Tesla-Aktie: Die Hoffnung macht den Kurs

Tesla-Aktie: Die Hoffnung macht den Kurs

, aktualisiert 01. April 2016, 16:09 Uhr
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Der Autobauer aus dem Silicon Valley will Elektroautos für die Mittelklasse erschwinglich machen.

von Julia RotenbergerQuelle:Handelsblatt Online

Mit Model 3 will Tesla das Elektroauto massentauglich machen. Die Anleger wollen dem Erfolgsversprechen nur zu gerne glauben. Doch kann die Aktie die Erwartungen erfüllen?

Schon der Name des neuen Tesla-Autos suggeriert: Es soll ein Klassiker werden. Keine umständlichen Buchstaben- oder Zahlenkombinationen. Einfach Model 3. Damit will der Chef des kalifornischen Elektroauto-Bauers, Elon Musk, das schaffen, was Volkswagen einst mit dem Käfer und Ford mit Model T gelungen ist: eine Revolution des Autofahrens.

Ähnlich wie die beiden Konzerne damals holt Musk ein Luxusgut aus dem Nischen- in den Massenmarkt. Rund 35.000 Dollar soll Model 3 kosten, gerade einmal so viel wie ein VW-Passat. Die beiden vorherigen Modelle, Tesla S und Tesla X, haben mit rund 70.000 Dollar fast das Doppelte gekostet und waren damit für viele unerschwinglich.

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Während der Präsentation von Model 3 umgarnten die Fans Musk wie einen Rockstar. Rund 115.000 Kunden sollen das Model 3 schon jetzt vorbestellt haben und das, obwohl die Produktion erst 2017 anlaufen soll. Seine Produktion will Tesla verzehnfachen: Liefen im vergangenen Jahr noch 50.000 Autos über das Band, sollen es schon im Jahr 2020 500.000 jährlich werden. Der Aktienkurs stieg zum Handelsbeginn um mehr als 5 Prozent auf 242 Dollar.

Auch Branchenanalysten setzen ihre Hoffnungen auf das Produkt: Leute, die Schlange stehen, um ein Auto vorzubestellen, das erst in mehr als einem Jahr zu haben ist, seien ein Novum für die Branche, sagt zum Beispiel Analystin Jessica Caldwell von Edmunds.com. Die Analysten von Credit Suisse erwarten eine „überdurchschnittliche Kursentwicklung” der Tesla-Aktie.

Doch was bedeutet das für die Anleger? Auf den ersten Blick sieht es so aus, als könnte Musks Vorpreschen auf den Massenmarkt ihre Fantasie weiter beflügeln. Die Anleger haben dem Automobilbauer aus dem Silicon Valley schon immer viel zugetraut: Als Tesla 2010 an die Börse ging, lag der Ausgabepreis der Aktie bei gerade einmal 17 Dollar.

Zum Vergleich: Einen Tag vor der Präsentation von Model am 31. März kostete ein Tesla-Papier rund 230 Dollar – der Kurs hat sich also mehr als versiebenfacht. Und das, obwohl Tesla wiederholt rote Zahlen schreibt. Wegen hoher Investitionen schrieb der Autobauer im vierten Quartal 2015 einen Verlust von 320 Millionen Dollar. Immerhin steigerte Tesla auch seinen Umsatz um 27 Prozent auf 1,21 Milliarden Dollar.


Wird Tesla zum neuen Aktien-Klassiker?

Auf den zweiten Blick wird jedoch schnell klar, dass die Anleger vor allem auf Teslas Zukunft setzen. Die Hoffnung treibt den Kurs. Zwischen 80.000 und 90.000 Autos will Tesla 2016 ausliefern. Ob der Automobilbauer dem Kurs auch fundamental gerecht werden kann, bleibt unterdessen offen.

Wer sich den Buchwert der Aktie anschaut, könnte Zweifel bekommen. Zum 31. Dezember kamen bei Tesla auf 240 Dollar Börsenkapital gerade einmal 8,30 Dollar reale Assets – gerade einmal 3,4 Prozent. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum war das Börsenkapital von Ford zu gut der Hälfte vom Buchwert gedeckt. Volkswagen besitzt einen Buchwert von rund 183 Dollar je Aktie bei einem Kurs von rund 126 Dollar (31.12.2015). So warnt auch UBS-Analyst Colin Langan die Anleger vor überhöhten Kurssteigerungen

Natürlich steckt Tesla im Vergleich zu den beiden etablierten Autofirmen noch in den Kinderschuhen. Und die Kennzahl könnte auch als Potenzial für die weitere Entwicklung der Aktie interpretiert werden. Dennoch zeigt sie auch, dass Tesla-Anleger gerne träumen – und spekulieren.

Im Moment sieht es so aus, als müsste Musk es vor allem schaffen, Tesla profitabel zu machen. Der Bau einer Fabrik für Elektroauto-Akkus in Nevada, welche das Fahrvergnügen steigern sollen, wird für den Erfolg des Unternehmens womöglich entscheidender sein als das Model 3. In der Fabrik, die „Gigafactory” genannt wird, will Tesla Lithium-Ionen-Batterien produzieren.

Mit der Massenproduktion der Batterien soll auch die Massenproduktion von Elektroautos beschleunigt werden. Gelingt der Plan, könnte auch die Aktie von Tesla – wie VW und Ford in ihrer Zeit – möglicherweise zu einem Klassiker werden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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