Tele Columbus: „Wir wollen so schnell es geht wachsen“

Tele Columbus: „Wir wollen so schnell es geht wachsen“

, aktualisiert 23. August 2016, 11:19 Uhr
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Tele Columbus will sich stärker als Unterhaltungsanbieter positionieren. Dabei setzt das Unternehmen auch auf die hohen Geschwindigkeiten seines Netzes. In einigen Regionen kommt Tele Columbus schon auf 400 MBit/s. Das macht es auch für Kunden interessant, die hochauflösende Online-Games spielen.

Quelle:Handelsblatt Online

Der drittgrößte deutsche Kabelanbieter Tele Columbus setzt nach seinem Börsengang in 2015 auf schnelles Wachstum - und schnelles Internet. Das macht das Unternehmen auch für Fans hochauflösender Onlinespiele interessant.

DüsseldorfEs gab Zeiten, da waren die Grenzen klar abgesteckt: Telekommunikationsanbieter, allen voran die Deutsche Telekom, boten Telefondienste an, später auch die Verbindung ins Internet. Die Kabelnetzbetreiber boten Kabelfernsehen an. In die Quere kamen sich die beiden Sparten nicht. Doch dann hat der technische Fortschritt sie gleichgemacht. Alle bieten heute Internet an - und weil darüber längst auch telefoniert und ferngesehen werden kann, hat sich das Produktportfolio der Anbieter weitgehend angeglichen.

So kommt es, dass Tele Columbus, einst regionaler Kabelnetzbetreiber in und um Berlin, mit den ganz Großen der Branche, Deutsche Telekom und Vodafone, um Kunden konkurriert. Für den Vorstandsvorsitzenden Ronny Verhelst ist das jedoch kein Problem: „Wir sind kleiner als die Wettbewerber, aber dadurch sind wir auch beweglicher“, sagte er dem Handelsblatt. Sein Hauptaugenmerk: „Wir wollen so schnell es geht wachsen.“

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Bisher gelang das dem Unternehmen besonders durch zwei Übernahmen. Im Juli 2015 kaufte Tele Columbus den Kabelanbieter Primacom für 711 Millionen Euro. Zwei Monate später folgte die Übernahme von Pepcom für 608 Millionen Euro. Damit hat sich das Berliner Unternehmen als drittgrößter Kabelnetzbetreiber im Markt etabliert. Im Rückblick sagt Vehelst heute: „2015 war ein unglaubliches Jahr. Wir haben einen Börsengang und zwei Übernahmen gestemmt.“ Tele Columbus war Mitte Januar mit einem Einstandspreis von zehn Euro pro Aktie an die Börse gegangen. Im Juni folgte der Aufstieg in den SDax. Derzeit steht der Kurs bei knapp über acht Euro. Die beiden Übernahmen haben das Papier belastet.

Dennoch sind Analysten optimistisch. Das Ergebnis des zweiten Quartals überzeugte. Cengiz Sen von der Investmentbank Equinet empfiehlt die Aktie mit einem Kursziel von zehn Euro zum Kauf. JP-Morgan-Analyst Akhil Dattani erklärte in einer Studie, die wichtigsten Leistungskennziffern sähen bereinigt um Sondereffekte im Zusammenhang mit der Übernahme des Konkurrenten Pepcom sogar besser aus als gedacht. Tele Columbus hatte den kleineren Konkurrenten im September vergangenen Jahres gekauft. Auch Wolfgang Specht vom Bankhaus Lampe gibt eine Kaufempfehlung für Tele Columbus ab. Das zweite Quartal sei für den Kabelnetzbetreiber ordentlich verlaufen, schrieb er in einer Studie.


CEO Ronny Verhelst drückt aufs Tempo

Die Zahlen, auf die er sich bezieht, sind folgende: Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um mehr als 120 Prozent auf 119,9 Millionen Euro. Grund für den starken Anstieg sind die beiden Übernahmen von Pepcom und Primacom. Laut dem Telekommunikationsanbieter ist der Umsatz bereinigt um diesen Effekt um 4,2 Prozent auf 115 Millionen Euro angestiegen. Das bereinigte Betriebsergebnis (Ebitda) kletterte um 2,3 Prozent auf 59 Millionen Euro. Dabei arbeite das Unternehmen etwas profitabler. Die bereinigte Ebitda-Marge stieg im Vergleich zum ersten Quartal 2016 um 0,6 Prozent auf 49,2 Prozent.

Tele-Columbus-Chef Ronny Verhelst drückt derweil aufs Tempo. „Der Markt bewegt sich schnell. Wir sind historisch bedingt später gestartet - und das holen wir nun auf“, erklärt er. Noch liegt das Unternehmen jedoch weit hinter den größeren Wettbewerbern zurück. Es hat mit seinen Kabeln 3,6 Millionen Haushalte angeschlossen. Der nächstgrößere Konkurrent Unitymedia kommt auf 7,1 Millionen. Dabei hat die Kundenzahl bei Netzbetreibern eine hohe Bedeutung, das weiß auch Verhelst. „In unserer Branche sind Skaleneffekte extrem wichtig“, sagt er. Mit jedem neuen Kunden steigt die Profitabilität der Infrastruktur, die ohnehin gebaut werden muss.

Andere Breitbandanbieter wie die Deutsche Glasfaser, oder DNS Net, ebenfalls aus Berlin, vermieten ihre Glasfaserleitungen deswegen auch an Konkurrenten. Für Tele Columbus kommt dieses sogenannte Open-Access-Modell derzeit jedoch nicht infrage. „Wir haben in den vergangenen Jahren bis zu 40 Prozent unserer Umsätze in unsere Netze reinvestiert“, sagt er. „Diese Investitionen müssen sich lohnen.“

Noch kann Verhelst an dieser Strategie festhalten: Kabelnetzbetreiber sind im Gegensatz zur Deutschen Telekom nicht verpflichtet, ihr Netz für andere zu öffnen. Ob das allerdings auch in Zukunft der Fall sein wird, wird sich zeigen müssen. Immer wieder gibt es Spekulationen über eine Fusion der Nummer eins und der Nummer zwei am Kabelmarkt: Vodafone (durch den Zukauf von Kabel Deutschland) und Unitymedia. Derzeit gehen alle Marktbeobachter davon aus, dass die Kartellbehörden in Bonn und Brüssel einem Zusammenschluss nicht zustimmen würden. Sollten die Unternehmen versuchen, Stimmung für eine Fusion zu machen, könnte der Zugang für andere auf ihr Netz ein Verhandlungsposten sein.


Vier Angebote aus einer Hand

Der Tele-Columbus-Chef beschäftigt sich nicht mit dem Gedanken an einen vielleicht übermächtigen Konkurrenten. „Als CEO will ich managen, was ich managen kann“, meint Chef Verhelst. „Ich konzentriere mich auf unsere eigenen Stärken und befasse mich nicht mit Dingen, die ich nicht kontrollieren kann.“ Die Dinge, die er kontrollieren kann, sind die Angebote von Tele Columbus. Und da setzt er auf die derzeit in der Telekommunikationsbranche populäre „Quadrupel“-Strategie: Dabei wird Fernsehen, Internet, Festnetz und Mobilfunk aus einer Hand angeboten.

Auch die Konkurrenten Vodafone, Telekom und Unitymedia setzen auf ein solches Angebot. Eine der Ideen dahinter ist, die Kunden fester an sich zu binden. Da die Berliner kein eigenes Mobilfunknetz haben, mieten sie sich über den Mobilfunkdiscounter Drillisch bei Telefónica (O2) ein. Letzterer muss 20 Prozent seiner Kapazitäten nach dem Zusammenschluss mit E-Plus für fünf Jahre an den Anbieter abtreten.

Verhelst will das Unternehmen stärker als Unterhaltungs-, statt als TV-Anbieter positionieren. Dabei setzt er auch auf die hohen Geschwindigkeiten, die er in seinem Netz bieten kann. Sie könnten bereits überall schnelles Internet mit 200 Megabit die Sekunde (MBit/s) anbieten, sagt er. In einigen Regionen kommt das Unternehmen schon auf 400 MBit/s. Das macht es auch für Kunden interessant, die hochauflösende Online-Games spielen.

Die Aufmerksamkeit einer wichtigen Person hat sich Tele Columbus bereits gesichert: Ralph Dommermuth, Chef von United Internet. Über seinen Konzern hat er sich im Februar 25 Prozent der Anteile des Unternehmens gesichert, um von der Wertsteigerung von Tele Columbus zu profitieren. Aktiv einmischen würde er sich nicht in das operative Geschäft, erzählt Tele-Columbus-Chef Verhelst. Falls sich eine Möglichkeit für eine Kooperation ergeben würde, die beiden Seiten nutzt, wird er das in Betracht ziehen. Aber dafür gebe es keinen Druck.

Doch noch ist die Aufgabenliste der Unternehmensführung lang: „Wir arbeiten daran, ein einheitliches Unternehmen zu schaffen“, sagt der Chef. Das Unternehmen will in diesem Jahr die Kundenzahl stabil halten, dafür den Umsatz pro Kunde mittelfristig von monatlich 15,50 auf 18 Euro steigern. Umsatz und Betriebsergebnis sollen im mittleren bis höheren einstelligen Bereich wachsen. Dabei stehen 2016 und 2017 noch einmal hohe Investitionen von 35 bis 38 Prozent des Umsatzes an. Dieser Anteil soll danach aber wieder sinken.

Quelle:  Handelsblatt Online
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