Weltraumtourismus: Weltall für alle

Weltraumtourismus: Weltall für alle

von Matthias Hohensee und Jürgen Rees

Die US-Weltraumagentur Nasa hat bald keine eigene Raumfähre mehr. Bei Reisen in den Orbit ist sie schon 2011 auf private Unternehmen angewiesen.

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Ab 2011 sind Reisen in den Orbit auch für die Nasa nur noch mit privaten Unternehmen möglich

Für US-Multimillionär Elon Musk ist die Sache klar: Bald ist auf der Erde kein Platz mehr für alle. Als einziger Ausweg bleibt: das Weltall. So sieht es der 39-jährige Musk. Also braucht der Zwei-Meter-Mann eine Rakete, um ins All zu kommen. Musk investierte deshalb sein Geld, das er mit dem Internet-Bezahldienst Paypal verdient hatte, nicht nur in den Elektroautohersteller Tesla, sondern auch in die private Raumfahrtfirma Space Exploration Technologies – kurz SpaceX – in Hawthorne bei Los Angeles. Verhöhnt und ausgelacht wurde er dafür. Doch seine Kritiker wurden leiser, als Musks Unternehmen Mitte Dezember die Raumkapsel Dragon ins All schoss. Es war das erste private Raumfahrzeug im Weltall und der Auftakt für weitere private Weltraum-Missionen im nächsten Jahr.

Für die US-Regierung ist diese Unterstützung durch private Unternehmen strategisch wichtig. Denn wenn nächstes Jahr, voraussichtlich im April, nach 25 Jahren der letzte Spaceshuttle-Weltraumflug ansteht, hat die Weltmacht USA keine eigene Raumfähre mehr, mit der sie die Internationale Raumfahrtstation ISS mit Astronauten, Essen und Ersatzteilen beliefern kann. Sie sind vorerst auf die Hilfe der Russen angewiesen, deren technisch einfachere Sojus-Rakete weitaus zuverlässiger und billiger ist, als es die Spaceshuttles je waren.

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Mit Privatfirmen ins All

Damit die Abhängigkeit von den Russen möglichst kurz ist, sollen Privatfirmen die Erkundung des Alls und die Kurierdienste übernehmen. Der gebürtige Südafrikaner Musk ist mit seinem Unternehmen zwar am weitesten. Er hat bereits Verträge über 1,6 Milliarden Dollar mit der Nasa für zwölf Weltraum-Transportflüge. Im nächsten Sommer soll es losgehen. Aber Musk hat auch potente Konkurrenten. Wettbewerber Orbital Science, der mit Lockheed Martin an der Raumkapsel Orion arbeitet, hat einen 1,9-Milliarden-Dollar-Vertrag für acht Flüge mit der Nasa geschlossen. Der Flugzeughersteller Boeing bekam von der Nasa 18 Millionen Dollar, um gemeinsam mit dem Unternehmen Bigelow Aerospace aus Las Vegas eine wiederverwendbare Raumkapsel für sieben Astronauten zu bauen. Dabei braucht die Nasa für ihre Missionen nur vier Plätze, drei wären also frei für zahlende Weltraumtouristen. Damit rücken private Touristenflüge ins All immer näher. Auch der britische Milliardär und Virgin-Galactic-Gründer Richard Branson und der Luftfahrtpionier Burt Rutan haben ein Raumschiff mit Trägerflugzeug für private Kurztrips konzipiert.

Weltraum-Touristen

Das Raumschiff Virgin Space Ship Enterprise hat im Oktober 2010 den ersten bemannten Flug aus großer Höhe zurück zur Erde geschafft. Das Fluggerät wurde vom Trägerflugzeug WhiteKnightTwo in 13 700 Meter gebracht, ausgeklinkt und landete sicher wieder auf der Erde. Virgin Galactic, Boeing, Musk und Konkurrenten haben alle das Gleiche im Sinn: Sie wollen Astronauten und Touristen befördern. Ordert die Nasa den Astronauten-Service und finden sich genug zahlungswillige Touristen, käme das der Lizenz zum Gelddrucken gleich.

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