zwei mittelalte Herren in roten Boeing-Jacken und Baseballmützen gewaltig Stimmung. „Hehh“ ruft der erste. „Haa“ der zweite „Willkommen in der größten Halle der Welt“, ruft der erste in den Hangar. Noch ist die Resonanz etwas matt. Denn die Halle ist erst zu einem Fünftel gefüllt. Besonders vorne vor der Bühne, wo große Namensschilder die Plätze für die Ehrengäste freihalten, ist es noch leer.

Neben dem Schild für Lund stehen vor allem zwei wichtige Namen: Jim Albaugh, Chef des Boeing Zivilgeschäfts, und Nico Buchholz, oberster Flugzeugeinkäufer der Deutschen Lufthansa, der mit der einflussreichste der Branche ist. „Wenn der eine Maschine gut findet, ist das ein Ritterschlag“, sagt ein Boeing-Manager, der vorne an der Bühne steht und wartet, dass die Ehrengäste kommen und er allen die Hand schütteln kann.

Doch Buchholz’ Magie hat bislang noch nicht viel geholfen. Sicher, er hat von der laut Preisliste gut 200 Millionen Euro teuren 747-8 immerhin 20 Exemplare fest bestellt – und sich das Kaufrecht für zehn weiter gesichert. Doch leider hat das bislang nur Korean Air zu einer Bestellung ermuntert.  Darum hat Programmchefin Lund auch Manager anderer Airlines wie die wie die australische Qantas eingeladen.

Kein Wunder also, dass sich auch die beiden Einheizer hier etwas schwer tun. Und nicht jeder Scherz ist ein Brüller. „Weil der tanzende Elefant schon ausgebucht war, haben wir den Chef des Triebwerksprogramms von General Electric hier“, lautet einer der Scherze. „Das sind eben keine Profis, sondern Kollegen von euch“, sagt der Mitarbeiter einer Fluglinie zu dem Boeing-Manager.

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