Wettbewerb "Die Beste Fabrik": Wie Europas beste Werke Wohlstand sichern

Wettbewerb "Die Beste Fabrik": Wie Europas beste Werke Wohlstand sichern

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Beste Fabrik Frankreich

von Dieter Dürand und Gerhard Bläske

Mit einer Effizienz-Revolution wehren sich Europas beste Produktionsstätten gegen die Attacke der Billiglohn-Konkurrenz aus Asien und Osteuropa. Die Sieger aus Frankreich, Spanien und Deutschland.

Expansion mitten in der tiefsten Wirtschaftskrise. Während die meisten französischen Unternehmen derzeit auf Teufel komm raus sparen, um Umsatzrückgänge und Gewinneinbrüche zu kompensieren, baut der französische Ölpipeline-Hersteller Technip sein Geschäft kräftig aus. Mit seiner langjährigen Erfahrung will das Unternehmen dem Ölmulti BP jetzt auch helfen, die Lecks der im Golf von Mexiko vor der Küste der USA untergegangenen Bohrinsel „Deepwater Horizon“ möglichst rasch abzudichten.

Diese einzigartige Technologiekompetenz ist ein Grund, warum die renommierte Managementschule Insead in Fontainebleau bei Paris das Technip-Werk im normannischen Le Trait nahe der Hafenstadt Le Havre zur besten französischen Fabrik 2010 gewählt hat. Hinzu kommt aus Sicht von Insead-Juror Fabian Sting, die hohe Flexibilität, mit der das Unternehmen für jeden Kunden eine genau passende Lösung entwickelt. „Die verkaufen nichts von der Stange.“

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Außergewöhnliche Innovationskraft

Technip baut am Meeresboden verankerte oder auch  schwimmende Ölleitungen zu Bohrinseln. Die Pipelines halten in der Arktis extremen Minusgraden und in Meerestiefen von bis zu 3000 Metern extrem hohen Drücken stand. Trotz ihrer Robustheit sollen die Leitungen wenig wiegen, damit sie ohne Einsatz übergroßer Kräne installiert werden können. Technip fertigt die Rohre daher aus leichtem Karbon statt schwerem Stahl. Das macht diese zudem in Grenzen biegbar. Dabei greifen die Ingenieure auf Erfahrungen aus der Raumfahrt zurück, in der das Material viel verwendet wird.

Um ihren Wissensvorsprung in der Materialauswahl und bei der komplizierten Fertigung kontinuierlich auszubauen, stecken die Technip-Manager rund zehn Prozent des jährlichen Umsatzes von 320 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung. Ein außergewöhnlich hoher Wert. Im  Durchschnitt investieren französische Unternehmen selten mehr als drei oder vier Prozent in neue Produkte und Verfahren.

Die außergewöhnliche Innovationskraft des 950 Mitarbeiter-Betriebs spiegelt sich in der Zahl der Patente wider – allein im vergangenen Jahr waren es mehr als 45. „Das  ist ein richtiges Labor  für Ingenieure“, sagt Sting. Seine Technologieführerschaft sichert dem Unternehmen, das seit kurzem im Pariser Börsenleitindex CAC 40 vertreten ist, einen Weltmarktanteil von mehr als 60 Prozent.

In den vergangenen vier Jahren hat Werkleiter Philippe Enxérian, die Belegschaft um 350 Beschäftigte aufgestockt. Zu seinen Kunden gehören alle Ölmultis – von Total bis Shell. Zusätzliches Wachstum soll jetzt der Einstieg ins Dienstleistungsgeschäft generieren. Mit dem US-Ölexplorationsunternehmen Schlumberger hat Technip ein System entwickelt, mit dem die Ölförderer ihre Unterwasserleitungen überwachen lassen können. Für Insead-Forscher Sting ein cleverer Schachzug: „Der Aufbau produktbegleitender Dienstleistungen wird für das Überleben der Industriebetriebe immer wichtiger. Denn der Service bietet meist deutlich höhere Gewinnmargen als das reine Produktgeschäft.“

Alstom Zweiter

Kaum weniger begeistert waren die Insead-Professoren über das, was sie bei den beiden Zweitplatzierten des französischen Wettbewerbs zu sehen bekamen: dem elsässischen Werk Reichshoffen des Schienenfahrzeugherstellers Alstom und dem Werk Nantes des Druckspezialisten Armor. Der stellt zum Beispiel tintenbeschichtete Rollen für den Druck von Strichkodes auf Etiketten oder von Haltbarkeitsdaten auf Verpackungen her.

Armors technischer Vorsprung, das Unternehmen bietet zum Beispiel den ersten lösungsmittelfreien Druckfarbenfilm an, erlaubt es dem Unternehmen, die höchsten Preise in der Branche zu verlangen. Jedes Jahr führt das Management mindestens fünf neue Produkte in den Markt ein – der Durchschnitt in der Industrie liegt bei zwei bis drei.

Doch das Management verlasse sich nicht allein auf seine Innovationskraft, lobt Insead-Mitjuror Stephen Chick. „Die Mannschaft  bändigt auch sehr systematisch die Kosten“. So wird für die Produktion seit der Straffung aller  Prozesse nurmehr die Hälfte der früheren Fläche benötigt. Das schafft Platz für weitere Fertigungslinien.

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