Was bringt's?: Google im Microsoft Moment

kolumneWas bringt's?: Google im Microsoft Moment

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This photo taken Friday, April 9, 2010,, shows a Google sign at Google headquarters in Mountain View, Calif. Google reports quarterly earnings after the market closed, Thursday, April 15, 2010. (AP Photo/Paul Sakuma)

Kolumne von Sebastian Matthes

Keine Ahnung, ob sich Google-Chef Eric Schmidt und Microsoft-CEO Steve Ballmer überhaupt schon einmal zum Essen getroffen haben. Stattdessen schimpfte Ballmer lieber: „I’m going to fucking kill Google“, als der Suchkonzern einen Top-Mitarbeiter abwarb. Google wiederum tut alles, um Microsoft überflüssig zu machen.

Dabei wäre der Austausch für die beiden lehrreicher denn je. Besonders für Google-Chef Schmidt. Der nämlich erlebt gerade, was Microsoft vor zehn Jahren durchmachte und wovon sich der Softwareriese nie ganz erholte: Die Eigenwahrnehmung des Konzerns entfernte sich so sehr von der Wahrnehmung des Publikums, dass der Kontakt zwischen Nutzern und Unternehmen verloren ging.

Nun hat Google seinen „Microsoft Moment“, kommentiert der US-Starblogger Anil Dash. Das Image-Desaster um die – vorgeblich versehentlich – ausgespähten WLAN-Netze ist nur das neueste Beispiel, das zeigt, wie sehr Google die Bodenhaftung verloren hat: Wie lässt sich sonst erklären, dass keines der hoch bezahlten Google-Top-Talente Alarm schlägt, wenn die eigene Software private Daten ausspioniert? Wie kann es sein, das in einem Unternehmen dieser Größe alle Warnmechanismen versagen?

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Google kontrolliert das Netz

Die Ursache liegt in Googles Selbstverständnis. Wo immer man die Büros des Unternehmens betritt, überall die gleiche zur Schau getragene Lockerheit: bunte Sitzecken in Google-Farben, die Rutsche aus dem ersten Stock in die Kantine, Spielecken, wie sie sich jeder Zwölfjährige wünscht. Wir sind jung, kreativ, ein bisschen verrückt und: „Wir sind die Guten!“ Für viele Mitarbeiter ist Google immer noch das coole Startup, geleitet von ein paar genialen Geeks.

Doch das ist Google nicht mehr: Das Startup von einst ist ein multinationaler Konzern mit Tausenden Mitarbeitern und nahezu unvorstellbarer Macht: Google kontrolliert den Weg durchs Netz. Zugleich verfügt Google über mehr Daten unseres Verhaltens, als Microsoft je ungestraft hätte sammeln dürfen. Und wie Microsoft versucht auch Google, die Nutzer ins eigene Ökosystem zu saugen: Neue Produkte wie das Navigationsprogramm etwa, werden nur für die eigenen Plattformen entwickelt.

Als Microsoft groß wurde, war IBM der Inbegriff des Bösen, der kleine Bruder des orwell-schen Überwachungsregimes. Als Google kam, war Microsoft dazu geworden. Nun ist es Google. Die Einzigen, die es noch nicht gemerkt haben, sind die Google-Jünger selbst.

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