Zweifelhafter Zeitplan: Experten nehmen Energiekonzept unter Beschuss

Zweifelhafter Zeitplan: Experten nehmen Energiekonzept unter Beschuss

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Windräder drehen sich vor den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks

von Dieter Dürand

Das gerade vorgestellte Energiekonzept der Bundesregierung gerät in zentralen Punkten unter Beschuss. Zugleich bezweifeln die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, und der Chef des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, dass die angepeilten Energieziele im vorgesehenen Zeitraum zu erreichen sind.

Größter Schwachpunkt des Konzepts, so Kemfert, sei die Annahme, dass in vier Jahrzehnten 80 Prozent der Treibstoffe aus Biomasse stammen. „Das ist nicht zu schaffen“, betont Kemfert. Die Energieexpertin fordert stattdessen, die Entwicklung von Langzeitspeichern für Wasserstoff und Methan zu forcieren. Die Gase werden mit überschüssigem Strom gewonnen und bei Bedarf in einem Kraftwerk verfeuert. Sie könnten aber ebenso gut als Treibstoff eingesetzt werden. „Das würde Speicherung und Mobilität elegant miteinander verbinden“, sagt Kemfert. Völlig ungeklärt sei im Energiekonzept zudem, wie der notwendige massive Netzausbau durchgesetzt werden soll.

Scharfe Kritik übt Kemfert an der Befristung der Brennelementesteuer bis 2016. Die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke zementiere die beherrschende Marktposition der großen vier Energiekonzerne E.On, RWE, EnBW und Vattenfall. Sie würden ihr Oligopol nutzen, um die Steuer auf die Stromkunden abzuwälzen. „Das wirkt Preis treibend“, befürchtet Kemfert. Schließlich fordert Kemfert eine deutliche Reduzierung des Anteils von Kohlestrom. „Anders sind die Klimaziele nicht zu erreichen.“

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Subventionen umwidmen

IW-Chef Hüther konzentriert seine Kritik auf die Energiesparziele und die Subventionierung von Wind und Sonne. Das Ziel, die Energieeffizienz jedes Jahr um mehr als zwei Prozent zu steigern, hält Hüther zum Beispiel nur bei einer weitgehenden Sanierung des gesamten Wohnungsbestands in Deutschland für erreichbar. „Ob jedoch in 40 Jahren alle Gebäude Nullemissionshäuser sind, ist ziemlich zweifelhaft.“

Die Fördersätze der Einspeisevergütung sollten zügig an das Marktpreisniveau herangeführt werden, um die ausufernde Subventionierung der erneuerbaren Energien zu stoppen. Seit dem Jahr 2000, rechnet der Ökonom vor, hätten die Stromkunden den Ausbau von Wind und Sonne schon mit 61 Milliarden Euro unterstützt. In den nächsten fünf Jahren steige der Gesamtbetrag auf 153 Milliarden Euro. Hüther schlägt deshalb vor, Windstrom in absehbarer Zeit gar nicht mehr zu subventionieren und die Vergütung für den Sonnenstrom zugunsten einer stärken Energie-Forschungsförderung zu deckeln. Die verharre trotz der heute ungleich größeren Herausforderungen mit jährlich rund 500 Millionen Euro auf dem Niveau der frühen Siebzigerjahre. „Das kann so nicht bleiben“, sagt Hüther.

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