Withings Body Cardio im Test: Schöner wiegen!

Withings Body Cardio im Test: Schöner wiegen!

, aktualisiert 16. November 2016, 09:33 Uhr
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Diese Waage kann mehr als nur das Gewicht bestimmen.

Quelle:Handelsblatt Online

Mit Body Cardio bringt der französische Hersteller Withings eine Waage auf den Markt, die nicht nur helfen soll, das Gewicht zu überprüfen, sondern auch auf die Herzgesundheit zu achten. Hand aufs Herz: kann die was?

KölnFrüher war es einfach. Da stellte man sich auf die Waage, der analoge Zeiger wackelte ein bisschen auf der Drehskala hin und her und dann war sie da, die nackte Wahrheit. Das Gerät brauchte keinen Strom, keine Batterie und keine umfangreiche Analyse-App auf dem Smartphone.

Das geht heute nicht mehr ganz so einfach - zumindest dort, wo es um den lukrativen Gesundheitsmarkt mit W-Lan-Waagen aus dem oberen Preissegment geht. Und ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass das Warenangebot der Hersteller zum Verzweifeln ist. Inzwischen lebt eine ganze Industrie von dem Körperfett-Analyse-Hype unserer auf Selbstoptimierung getrimmten Gesellschaft.

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Ein wichtiger Player in diesem Segment ist der französische Hersteller Withings (gehört inzwischen zum finnischen Nokia-Konzern), der mit seinem neuesten Produkt Body Cardio den Markt der W-Lan-Waagen revolutionieren will. Seit Juli gibt es das futuristisch anmutende Gerät im Handel für 179,99 Euro zu kaufen. Das Werbeversprechen: Für immer fit und gesund.

Lernen Sie Ihr Herz kennen

Na gut, das war jetzt gelogen. Aber Withings meint, Produkte zu erfinden, “die Menschen das nötige Wissen geben, um ein glücklicheres, gesünderes Leben zu führen.” Dieses Versprechen wollen die Franzosen bei der Body Cardio vor allem durch die Messung der Pulswellengeschwindigkeit erfüllen. Moment, keine Ahnung, was das ist? Dann geht es Ihnen genauso wie mir, denn bislang kannte ich von solchen Waagen nur Angaben zur Körperzusammensetzung, also Körperfett, Wasseranteil, Knochen- und Muskelmasse und nicht zuletzt natürlich auch das Gewicht.

Die Pulswellengeschwindigkeit (PWG) gilt als anerkannte Maßeinheit für die Gesundheit des Herzens und sie kann ein Indikator für hohen Blutdruck, mangelnde Arterienelastizität und den allgemeinen Zustand des Herz-Kreislauf-Systems sein. Konkret behält die PWG die Blutflussrate im Blick, die in Metern pro Sekunde angegeben wird. Bei mir betrug sie heute früh 7 m/s - doch was sagt mir dieser Wert?

Withings erklärt es in seiner App Health Mate, in der die Ergebnisse des Wiegens per Bluetooth oder über W-Lan synchronisiert werden, so: “Wenn das Herz schlägt, sendet es Impulse, die auf der Waage zu Gewichtsschwankungen führen. Body Cardio misst die Zeit zwischen dem Beginn der Pulswelle und dem Zeitpunkt, an dem sie im Fuß ankommt. Wird die Dauer der Welle zu Ihrer Größe ins Verhältnis gesetzt, erhalten Sie die Pulswellengeschwindigkeit.” (wer es ganz genau wissen will, darf gerne hier tiefer einsteigen).


Das Auspacken der Waage ist ein Event

Welche Werte “normal” sind, hängt dann davon ab, wie alt man ist. Ohne zu sehr ins Detail gehen zu wollen: Grob lässt sich sagen, dass eine schnelle Pulswellengeschwindigkeit ein Anzeichen für einen Verschleiß der Arterien sein kann und eine langsame Pulswellengeschwindigkeit bedeutet, dass das Herz gut in Form ist. In meinem Fall wäre die PWG laut Withings dann nicht mehr normal, wenn sie schneller als 8 m/s wäre und optimal, wenn sie langsamer als 6m/s wäre.

Praktisches Feature in der App: Ich bekomme nach der Messung mehrere Tipps angezeigt, wie ich meine PWG verbessern kann: Weniger Salz in der Ernährung, weniger Gewicht (wenn man übergewichtig ist), weniger Alkohol und Zigaretten, weniger Kaffee, weniger Stress und weniger Sorgen.

Stichwort Customer Experience - das scheinen sich die Franzosen von einem großen Smartphone-Hersteller aus Kalifornien abgeschaut zu haben. Das Auspacken der Body Cardio ist emotional betrachtet ein Event für alle Haptiker. Kein Styropor, keine Luftpolsterfolie, weicher, weißer Karton, dünne Packseide. Auch die Verarbeitung der nur 1,8cm flachen Waage, die ohne Standfüßchen auf jedem Untergrund funktioniert, überzeugt: edles Design, hochwertige, glatte Glasoberfläche, schickes Aluminium-Gehäuse und ein Display mit einer Auflösung von 128x64 Pixeln.

Die Gesundheit zu Herzen nehmen

Die Konfiguration ist ziemlich simpel: Auf dem Smartphone die App Health Mate (kompatibel mit iOS und Android) installieren, ein obligatorisches Konto einrichten, Waage per Bluetooth mit dem Handy verbinden, das W-Lan aktivieren (Tipp: Halten Sie Ihr Passwort bereit! Ich musste erstmal 20 Minuten lang suchen...) und schon kann man sich seine Gesundheit zu Herzen nehmen. Mit Health Mate, die mit über 100 anderen Apps wie Fitbit, MyFitnessPal, LoseIt, Endomondo, Nike+, Runkeeper oder Daily Burn kompatibel ist, kann man außerdem seine Ernährung verfolgen und wenn man möchte, übernimmt auch Apple Health die Daten von Withings.

Hält die Waage nun, was sie verspricht? Nun, meine Erwartungen waren nach all den ersten Eindrücken schon sehr hoch und ich wurde glücklicherweise nur ein paar Mal enttäuscht. Aber der Reihe nach. Und weil ich die Body Cardio gerade schon so viel gelobt habe, möchte ich zuerst meine Kritik beziehungsweise meine Bedenken in die, ja, in die Waagschale werfen.


Als Laie keine Chance zur Überprüfung

Zur Pulswellengeschwindigkeit: um einen Wert zu bekommen, muss man sich mindestens fünf Mal wiegen, was man aber im Laufe der Konfiguration nicht erfährt (bitte nachbessern!). Zuerst ist man also irritiert und wundert sich, dass nur Gewicht, Körperfett & Co. in der App auftauchen. Gerade in dem Moment, als ich dachte, die Waage ist fehlerhaft, also nach fünf enttäuschenden Tagen, war meine PWG plötzlich da. Wahrscheinlich benötigt die Software einige Referenzwerte, bis sie zur PWG eine Angabe machen kann. Aber Withings könnte klarer kommunizieren, dass der User ein bisschen Geduld mitbringen muss.

Das gilt übrigens auch für den Wiegevorgang an sich, denn bis alle Messwerte durchgelaufen sind, können gut 30 Sekunden vergehen. Damit die Messung fehlerfrei gelingt, muss man außerdem barfuß und ganz korrekt auf den Elektroden der Waage stehen und darf dabei weder schwanken noch wackeln.

Pluspunkt hier: Withings hilft mit der „Position Control“, eine patentierte Technologie, bei der vier Gewichtssensoren zum Einsatz kommen, die richtige Fußposition auf der Waage zu finden. Wer Schwierigkeiten hat mit dem Gleichgewicht, dem rät der Hersteller, sich vorsichtig an einer Wand fest zu halten.

Als Laie keine Chance zur Überprüfung

Sprechen wir über die Genauigkeit der Messwerte: Laut Hersteller liefert die Body Cardio ähnlich gute PWG-Messwerte wie die Messung mit einem Sphygmomanometer. Keine Sorge, ich kann das auch nicht aussprechen. Wichtiger ist, dass es sich dabei um ein medizinisches High-End-Gerät handelt, das vor Ort beim Arzt zum Einsatz kommt. Eine Untersuchung damit kann gut 20 Minuten in Anspruch nehmen - verglichen mit den 30 Sekunden auf der Withings-Waage, die man auch noch bei sich zu Hause im Badezimmer stehen hat, eine halbe Ewigkeit.
Als Laie habe ich natürlich keinerlei Chance, die einzelnen Messwerte der Body Cardio auf ihre Richtigkeit hin zu überprüfen. Aber was ich gemacht habe, sind zwei Vergleichsanalysen im Testzeitraum. Zum einen eine professionelle Körperanalyse nach der weltweit von Wissenschaftlern anerkannten Bio-Impedanz-Methode (dabei wird schwacher Strom durch den Körper geleitet) und zum anderen eine Körperanalyse auf der 1000-Euro-Waage meines Apothekers (Soehnle Professional 7850).


Verwirrungen bei der Knochenmasse

Das Ergebnis: Die Messdaten bei Fett (18 Prozent), Wasser (55-50 Prozent) und Muskeln (41 Prozent) sind bei allen drei Waagen nahezu identisch und ich erfreue mich bester Gesundheit. Nicht richtig erschien mir zunächst die von der Body Cardio gemessene Knochenmasse (die anderen Geräte können das nicht) von nur vier Prozent zu sein.

Das dachte ich zumindest nach einer ersten Recherche im Netz, denn die liegt bei Frauen tendenziell bei zwölf und bei Männern bei 15 Prozent. Erst nach einigen längeren Fachbeiträgen fand ich die Auflösung: “Wenn Körperanalysewaagen die Knochenmasse ermitteln, wird lediglich der Knochenmineralanteil berechnet, weil ein Großteil des restlichen Gewebes und der Flüssigkeiten bereits dem Körperwasseranteil zugerechnet werden.” Nach einem Blick in eine Tabelle mit Referenzwerten kann ich auch hier einen Haken dran machen. Meine Knochenmasse könnte optimaler nicht sein.

Was ich hingegen nicht überprüfen kann ist die Genauigkeit der PWG. Ein durchaus spannender Wert, denn Wissenschaftler haben in verschiedenen Studien festgestellt, dass es einen Zusammenhang zwischen Pulswellengeschwindigkeit und der Sterblichkeit gibt. So soll schon ein Anstieg um 1 m/s die Chance auf den verfrühten Exitus zwischen zehn und 39 Prozent erhöhen. Je niedriger, desto besser also.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Immerhin habe ich aber die Möglichkeit, durch regelmäßige Messungen einen Trend zu erkennen und ich habe in den vergangenen Tagen tatsächlich festgestellt, dass sich ein hohes Stresslevel schwarz auf weiß in der PWG niederschlägt. Seit Wochenbeginn (viel Kaffee an der Arbeit, 10-12 Stunden im Job, eilige Deadlines, immer Hektik) ist sie auf der Skala ordentlich nach oben geklettert. Gut möglich also, dass da was dran ist...und Zeit, für ein paar entspannte Stunden am Wochenende.

Beim Gewicht gibt es im Vergleich mit meiner alten Waage kaum Differenzen. Wenn, dann unterscheiden sich die Werte plus/minus 100 Gramm - und wer weiß schon, welche von beiden Waagen die Wahrheit sagt? Die liegt wohl, wie so oft im Leben, immer irgendwo dazwischen. Gar keine Werte werden übrigens angezeigt, wenn die Füße zu trocken sind. Hier hilft leichtes Anfeuchten.

Während der Testphase von nun bald vier Monaten war die Body Cardio hier mit zwei Personen und manchmal auch einer 5kg schweren Katze im Betrieb (unbekannter Messwert!). Alle Zweibeiner erkennt die Waage automatisch und es ist möglich, das Gerät mit acht Personen zu nutzen. Sind die Unterschiede beim Gewicht zwischen den Personen - so wie bei mir und meiner Frau - nicht eindeutig genug, fragt die Waage nach. Antworten kann man dann durch eine leichte Gewichtsverlagerung nach links oder rechts - alles ganz intuitiv.


Hinweis für Schwangere und Herzschrittmacher-Träger

Ansonsten bleibt mir nichts anderes zu sagen, als eine Kaufempfehlung zu geben. Und zwar für diejenigen Menschen, die mehr wollen, als nur ihr Gewicht festzustellen. Die neugierig darauf sind, ob und in welchem Ausmaß sich mehr Sport und mehr Krafttraining auf die Körperzusammensetzung auswirken. Vor allem aber kann die Body Cardio für Menschen sinnvoll sein, die ihre Herzgesundheit im Auge behalten möchten und chronische Krankheiten haben, bei denen es zu Wassereinlagerungen im Körper kommt, die regelmäßig kontrolliert werden müssen. Auch praktisch: beim nächsten Arzttermin haben Sie alle Werte schon mit dabei und können zusammen mit dem Arzt einen Blick drauf werfen.

Sehr wichtig an dieser Stelle ist aber der Hinweis an alle Nutzer - das wird auch von Withings mehrfach erwähnt -, die Waage bitte nur als Hilfsmittel zu betrachten. Der Hersteller schreibt: “Body Cardio ist kein Medizinprodukt und nicht zur Diagnose von Krankheiten gedacht; auch nicht für die Heilung, Linderung, Behandlung oder Vorsorge von Krankheiten. Wenden Sie das Gerät nicht nur zur Selbstdiagnose an und sprechen Sie immer zuerst mit einem Arzt, bevor Sie eine Therapie beginnen.”
Auch Schwangere und Patienten mit einem Herzschrittmacher sollen vorsichtig bei der elektronischen Messung sein und diese in der App abschalten, so dass die Waage nur das Gewicht misst. Ansonsten bestünde die Gefahr, dass der Herzschrittmacher durcheinander kommt.

Herzlichen Glückwunsch, es fehlen nur noch 4,1kg

Natürlich lässt sich auch die Body Cardio ohne W-Lan und ohne die App nutzen, aber dafür muss man dann keine 179,99 Euro ausgeben. Als eine gute Alternative mit App-Anbindung empfehle ich hier die Withings Body, die auf die Messung von Herzfrequenz und PWG verzichtet und mit 129,95 Euro gut 50 Euro günstiger ist.

Besonders gut gefällt mir die Anzeige des Gewichtsverlaufs als Graph schon im Display der Waage, wodurch direkt ersichtlich ist, wie viel man seit der letzten Pasta-Party zugenommen hat. Auch die Trendlinien innerhalb der Health-Mate-App helfen, den Überblick zu behalten und Fortschritte zu verfolgen. Rückschritte leider auch, wer zunimmt, bekommt Post: “Keine Zeit, um aktiv zu sein?”. Wer mag, kann schon bei der Konfiguration ein Ziel eingeben, beispielsweise 5kg abnehmen und sich dann wöchentlich per E-Mail motivieren lassen, denn mit Lob wird bei Withings nicht gegeizt. Erreichte Meilensteine werden von der Body Cardio belohnt, was durchaus süchtig machen kann. Kostprobe gefällig?

“Herzlichen Glückwunsch, Carina! Gut aussehen und sich wohlfühlen! Sie haben in der letzten Woche -0.4 kg verloren. Ihr Ziel ist zum Greifen nah! Es fehlen nur noch 4.1 kg!” Oder: “Treiben Sie sich selbst an, Carina! Ihr Gewicht ist in den letzten Wochen recht beständig. Veränderungen von weniger als 0,5 kg sind kein Grund zur Sorge. Weitermachen, noch 3,6kg abnehmen, bis zu Ihrem Ziel”.

Quelle:  Handelsblatt Online
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