Tool der Woche: Ölheizer drehen Gasheizern eine lange Nase

Tool der Woche: Ölheizer drehen Gasheizern eine lange Nase

, aktualisiert 29. April 2016, 16:03 Uhr
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Spätestens als die Heizölpreise im Jahr 2008 fast auf 100 Euro je 100 Liter stiegen, fiel Öl als Heizart in Ungnade. Heute hat sich der Preis halbiert.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Die Preise für Heizöl haben sich mit dem Ölpreisverfall seit 2012 halbiert. Wer mit Gas heizt, profitiert jedoch kaum. Der Preis ist weitgehend konstant. Dennoch gibt es eine Chance Geld zu sparen.

Frankfurt am MainFür Winterfreunde war es eine verkorkste Saison. In Deutschland gab es kaum Schnee, zugefrorene Seen gab es in aller Regel nur in künstlicher Form in Eisstadien. Das meist nasse, graue Wetter schlug zudem auf das Gemüt. Der Blick auf die Heizkosten dürfte sie indes für entgangene Freuden entschädigen. Weil es nicht ganz so kalt war, konnten sie bares Geld sparen.

Am meisten profitieren derzeit die Ölheizer. Während ein Musterhaushalt in einem Einfamilienhaus mit Gasheizung zwischen Oktober und März durchschnittlich 949 Euro für die Beheizung berappen musste, waren es beim Öl nur 679 Euro. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sparten Gasheizer drei Prozent. Bei Ölheizern waren es hingegen 29 Prozent, berechnet das Vergleichsportal Verivox. Wird die Ölheizung etwa zu einem Verkaufsschlager?

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Ja, konstatiert Peter Kafke, Energiereferent beim Bundesverband der Verbraucherzentrale. „Gerade bei den Neubauten feiert die Ölheizung ein kleines Comeback.“ Das belegen auch Zahlen des Bundesverbandes der Deutschen Heizungsindustrie (BDH). Demzufolge stieg der Absatz bei den „Öl-Wärmeerzeugern“ um fast ein Drittel auf 60.000 Stück – allerdings „ausgehend von einer niedrigen Basis“, räumt der BDH ein.

Die Profiteure der Entwicklung bei den Heizpreisen sind in Deutschland aber in der Unterzahl. Denn Ölheizungen waren lange aus der Mode. Beim Absatz wird der fossile Brennstoff, trotz des jüngsten Trends, von Gasheizungen mit knapp 440.000 neu verkauften Geräten weiterhin deutlich abgehängt. Von insgesamt 41 Millionen Wohnungen heizt knapp die Hälfte der Deutschen mit Gas, nur rund ein Viertel mit Öl.

Kafke ist froh über dieses Verhältnis, vor allem weil Gasheizungen weniger Kohlendioxid ausstoße. „Von den beiden schlechten fossilen Brennstoffen ist Gas der bessere.“ Von den jüngsten Preisverfällen können sich die Gaskunden – nicht nur sprichwörtlich genommen – allerdings wenig kaufen. Doch warum driften die Preise für Öl und Gas, deren Preise früher nahezu parallel verliefen, heute so weit auseinander?

Ein Grund für die hohe Preisdifferenz liegt in erster Linie an den stark gefallenen Ölpreisen. Diese kommen bei den Ölheizern deutlich direkter an als bei Gaskunden. Wurden im Oktober 2012 für 100 Liter leichter Heizöl noch knapp 80 Euro fällig, waren es im März 2016 gerade noch 37,64 Euro. „Am stärksten von den gesunkenen Heizölpreisen profitieren Verbraucher, die im Januar 2016 ihren Tank befüllt haben“, sagt ein Sprecher von Verivox. Nach dem jüngsten Preisanstieg kosten einhundert Liter wieder knapp 50 Euro.

Mehr als 600 Euro im Jahr sparen

Lange Zeit folgten die Gaspreise den Ölpreisen, weil eine Preisbindung bestand. Das lief meist zeitversetzt mit einem halben Jahr Verzug. Doch seit 2010 ist damit Schluss (siehe Grafik). Der Grund: Damals entschied der Bundesgerichtshof (VIII ZR 178/08 und VIII ZR 304/08), dass die Versorgerunternehmen ihre Gaspreise für Privatkunden nicht ausschließlich an den Ölpreis binden dürfen. Seitdem haben sich die Preise entkoppelt. Das liege auch daran, dass sich für Gas über die Jahre ein eigener Markt entwickelt habe, erklärt ein Verivox-Sprecher.

Seit 2011 hält sich der Gaspreis relativ konstant zwischen 6,4 und 6,8 Cent je Kilowattstunde. Das war in Zeiten hoher Ölpreise, wie etwa im Jahr 2012, ein Glück für Gaskunden. Derzeit ist es ein Ärgernis. Da hilft es auch nicht, dass die international meist beachtete Benchmark für Gas, die am New Yorker Mercantile Exchange gehandelten Kontrakte für Erdgas, derzeit ein Drittel billiger sind als noch vor einem Jahr.

Denn die Beschaffungsmärkte in Europa sind heterogen. Meist beziehen Gasversorger den Rohstoff von den Förderern mit mehrjährigen Verträgen mit vorher vereinbarten Preisen. Sie laufen also selbst entkoppelt von den Tagesmärkten. Deswegen spiegelt sich weniger Volatilität in den Preisen für Verbraucher wieder. Zudem bildet sich der Gaspreis für Endkunden nur etwa zur Hälfte aus Kosten für Erzeugung und Vertrieb zusammen. Den Rest machen Netzentgelte (21,7 Prozent), Konzessionsabgaben (1,6 Prozent) und – natürlich – Steuern aus (24,13 Prozent).

Laut Statistischem Bundesamt deckte Deutschland seinen Gasbedarf 2014 (die neusten verfügbaren Daten) zu mehr als neun Zehnteln aus Importen. Vom Gesamtbedarf stammen 36 Prozent aus Russland, 30 Prozent aus Norwegen und 22 Prozent aus den Niederlanden.

Während Ölheizer also im besten Falle den Tankwagen genau dann bestellen, wenn die Preise am Tiefpunkt sind, entfällt dieser Preisvorteil bei Gaskunden. Dennoch lasse sich viel Geld sparen. So rät Kafke von der Verbraucherzentrale, die Preise immer wieder zu vergleichen. Wer Geld sparen möchte, kann zu günstigeren Anbietern wechseln.

Laut Verivox kommen auf einen Postleitzahlenbereich häufig mehr als 100 verschiedene Anbieter. „Dank günstiger Angebote sind in den großen Städte mehr als 600 Euro Ersparnis pro Jahr drin“, sagt der Verivox-Sprecher. Dabei bezieht er sich auf den Verbrauch von knapp 20.000 Kilowattstunden, das ungefähr dem eines kleinen Hauses entspricht. Eingerechnet sind dabei jedoch Gutschriften wie Wechselboni. Als Äquivalent gelten etwa 2.000 Liter leichten Heizöls.


Optimieren statt Austauschen

Da die Auswahl an Lieferanten für Heizöl jedoch deutlich geringer ist, haben Ölheizer nicht die Möglichkeit eines umfassenden Anbietvergleichs. Bei manchen Lieferanten lohnt es ich jedoch, gemeinsam mit Nachbarn bei einer großen Bestellung nach Mengenrabatt zu fragen, um noch ein paar Prozente herauszuquetschen.

Die Preisvolatilität am Ölmarkt lässt sich damit allerdings nicht aushebeln. So rät auch Verbraucherschützer Kafke, nicht voreilig wegen des derzeitigen Preisvorteils des Öls die Gasheizung aus dem heimischen Keller zu reißen. Warum, wird bei einem Blick auf die Preisentwicklung klar: Noch vor zwei Jahren, im Winter 2013/14 war Heizen mit Öl rund ein Viertel teurer als mit Gas. So schnell wie der Trend nach unten ging, könnte er auch wieder nach oben schießen.

Für alle Verbraucher hat Kafke noch einen Rat: Man müsse nicht gleich einen neuen, vermeintlich effizienteren Kessel im Heizkeller verbauen. „Stattdessen lohnt es sich, das System von einem Fachkundigen optimieren zu lassen“, erklärt Kafke. So könnten Schwachstellen wie eine alte Pumpe, über- oder unterversorgte Heizkörper schnell ausfindig gemacht und günstiger ersetzt oder angepasst werden. „Bei einem kleinen Haus fällt dann möglicherweise statt 10.000 Euro für einen neuen Kessel nur ein Zehntel der Kosten an.“

Ohnehin mache es Sinn, sich nicht nur von einer Energiequelle abhängig zu machen. Wo möglich, empfiehlt der Verbraucherschützer regenerative Energien. Ja, die Ölheizung feiere derzeit ein Nachfragehoch. Von langer Dauer werde das aber nicht sein. Spätestens beim nächsten großen Preisanstieg sei wieder Schluss.

Quelle:  Handelsblatt Online
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