Teldafax-Pleite: Ex-Manager kommen mit Bewährungsstrafe davon

Teldafax-Pleite: Ex-Manager kommen mit Bewährungsstrafe davon

, aktualisiert 01. März 2017, 15:10 Uhr
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Der Sitz des Unternehmens Teldafax in Troisdorf bei Bonn

Quelle:Handelsblatt Online

Die Pleite des Billigstromanbieters Teldafax ist einer der größten Firmenzusammenbrüche in Deutschland. Der Strafprozess endet mit Bewährungsstrafen für die verantwortlichen Manager. Die Kunden warten auf ihr Geld.

„Wo bleibt mein Geld?“ – Viele geschädigte Kunden des zusammengebrochenen Stromdiscounters Teldafax stellen immer wieder diese Frage und warten bis heute auf eine Antwort. Seit knapp sechs Jahren ist der ehemalige Billiganbieter von Strom und Gas aus Troisdorf bei Bonn pleite. Während der Insolvenzverwalter weiter Geld für die Gläubiger zusammenkratzt, hat das Bonner Landgericht nun mit dem Urteil im Strafprozess gegen verantwortliche Manager ein anderes Kapitel in der unrühmlichen Firmengeschichte beendet.

Klaus Bath, der im März 2011 als Teldafax-Vorstandschef abberufen wurde, wird zu einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung verurteilt. Hinzu kommen noch 300 Stunden Arbeit in gemeinnützigen Einrichtungen. Das Strafmaß für Ex-Chef Gernot Koch fällt geringer aus: Elf Monate auf Bewährung und 180 Stunden gemeinnützige Arbeit. Beide Manager haben angekündigt, gegen das Urteil Berufung einlegen zu wollen.

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Für die mehr als eine halbe Million betroffenen Kunden bringt die Entscheidung des Gerichts keine neuen Erkenntnisse – allenfalls die Genugtuung darüber, dass die Verantwortlichen eines Unternehmens zur Rechenschaft gezogen werden könnten, weil sie zu leichtfertig mit dem Geld ihrer Klienten hantierten.

Mit der Öffnung der Strommärkte Ende der 1990er-Jahre hatte der Wettbewerb im Energiebereich neue Anbieter in die Branche gelockt. Dabei entwickelte sich der Kampf um Kunden zu einem aggressiven Preiswettbewerb. Teldafax, das einige Jahre zuvor auf dem Telekommunikationsmarkt zu reüssieren versuchte, aber scheiterte, gehörte zu den wenigen Unternehmen, die günstige Strom- und Gaspreise über Vorauszahlungen bot. Viele Kunden bissen an. Doch das Geschäftsmodell war äußerst riskant.

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Niedrige Preise konnte der Discounter nur mit einer immer größeren Anzahl von Vorauszahlungen halten. Die Endkundenpreise lagen dabei zum Teil unter den Einstandskosten. Als das Wachstum nachließ, traten die Probleme ans Licht. Das Geschäftsmodell brach zusammen. Die Stromhändler stellten die Lieferung ein, die Teldafax-Kunden fielen automatisch in die teure Grundversorgung ihres lokalen Anbieters zurück – und blieben auf den Mehrkosten sitzen.

Der Insolvenzverwalter Biner Bähr soll chaotische Verhältnisse in der Zentrale in Troisdorf bei Bonn vorgefunden haben. Auf der ersten Gläubigerversammlung des Unternehmens stellte er unmissverständlich klar: „Hier haben Leute versucht, mit dem Unternehmen Geld zu verdienen auf Kosten anderer.“ Flexstrom, ein anderer großen Anbieter mit Vorkasse-Modell, ereilte wenig später das gleiche Schicksal. Auch hier warten Kunden bis heute auf Rückerstattung.

Nach dem Urteilsspruch bleibt die Arbeit des Insolvenzverwalters Bähr, die sich als sehr viel aufwendiger gestaltet. Der hatte im November 2015 eine erste gute Nachricht für die Teldafax-Geschädigten: Bis dahin hatte er insgesamt 214 Millionen Euro eingesammelt, darunter eine dreistellige Steuerrückerstattung sowie Zahlungen vom Bundesligaclub Bayer 04 Leverkusen, der mit Teldafax einen Sponsorenvertrag vereinbart hatte.

Anfang 2016 sprach Bähr als Zeuge im Teldafax-Prozess schon von einem Betrag in Höhe von 250 Millionen Euro, den er bei Großgläubigern erstritten habe. Auch das soll noch nicht das Ende sein. „Das Verfahren wird weiterhin intensiv betrieben“, sagt ein Sprecher des Insolvenzverwalters, der sich nicht auf ein Ende des Verfahrens festlegen will. Gut möglich, dass am Ende die Teldafax-Kunden doch noch mit einem blauen Auge davon kommen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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