„Wanna Cry“: Der IT-Experte aus dem Kinderzimmer

„Wanna Cry“: Der IT-Experte aus dem Kinderzimmer

, aktualisiert 15. Mai 2017, 19:00 Uhr
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Fünf Stunden habe er in den vergangenen drei Nächten geschlafen, sagt Marcus Hutchins, doch es hat sich gelohnt. Dem 22-Jährigen gelang es offenbar, den internationalen Hackerangriff zu stoppen.

von Kerstin LeitelQuelle:Handelsblatt Online

Ein junger IT-Experte aus Großbritannien hat die Hackerattacke vom Wochenende gestoppt. Nun wird der 22-Jährige, der noch bei seinen Eltern wohnt, von der Presse belagert – obwohl er eigentlich anonym bleiben wollte.

LondonEr ist der Held des Wochenendes: Ein gerade einmal 22-jähriger Brite mit einer Vorliebe für Pizza, einem breiten, unbekümmerten Lachen und wilder Friseur soll den Hackern einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Marcus Hutchins, der noch bei seinen Eltern in einem Ort nahe der britischen Küste wohnt und begeisterter Wellenreiter ist, arbeitet als IT-Experte und hatte eigentlich Urlaub. Doch als er Freitagmittag von der weltweiten Attacke auf Unternehmen und Institutionen erfuhr, machte er sich an die Arbeit – und hatte Erfolg.

Fünf Stunden habe er in den vergangenen drei Nächten geschlafen, sagt er, doch es hat sich gelohnt. Als Hutchins eine verdächtige Internetadresse in den Daten der Software entdeckte, registrierte er diese auf seinen Namen und fand damit den so genannten „kill switch“, einen Mechanismus, der den Angriff stoppte, der tausende Rechner lahmgelegt hatte.

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Das genaue Ausmaß der Cyberattacke ist noch unklar, doch Europol spricht von einem „beispiellosen Vorfall“. Der russische Antiviren-Spezialist Kaspersky Lab berichtete von mehr als 45.000 Angriffen in 74 Ländern. In Deutschland waren die Anzeigetafeln der Deutschen Bahn blockiert, in Spanien hatten Konzerne wie Telefonica und BBVA mit Ausfällen zu kämpfen und in Großbritannien brach Chaos in Krankenhäusern aus, nachdem dort etliche Computer stillgelegt worden waren.

Kein Wunder, dass Hutchins nun gefeiert wird. Er selbst wollte eigentlich anonym bleiben, doch dafür ist es zu spät: Tausende E-Mails erreichten ihn, die Zahl seiner Twitter-Follower schoss in die Höhe, Journalisten belagern das Haus seiner Eltern. Er habe nichts zu verbergen, erklärte er auf seinem Twitter-Account MalwareTech, er wollte nur sein Privatleben schützen.

Nun aber kämpft Hutchins mit den Folgen seines plötzlichen Ruhms. Er fürchte nicht um seine Sicherheit, aber es sei nicht einfach zu arbeiten, wenn ständig die Türklingel gehe. Außerdem wundert er sich darüber, wie viel über seine Liebe zu Pizza geschrieben werde. Für normale Menschen gebe es schließlich nur zwei Antworten auf die Frage, ob man Pizza möge: „Ja“ und „Oh mein Gott, ja!“

Quelle:  Handelsblatt Online
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