Tool der Woche: Warum der Euro gegenüber dem Dollar stabil bleibt

Tool der Woche: Warum der Euro gegenüber dem Dollar stabil bleibt

, aktualisiert 20. Mai 2016, 15:16 Uhr
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Einige Banken sehen bis Jahresende die Euro-Dollar-Parität voraus. Doch die Wetten auf einen fallenden Euro nehmen ab.

von Matthias StreitQuelle:Handelsblatt Online

Die jüngsten Protokolle der US-Notenbank legen noch zwei Leitzinserhöhungen in diesem Jahr nahe. Das sollte dem Dollar Auftrieb geben. Doch gegenüber dem Euro bleiben große Reaktionen bislang aus.

FrankfurtSeit einigen Monaten unterbieten sich Großbanken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs oder auch die Deutsche Bank geradezu mit Abwertungsszenarien des Euro gegenüber einem wiedererstarkenden Dollar. Schon bis zum Jahresende 2016 könnten die Währungen die Parität erreichen. Ein Euro würde dann nur noch einen Dollar kosten. Aktuell steht der Kurs bei 1,12 Dollar.

Aus den jüngsten Protokollen der US-Notenbank Fed vom Mittwoch geht hervor, dass noch zwei Zinssteigerungen in diesem Jahr möglich sein könnten. Das sollte in aller Regel auch den Dollar weiter stärken, weil es Investoren in den robusteren Währungsraum zieht. Im Gegenzug sollte der Euro fallen.

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Zwar hat der Dollar nach der Veröffentlichung der Protokolle fast gegenüber allen großen Währungen aufgewertet. Aber wirklich große Sprünge am Devisenmarkt sind ausgeblieben. Und viele Händler scheinen im Moment auch nicht mit großen Veränderungen zu rechen.

Dabei hatten Analysten aufgrund der zögerlichen Fed nur einen Zinsschritt der US-Notenbank in diesem Jahr eingepreist. Ein zweiter, so die Lesart, könnte den Dollar weiter aufwerten lassen. Doch der Spielraum scheint beschränkt. Nach Verlusten am Donnerstag legte der Euro am Freitag gegenüber dem Dollar wieder leicht zu, um 0,2 Prozent auf 1,12 Dollar.

Daran könnte sich bis zum Jahresende nicht viel ändern. Im Schnitt der von Bloomberg erfassten Prognosen liegt der Kurs im vierten Quartal 2016 noch auf dem heutigen Niveau. Die Credit Suisse, die erst am Donnerstag eine neue Prognose vorlegte, rechnet im dritten Quartal sogar mit einem Kurs von 1,17 Dollar, bevor er im vierten wieder auf 1,13 Dollar fallen werde.

Es scheint widersinnig, dass dem Dollar trotz zweier Zinsschritte im US-Währungsraum so wenig Aufwertungsspielraum gegenüber dem Euro zugetraut wird. Die Commerzbank hingegen weist dabei auf die Marktmechanismen hin, die das zukünftige Potenzial des Dollars begrenzen: „Vermittelt die Fed den Eindruck eines Zinserhöhungszyklus, wird ein guter Teil der zukünftigen Zinserhöhungen schon jetzt in die US-Dollar-Wechselkurse eingepreist, also lange, bevor die Bedingungen eintreten, die einen deutlich stärkeren Dollar rechtfertigen“, schreibt Ulrich Leuchtmann, Devisenstratege bei der Commerzbank.

So kletterte zwar auch der Bloomberg-Dollar-Spot-Index, der die US-Währung zehn bedeutenden Währungen gegenüberstellt, am Donnerstag kurzfristig auf seinen höchsten Stand seit dem 29. März. Bereits am Freitag lavierte er aber bereits wieder unter diesem Niveau.


Weniger Wetten auf fallenden Eurokurs

Doch die Analystengemeinde ist gespalten in der Frage, ob der Dollar weiter auf- oder abwerten wird. So bleibt etwa die Deutsche Bank ein solider „Dollar-Bulle“. „Wir glauben nicht, dass der Aufschwungzyklus des Dollars vorüber ist“, schreiben Analysten der Bank in ihrem vierteljährlichen Währungsbericht. Den Euro-Dollar-Kurs sieht die Bank bis zum Jahresende auf mindestens 1,05 Dollar fallen. In der Wortwahl sind die Analysten eindeutig: „Verkaufen Sie alles“, zitiert die Financial Times den Bericht. Insbesondere von asiatischen und der chinesischen Währungen rät die Deutsche Bank ab. Die Entwicklung der Wechselkurse seit Anfang Mai gibt der Bank immerhin Recht. Seit Monatsbeginn hat der Dollar gegenüber den bedeutenden G10-Währungen um knapp drei Prozent zugelegt.

Zugegeben: Das Überraschungsmoment lag mit den am Mittwoch veröffentlichten Fed-Protokollen ganz sicher auf der Seite der US-Notenbank. Rechneten am Montag nur knapp vier Prozent der Marktteilnehmer mit einer Zinsanhebung bei der nächsten Sitzung der Fed im Juni, sind es mittlerweile 28 Prozent. Gleichwohl ist die Zahl jener Spekulanten noch weit von der Mehrheit entfernt.

Wenngleich die Zinserhöhungen den Dollar prinzipiell stärken sollten, scheinen starke Ausbrüche, insbesondere im Verhältnis zum Euro, im Moment unwahrscheinlich. So sieht etwa die BNP Paribas im derzeitigen Marktumfeld eher einen Seitwärtstrend mit leichter Abwärtstendenz. Die Analysten schreiben in einem Marktkommentar von kurzfristigen Zielen zu 1,1143 Dollar. Für den Euro läge das Plus dann im Jahresverlauf aber immer noch bei 2,6 Prozent.

Darüber hinaus nahmen die Wetten der Marktteilnehmer auf einen Fall der europäischen Gemeinschaftswährung zuletzt ab, wie es aus Daten der Optionsbörse CME abzulesen ist. Waren es Anfang Dezember noch knapp 200.000 Kontrakte, die auf eine Abwertung des Euro setzten, hat sich dessen Zahl zuletzt fast um das Zehnfache dezimiert, auf nur noch knapp 22.000.

Quelle:  Handelsblatt Online
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