„too big to fail“: US-Finanzfirmen wollen nicht mehr systemrelevant sein

„too big to fail“: US-Finanzfirmen wollen nicht mehr systemrelevant sein

, aktualisiert 31. März 2016, 18:31 Uhr
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Die Tochter GE Capital des US-Konzerns will nicht mehr als systemrelevant gelten.

Quelle:Handelsblatt Online

Mehrere US-Unternehmen wollen nicht mehr als systemrelevant gelten. Nach dem Lebensversicherer MetLife meldeten sich auch GE Capital und AIG zu Wort. Der Status zwingt die Unternehmen dazu, mehr Kapital vorzuhalten.

WashingtonNach dem US-Lebensversicherer MetLife wollen auch andere US-Finanzfirmen das Etikett „systemrelevant“ loswerden. GE Capital bat die Regierung am Donnerstag darum, die Einstufung als „too big to fail“ aufzuheben. Die Tochter des US-Mischkonzerns General Electric sei inzwischen auf eine Größe geschrumpft, die dieses Label nicht mehr rechtfertige, sagte GE-Capital-Chef Keith Sherin. Auch AIG habe seine Bilanz nach der Beinahepleite 2008 und der Rettung durch die US-Regierung so weit zurückgefahren, dass es nicht mehr zu groß sei, um nicht scheitern zu dürfen, sagte der Chef des Versicherers, Peter Hancock.

Bei „too big to fail“ handelt es sich um Finanzfirmen, die wegen ihrer Verflechtungen bei einer Pleite die gesamte Branche mit in den Abgrund reißen könnten. Sie unterliegen meist einer schärferen Aufsicht und müssen mehr Kapital vorhalten als andere Institute. Im Notfall könnten sie aber auch vom Staat gerettet werden. GE hatte in den vergangenen Monaten große Teile seines Finanzgeschäfts veräußert, um so die eigene Relevanz für die Sicherheit des Finanzsystems herabzusetzen.

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Nach der Finanzkrise wurden hauptsächlich Banken als systemrelevant eingestuft. Es traf jedoch auch andere Unternehmen der Finanzbranche wie 2014 den größten US-Lebensversicherer MetLife. Der ging umgehend dagegen vor und bekam am Mittwoch von einem Gericht recht. „MetLife hat von Anfang an gesagt, dass sein Geschäftsmodell keine Gefahr für die Finanzstabilität der Vereinigten Staaten darstellt“, sagte MetLife-Chef Steven Kandarian nach dem Urteil. Das US-Finanzministerium hielt an seiner Einschätzung jedoch fest.

Das Gerichtsurteil öffne nun Türen, das ungeliebte Etikett ebenfalls loszuwerden, sagte AIG-Chef Hancock. AIG-Großaktionär Carl Icahn kämpft schon länger dafür und fordert auch deshalb, dass der einst größte Versicherer der Welt in drei getrennte und an der Börse gehandelte Bereiche zerlegt werden soll. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers 2008 geriet auch AIG in Schieflage und wurde von der US-Regierung mit 182 Milliarden Dollar Steuergeldern vor dem Aus gerettet. Das Geld hat AIG inzwischen zurückgezahlt.

GE hatte in der Vergangenheit Jahre lang sehr gut von der Verbindung zwischen Finanz- und Industriegeschäft gelebt. Der Konzern war nicht nur in der klassischen Absatzfinanzierung aktiv, sondern zum Beispiel auch im Flugzeug-Leasing. Die solide Basis im Industriegeschäft verschaffte sehr gute Ratings für die Finanzsparte, die dadurch überdurchschnittliche Renditen erzielen konnte. Seit der Finanzkrise und spätestens seit den daraus folgenden Auflagen geht diese Rechnung nicht mehr auf. GE hat daher sein Vermögen im Finanzgeschäft von 549 Milliarden auf 265 Milliarden Dollar reduziert.

Von dem verbleibenden Geschäft stecken 36 Milliarden in Versicherungsbereichen, die nach und nach abgewickelt werden sollen. Die Konsumfinanzierung in den USA wurde auf Null zurückgefahren. Mit diesem Bereichen, etwa der Kauf-Finanzierung von Haushaltsgeräten, war der Bereich vor fast einem Jahrhundert gestartet.

Quelle:  Handelsblatt Online
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