Traxpay-Chef im Interview : „Nur wenige Fintechs werden zu einer Marke“

Traxpay-Chef im Interview : „Nur wenige Fintechs werden zu einer Marke“

, aktualisiert 12. April 2016, 11:08 Uhr
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Fintech-Experte und Chef von Traxpay.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Scheuen Finanz-Start-ups das Firmenkundengeschäft? Nein, sagt Jochen Siegert, aber Unternehmen sind schwieriger zu überzeugen als Privatleute. Wieso das so ist und warum es bald mehr Gründungen von Bankern geben dürfte.

Mit innovativen und nutzerfreundlichen Angeboten stoßen Fintechs inzwischen in alle Bankbereiche vor. Fintechs sind Anbieter von digitalen Bankdienstleistungen. Durch Werbung fallen in der Öffentlichkeit besonders solche auf, die eine Kreditvergabe zwischen Privatleuten ermöglichen, das Bezahlen vereinfachen oder eine einfache Geldanlage bieten. Spezielle Angebote für Firmen sind häufig weniger bekannt – sie gibt es aber dennoch. Jochen Siegert, Branchenexperte und Chef des Bezahldienstleisters Traxpay, erklärt die Herausforderungen für junge Gründer.

Herr Siegert, wenn man derzeit Werbung für Finanztechnologie-Firmen sieht, geht es meist um Kreditplattformen oder automatisierte Geldanlage für Privatkunden. Interessieren sich Fintechs nicht für Firmenkunden?
Doch, das tun sie. Ich schätze sogar, dass sich etwa 40 Prozent der Fintechs im Business-to-Business-Segment bewegen. Aber das Marketing findet selten in der Öffentlichkeit statt.

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Fintechs sprechen die Unternehmen also direkt an? Sind sie damit erfolgreich?
Es gibt einige Hürden zu überwinden. Wenn ein Start-up mit einem etablierten Unternehmen zusammenarbeiten will, wird meist zuerst nach seinen bisherigen Erfolgen gefragt. Doch ein junges Unternehmen kann naturgemäß noch nicht viel vorweisen. Außerdem sorgen sich die Firmen, dass Fintechs schnell wieder ihr Angebot einstellen könnten.

Wie kommen sie aus dieser Zwickmühle heraus?
Sehr hilfreich sind namhafte Investoren, das wirkt wie ein Gütesiegel. Und wer schon Kooperationspartner gewonnen hat, kann auch damit für sich werben.

Welche Strategie verfolgen Sie als Chef von Traxpay, einem Bezahldienstleister für Unternehmen?
Zu unseren Investoren gehören die Commerzbank und die Software AG, einer unserer Kooperationspartner ist Mastercard. Dass diese großen Player an uns glauben, hat uns schon viele Türen geöffnet.

Haben es Fintechs im Privatkundengeschäft leichter?
Ich denke schon. Privatkunden sind zum Beispiel eher bereit, ihre Bank zu wechseln oder ein neues Fintech auszuprobieren, wenn sie damit Kosten sparen oder eine bessere Rendite bekommen. Für sie steht auch weniger auf dem Spiel. Wenn ein Verbraucher einen Kredit über ein paar Hundert Euro aufnimmt oder einen Teil des Ersparten von einem Robo-Advisor verwalten lässt, sind die Auswirkungen sehr überschaubar. Wenn aber Unternehmen ihren Zahlungsverkehr über einen neuen Anbieter abwickeln, hat das sehr weitreichende Folgen. Gelingt es nicht, können hohe Kosten entstehen.

Noch dazu hängen Unternehmen an ihrer Hausbank.
Große Unternehmen haben etablierte Prozesse und sie von ihrer Hausbank zu trennen, ist nahezu unmöglich. Außerdem brauchen Gründer von Start-ups im Privatkundengeschäft weniger Spezialwissen, schließlich ist jeder selbst auch Kunde.


„Viele Fintechs setzen auf White Label“

Der Business-Bereich ist also komplexer?
Im Geschäftskundenbereich ist es hilfreich, wenn man selbst länger in Branche tätig war. Nur wer die Abläufe im Detail kennt, weiß auch, wo Verbesserungsbedarf besteht. Ich denke, dass die nächste Welle von Fintech-Gründungen von Bankern initiiert wird.

Was hindert sie noch?
Wer heute einen gut bezahlten und eher sicheren Job hat, der stürzt sich nicht mal eben mit einem Fintech in die Selbstständigkeit. Die steigende Zahl von Erfolgsgeschichten lässt die Hürde aber sinken.

In welchem Bereich erwarten Sie das größte Potenzial?
Zum einen im Bereich der Kreditvergabe, aber eher bei den kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wenn heute ein Schreiner 50.000 Euro Kredit braucht, verdient die Bank daran kaum etwas, weil ihre Prozesse so aufwendig und teuer sind. Ein Fintech mit hoch standardisierten und automatisierten Prozessen ist da deutlich im Vorteil.

Eine aktuelle Studie zeigt, dass viele Mittelständler nichts mit der Bezeichnung Fintech anfangen und keine Beispiele nennen können. Woran liegt das?
Viele Fintechs bieten ihre Dienstleistungen als White Label an. Banken oder Softwareanbieter integrieren sie in ihr System, so dass das Fintech gegenüber dem Unternehmen oft gar nicht sichtbar wird. Der Zahlungsverkehr ist da ein gutes Beispiel. Zahlreiche Firmen profitieren also schon von Fintech-Innovationen ohne es zu wissen. Jedoch: Der Fintech-Trend ist auch noch sehr am Anfang.

Ist das White Label-Angebot die Vorstufe für den Aufbau einer eigenen Business-to-Business-Marke?
Da bin ich skeptisch. Nur sehr wenige Fintechs werden wirklich zu einer Marke heranwachsen. Es ist da wahrscheinlicher, dass sie vorher aufgekauft werden.

Herr Siegert, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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