XCell: NRW schließt umstrittene Stammzellklinik in Düsseldorf

XCell: NRW schließt umstrittene Stammzellklinik in Düsseldorf

von Susanne Kutter

Das XCell-Center lockte Tausende Kranke mit riskanten Stammzelltherapien. Nun hat Nordrhein-Westfalens Gesundheitsministerin die Klinik geschlossen.

Mit dubiosen und wissenschaftlich haltlosen Versprechen lockte das Stammzellunternehmen XCell seit gut zwei Jahren rund 3500 Patienten nach Düsseldorf, um sie dort zu behandeln. Die Operationen waren mitunter tödlich. Jetzt schloss Nordrhein-Westfalens grüne Gesundheitsministerin Barbara Steffens die Klinik. Zuvor hatte das für Stammzellen zuständige Paul-Ehrlich-Institut die rechtliche Grauzone beseitigt, die XCell bisher geschickt nutzte. Daraufhin untersagte die Bezirksregierung Köln in Absprache mit Steffens XCell die Abgabe aller stammzellhaltigen Knochenmarkpräparate, wie das Ministerium auf Nachfrage mitteilte. Da die Firma den Empfang des Schreibens quittiert hat, kann sie nun mit sofortiger Wirkung keine Stammzelltherapien mehr anbieten.

Die Zellen, deren Potenzial seriöse Forscher weltweit gerade erst erproben, vermarktete XCell zu Preisen von 7545 bis 26.000 Euro an Menschen, für die eine solche Therapie die letze Hoffnung war. Doch im vergangenen Sommer starb ein 18 Monate alter Junge nach einer Stammzellgabe ins Gehirn, ein Zehnjähriger war seit Ostern 2010 nach einer ähnlichen Behandlung schwerwiegender behindert als vor der Therapie. In beiden Fällen ermittelt die Staatsanwaltschaft Düsseldorf – nicht nur gegen die behandelnde Ärztin, sondern auch gegen die Geschäftsführung.

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Inzwischen prangt auf der Internet-Seite von XCell nur noch ein Informationstext für Patienten, dass aufgrund einer neuen Rechtslage keine Behandlungstermine mehr wahrgenommen werden könnten. Mitarbeiter erhielten zu Ende Mai die Kündigung, auf den Klinikfluren sind kaum noch Ärzte oder Patienten.

„Ich wäre erleichtert, wenn mit der Zustellung der Untersagungsverfügung an das Unternehmen der Schutz von Patientinnen und Patienten vor negativen Folgen durch die XCell-Stammzelltherapien in Nordrhein-Westfalen dauerhaft sichergestellt wäre“, sagt Ministerin Steffens.

Doch XCell hat einen Monat lang Zeit, zu widersprechen. Zudem haben die Mehrheitseigner der Firma, der in den USA lebende Millionär Pawan Seth und der Franzose André Stamm, ihren Geschäftsführer Cornelis Kleinbloesem zwar am 22. April entlassen, aber gleich zwei neue bestellt: Forschungschef Hans de Munter und den leitenden Arzt Dirk Happich.

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