Windenergie-Studie: Hoffen auf die frische Brise

Windenergie-Studie: Hoffen auf die frische Brise

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Wandel am Windkraftmarkt

von Dieter Dürand

Die erfolgsverwöhnte Windenergie-Branche steht vor dem Umbruch: Erstmals in ihrer Geschichte gehen die Verkaufszahlen zurück. Auch wenn Prognosen für die nächsten Jahre wieder ein kräftiges Wachstum vorhersagen, steigt der Druck auf Preise und Margen. Das geht aus einer Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman hervor. Die Experten erwarten eine baldige Marktkonsolidierung und raten den Windmüllern zu einem Ausbau des Servicegeschäfts, um ihre Wettbewerbsposition abzusichern

Es sind nicht immer nur fröhlichen Gesichter zu sehen auf dem weltgrößten Treffen der Windbranche in Husum, auf dem 950 Aussteller aus 53 Ländern ihre neuesten Produkte und Technologien präsentieren. Sobald das Gespräch auf die aktuelle Geschäftslage kommt, verfinstert sich so manche Miene. Denn das Jahr läuft schlecht für eine Branche, die bisher nur zweistellige Zuwächse kannte. So schockte der weltweit größte Windanlagenhersteller, der dänische Vestas-Konzern, seine Anleger erst jüngst mit dem Eingeständnis eines dicken Halbjahresverlusts von 244 Millionen Euro.

Schuld an dem Einbruch ist vor allem der US-Markt: Analysten erwarten, dass dort dieses Jahr mit fünf Gigawatt (GW) nur etwa halb so viele Anlagen aufgestellt werden wie noch 2009. Auch in anderen Ländern ist das Geschäft ins Stocken geraten, weil die Banken neue Projekte länger prüfen und nicht mehr so viel Geld für die Finanzierung bereitstellen. Und in Deutschland wird das Angebot an windträchtigen Standorten langsam knapp.

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Dennoch hofft die Branche auf eine Aufholjagd. „Wir müssen noch ein Viertel unseres Umsatzes hereinholen“, sagt Thomas Richterich, Chef des deutschen Anbieters Nordex aus Rostock. Die Studie der Wyman-Experten gibt zumindest für die nächsten Jahre Anlass zum Optimismus. Danach wird sich die Windkraftkapazität an Land in den nächsten zehn Jahren von heute 192 GW auf 825 GW in etwa vervierfachen – das entspricht einem durchschnittlichen jährlichen Wachstum von 16 Prozent. Onshore-Anlagen sind mit einem Marktanteil von 90 Prozent weit wichtiger für die Branche als die viel diskutierten Windparks im Meer.

Der Wachstumsschub sichert den Herstellern, anders als in der Vergangenheit, aber nicht quasi automatisch auch ordentliche Gewinnspannen. Denn noch schneller als die Nachfrage, so die Wyman-Experten, wachse das Angebot. Die etablierten Unternehmen haben ihre Produktionsstätten zuletzt kräftig ausgeweitet, und neue Wettbewerber vor allem aus China, Südkorea und Indien drängen in den Markt. Die Studie taxiert die vorhandenen Überkapazitäten auf  20 bis 25 Prozent. Die Folge ist ein massiver Preisdruck. „Die Windkraftbranche befindet sich mitten in einem strukturellen Reifeprozess“, resümiert Oliver Wyman-Partner Wolfgang Krenz. „Und der vollzieht sich im Zeitraffer.“

Service wird zur Profitmaschine der Windindustrie

 Was also können insbesondere die europäischen Hersteller tun, um dennoch auf auskömmliche Gewinnmargen zu kommen? Neben der Senkung der Fertigungskosten und der Verlagerung von Teilen der Produktion in Billiglohnländer rät Krenz vor allem zu einem zügigen Ausbau des Servicegeschäfts: Betrieb, Wartung, Reparatur, Ersatzteilbeschaffung sind danach die künftigen Garanten für die Wettbewerbsfähigkeit.

Dienstleistungen werden dieses Jahr nach den Berechnungen der Berater in Europa erst 26 Prozent zum erwarteten Gewinn von 800 Millionen Euro beitragen; 74 Prozent stammen demnach aus dem Neugeschäft. In zehn Jahren, prophezeien sie, wird sich das Verhältnis umgedreht haben. Dann erwirtschaftet der Service drei Viertel des Gewinns – mit Margen zwischen 15 und 20 Prozent. Im Neugeschäft sind dann allenfalls fünf Prozent zu erzielen (siehe Grafik).

Für Krenz ist daher klar: „Der Service wird zur Profitmaschine der Windindustrie.“ Zugleich mahnt er: „Das Gros der Hersteller ist auf dieses Szenario nicht ausreichend vorbereitet.“     

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