_

Windkrafträder: Nützlicher Sturm auf der Themse

von Christoph Giesen Quelle: Handelsblatt Online

Großbritannien ist das windigste Land in Europa. Dieses Potenzial wollen die Briten jetzt exzessiv nutzen - zur Energiegewinnung. In drei Jahren wollen die Briten den größten Windpark der Welt in Betrieb nehmen. Großbritannien geht in Sachen Windpark ganz anders vor als Deutschland. Was sich die Briten von den Windrädern versprechen.

Mit Offshore-Windparks wie hier vor der dänischen Küste will England viel Energie gewinnen. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com
Mit Offshore-Windparks wie hier vor der dänischen Küste will England viel Energie gewinnen. Quelle: ap Quelle: handelsblatt.com

LONDON. Peter Madigans wichtigstes Argument ist eine Landkarte. Er schaltet den Beamer ein. Europa flimmert auf der Leinwand. Anstelle von Hauptstädten, Landesgrenzen und Flussverläufen sind die durchschnittlichen Windgeschwindigkeiten in Metern pro Sekunde eingezeichnet. Je dunkler die Farbflecken auf der Karte, desto rasanter bläst der Wind.

Anzeige

Länder wie Italien und Spanien sind zitronengelb dargestellt; Großbritannien ist als einziges Land dunkelblau unterlegt. Im Durchschnitt pustet der Wind an den britischen Küsten mit rund 40 Kilometern pro Stunde. "Strandtouristen schreckt das eher ab, für die Windkraft sind das ideale Bedingungen", sagt Madigan, der für die British Wind Energy Association (BWEA) arbeitet.

Offshore-Windparks sollen hohe Ausbeute bringen

Die Briten haben sich entschieden, ihren Windreichtum zu nutzen. Kein Land der Welt setzt derzeit so stark auf Windkraft wie Großbritannien. In den kommenden vier Jahren sollen fünf Gigawatt Strom aus Windkraft gewonnen werden, das entspräche der Leistung von fünf Atommeilern. Doch die Ziele der Londoner Regierung sind noch ehrgeiziger. Bis 2020, so der Plan, sollen rund 5 000 Windräder eine Leistung von 33 Gigawatt erzeugen - genug, um sämtliche Haushalte des Königreiches mit Strom zu versorgen.

Bewusst setzen die Briten dabei auf eine sehr junge Technologie, die sogenannten Offshore-Windparks, bei denen die Windräder einige Kilometer vor der Küste im Boden verankert sind. Im Vergleich zu einer auf dem Land installierten Windanlage lässt sich mit einer Offshore-Turbine eine bis zu 40 Prozent höhere Ausbeute erzielen.

Nicht einmal 20 Jahre ist es her, als 1991 vor der Küste Dänemarks der erste Offshore-Park mit elf Windmühlen in Betrieb genommen wurde. Seitdem hat sich viel getan. Heute produziert eine einzelne Mühle soviel Strom wie die ersten elf zusammen.

Konsortium plant rund 300 neue Windräder

200-mal mehr Strom wird bald in der Themsemündung erzeugt werden, wenn in spätestens drei Jahren der größte Windpark der Welt seinen Betrieb aufnimmt. Der geplante Bau des Windparks London-Array im Themse-Delta ist ein wichtiger Mosaikstein in der britischen Energiepolitik. Seit 2001 ist das Projekt in Planung, doch erst vor wenigen Monaten konnten sich die Verhandlungspartner einigen. Ein Konsortium unter Führung des deutschen Energiekonzerns Eon und des dänischen Windkraftspezialisten Dong will in den kommenden Jahren rund 300 Windräder installieren.

Die ersten sollen sich spätestens ab 2012 drehen. In der Endausbaustufe wird der Windpark 1 000 Megawatt leisten - genug Strom für gut ein Viertel der Londoner Haushalte. "London Array ist ein Vorzeige-Projekt im Rahmen unserer Bestrebungen, die Emission von Kohlendioxid bis 2050 um 80 Prozent zu senken und den künftigen Energiebedarf zu decken", sagt Premierminister Gordon Brown.

Damit Großbritannien dieses Ziel erreicht, müssen in den kommenden Jahren mehre Milliarden Pfund in die Windkraft investiert werden. Allein Entwicklung, Aufbau und Wartung der Windrad-Armada vor der Küste werden rund 120 Milliarden Pfund verschlingen, schätzt der Branchenverband BWEA.

Quote für erneuerbare Energien

Um Investoren zu locken, fördert auch Großbritannien die erneuerbaren Energien. Während Deutschland regenerative Energien mit einem festen Rückeinspeisungstarif subventioniert, setzt Großbritannien auf Zertifikate. Stromproduzenten müssen seit 2002 nachweisen, dass sie zehn Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen. Erfüllen sie die Quote nicht, müssen sie sogenannte Renewable Obligation Certificates (ROC), Grünstrom-Zertifikate, erwerben.

Nicht nur bei der staatlichen Förderung unterscheiden sich das deutsche und das britische Modell massiv, auch die Küstenbewohner beider Länder haben konträre Ansichten. Während in Deutschland Offshore-Parks wegen einer möglichen Verschandelung des Panoramablicks in die Kritik geraten sind, gibt es in Großbritannien kaum Widerstand. Oder, wie es der britische Energieminister Ed Miliband schelmisch formuliert: "Bei uns ist es inzwischen verpönt, gegen Windfarmen zu sein."

weitere Fotostrecken

Blogs

Bis Ende 2013 nutzt jeder vierte Erdbewohner soziale Netzwerke
Bis Ende 2013 nutzt jeder vierte Erdbewohner soziale Netzwerke

Laut einer aktuellen Prognose soll bis 2017 mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung Mitglied bei Facebook, Google+,...

    Folgen Sie uns im Social Web

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.