Trends der Cebit: Die Computer heben ab

Trends der Cebit: Die Computer heben ab

, aktualisiert 19. März 2017, 16:01 Uhr
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Nicht nur Spielzeug: Drohnen kommen immer häufiger für kommerzielle Zwecke zum Einsatz, etwa die Inspektion von Fabriken.

von Ina Karabasz, Christof Kerkmann und Johannes StegerQuelle:Handelsblatt Online

Wie sieht die Wirtschaft der Zukunft aus? Die Cebit soll einen Blick in die Kristallkugel erlauben: Die Technologiemesse will die Digitalisierung anfassbar machen – beispielsweise in Form von Robotern und Drohnen.

HannoverBagger, die ohne menschliches Zutun gefährliche Stoffe bergen. Drohnen, die aus der Luft einen Schlot inspizieren. Und Sportschuhe, die für den Fuß des Läufers individuell gefertigt werden: Mit derartigen Szenarien will die Deutsche Messe die Besucher auf die Cebit in Hannover locken, die am heutigen Sonntag mit einem Pressetag beginnt. Ziel sei es, „die digitale Transformation so konkret erlebbar wie möglich zu machen“, sagt Cheforganisator Oliver Frese. Abstrakte Themen wie Cloud Computing oder das Internet der Dinge werden anfassbar.

Die Deutsche Messe AG will eine Plattform für digitale Technologie aller Art zu bieten. Damit ist sie indes nicht allein, CES und Mobile World Congress, IFA und Hannover Messe buhlen mit ähnlichen Themen um Aussteller und Gäste – weshalb die Cebit auf ihr heutiges Maß mit rund 200.000 Besuchern und rund 3000 Ausstellern geschrumpft ist. Microsoft etwa ist in diesem Jahr nur an Ständen von Partnern vertreten. Die großen Themen ähneln denen der Konkurrenz, und selbst die geschäftliche Seriosität ist kein Alleinstellungsmerkmal mehr. Die wichtigsten Trends im Überblick.

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Drohnen: Computer mit schnittiger Verkleidung

Sie sind beliebte Weihnachtsgeschenke – aber auch Helfer unter widrigen Bedingungen: Drohnen dürften einer der Schwerpunkt der Cebit werden. Die Messe rückt dabei die kommerziellen Anwendungen in den Mittelpunkt. Auf einem Freigelände vor Halle 2 wird etwa die Inspektion einer Miniatur-Ölplattform vorgeführt, in der nahe gelegenen Halle 17 zeigen gut 30 Aussteller ihre Technologie.

Dass die Anbieter auf die Cebit kommen, ist kein Zufall: Drohnen sind heute Computer mit aerodynamischer Verkleidung. Die Sensoren und Prozessoren im Inneren stammen von Chipherstellern wie dem Marktführer Intel, der im vergangenen Jahr zwei Hersteller unbemannter Flugobjekte übernommen hat und nun auf der Cebit verschiedene Szenarien zeigt. Auch bei der Verarbeitung der Daten – etwa von Kameras – wollen IT-Unternehmen ihre Stärken ausspielen. Die Fluggeräte helfen beispielsweise bei der Inspektion von Fabriken, Brücken oder Solaranlagen.

Der Markt wächst: Das Beratungsunternehmen Gartner prognostiziert, dass der Umsatz mit Drohnen für den privaten und kommerziellen Gebrauch bis 2020 auf 11,2 Milliarden Dollar steigt. Darin sind die Ausgaben für militärische Geräte nicht enthalten. Auch technisch dürfte sich viel tun: Gartner-Analyst Gerald van Hoy erwartet Verbesserungen bei der autonomen Steuerung, Batterien mit mehr Ausdauer und Sensoren auch jenseits von Kameras.


Wenn die Erinnerungen in der Cloud liegen

Roboter: Abbild oder Helfer des Menschen?

Wie ähnlich sollen Androiden den Menschen sein? So ähnlich wie möglich, meint Hiroshi Ishiguro, der als Popstar der japanischen Roboterforschung gilt und in einem Vortrag seine faszinierende, aber auch verstörende Vision darlegt. Seinen eigenen Doppelgänger bringt er vermutlich mit. Auf solche Äußerlichkeiten legen die meisten anderen Entwickler indes weniger wert – ihnen geht es darum, nützliche Helfer zu bauen.

Da gibt es Roboter, die sich durch den Sand auf dem Mars wühlen. Autonome Bagger, die gefährliche Stoffe aufnehmen können. Und Lieferanten aus Blech, die mit dem Einkauf in die Nähe der Wohnung gefahren kommen. Unternehmen aus dem roboterbegeisterten Partnerland Japan zeigen zudem, wo humanoide Helfer im Alltag der Menschen zum Einsatz kommen, etwa als Butler im Haushalt. Mit dem Programm Society 5.0 will die Regierung zeigen, welche positiven Änderungen die Digitalisierung für die alternde Gesellschaft hat, Roboter sind ein wichtiger Teil dessen.

Ähnlich wie bei den Drohnen wächst der Markt rasant: Das Analysehaus IDC prognostiziert, die Ausgaben für Roboter und damit verbundene Dienstleistungen in den nächsten Jahren um durchschnittlich 17 Prozent wachsen und 2019 rund 135 Milliarden Dollar betragen. Die Technologie habe einen Wendepunkt erreicht: Die Helfer können immer mehr, kosten aber immer weniger. Künstliche Intelligenz macht es möglich.

Künstliche Intelligenz: Olli, zeig‘ mir den Weg!  

Kann der Mensch eines Tages sein Gehirn an einen Computer anschließen und Gedanken und Erinnerungen in der Cloud ablegen? Ray Kurzweil, Chefentwickler von Google, stellt am Mittwoch diese Vision vor. Unabhängig von solchen Ausblicken in eine ferne Zukunft geht es auf der Cebit darum, wie Künstliche Intelligenz schon heute Unternehmen helfen kann. Laut einer Studie des Marktforschers Crisp Research beschäftigen sich immerhin 64 Prozent aktiv mit dem maschinellen Lernen, also einer vielversprechenden Teildisziplin.

IBM lässt beispielsweise in Halle 2 den Kleinbus Olli rollen, der nicht nur autonom seine Route sucht, sondern auch Fragen der Gäste beantworten können soll. Dabei kommt das Computerprogramm Watson zum Einsatz, das über eine Sprachein- und ausgabe verfügt. Weniger anschaulich, aber mindestens ebenso nützlich ist ein Szenario, wie SAP es zeigt: Ein System sortiert Kundenanfragen automatisch vor und macht Vorschläge für Antworten. Auf der Messe dürften zahlreiche solcher Einsatzmöglichkeiten in Unternehmenssoftware zu sehen sein.

Damit Firmen das Potenzial der Technologie nutzen können, stellen das Deutsche Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz (DFKI) und der Think Tank Acatech auf der Messe einen Online-Kurs vor, mit dem Fachleute sich im maschinellen Lernen weiterbilden können. Ab dem heutigen Montag steht die erste Lektion online.


Wenn der Seifenspender warnt, bevor er leer ist

Smart Cities: Schlau und lebenswert

Das große Versprechen lautet: besserer Service für die Bürger. Von der Online-Abwicklung von Anträgen über effizienteres Verkehrsmanagement bis hin zu deutlichen Energieeinsparungen, die Vernetzung soll Städte lebenswerter machen. Mit dem Konzept der Smart Cities können Technologie- und Telekommunikationskonzerne gut verdienen: Einer aktuellen Studie der Unternehmensberatung Roland Berger zufolge wird der weltweite Markt für Smart-City-Lösungen bis 2023 auf voraussichtlich 28 Milliarden Dollar wachsen, 10 Milliarden Dollar mehr als heute.

Profitieren will etwa der der chinesische Netzwerkausrüster ZTE, der auf der Cebit in Halle 13 groß auffährt: Der Konzern verspricht, mit „Smart City 3.0“ ein Modell für die digitale Transformation von Städten und Gemeinden entwickelt zu haben, welches auf den jeweiligen kommunalen Kunden maßgeschneidert wird. Zu sehen sein werden unter anderem smarte Lösungen Tourismus und Wohnquartiere.

Weitaus mehr Aussteller waren allerdings vor kurzem auf dem Mobile World Congress zu sehen - die Mobilfunkanbieter sehen darin eine große Chance.

Internet der Dinge: Wenn der Seifenspender smart wird

Die Vernetzung der Welt erreicht selbst die Toiletten. Auf der Cebit stellt das Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS gemeinsam mit dem Unternehmen CWS-boco eine Verwaltungs- und Wartungslösung für Waschräume vor: Da stecken unter anderem in den Seifenspendern Sensoren, die den aktuellen Füllstand an das Reinigungspersonal schickt, damit sie wissen, wann sie zum Auffüllen kommen müssen.

Ob sich diese Lösung am Markt durchsetzt, ist offen. Doch sie zeigt: Das Internet der Dinge wird für immer mehr geschäftliche Zwecke genutzt – und ist damit eines der Top-Themen der diesjährigen Cebit. Laut einer Umfrage des Verbands der Internetwirtschaft Eco unter Experten setzen kleine und mittelständische Unternehmen zunehmend auf Plattformen. Deswegen würden sich langfristig standardisierte Produkte durchsetzen. Kein Wunder also, dass sich die Anbieter solcher Plattformen alle Mühe geben, die Kunden von ihrem Angebot zu überzeugen, etwa die Telekommunikationskonzerne.

Es ist ein Geschäft mit Potenzial. Die Boston Consulting Group (BCG) schätzt, dass der Markt bis 2020 um jährlich 20 Prozent auf 250 Milliarden Euro wachsen wird. Die größten Geschäftsfelder sehen die Berater in den Bereichen vorausschauende Wartung, selbstoptimierende Produktion und intelligente Lagerhaltung. Hier sei der Nutzen schnell konkret sichtbar.


Die etwas andere Realität

IT-Sicherheit: Snowden lässt grüßen

Whistleblower Edward Snowden meldet sich per Videoschalte, der Chef des Bundeskriminalamts, Holger Münch, kommt auf die Bühne: Das Thema IT-Sicherheit spielt auf der Cebit wieder einmal eine wichtige Rolle, wie sich an den Sprechern im Konferenzprogramm ablesen lässt. Je stärker die Vernetzung zunimmt, desto wichtiger wird dieser Aspekt.

Wie angreifbar das Internet der Dinge ist, zeigt unter anderem der IT-Sicherheitsanbieter Rohde & Schwarz an seinem Stand. Experten zeigen dort, wie sie aus der Ferne einen vernetzten Industrieroboter manipulieren können. Und bei Sophos ist anhand eines Modellhauses zu sehen, wie häufig vernetzte Haushaltsgeräte angegriffen werden. Damit solche Szenarien möglichst verhindert werden, bieten auf der Messe mehrere Anbieter Schutz an, während Dienstleister versprechen, Unternehmen mit der richtigen Strategie zu mehr Sicherheit zu verhelfen.

Aber es geht auch einfacher: Das Start-up XignSYS will etwa ein Angebot vorstellen, was laut eigener Aussage Passwörter überflüssig macht und dabei trotzdem praktisch und schnell ist.

Die andere Realität: Virtual and Augmented Reality

Zugegeben: Es ist gewöhnungsbedürftig – Datenbrille wie die von Facebook-Tochter Oculus Rift geben dem Träger immer einen Hauch von Cyborg oder Mensch aus der Zukunft. Aber genau dieser Zukunft gehört das System, das hinter den Brillen steckt: Virtuelle beziehungsweise erweiterte Realität (Virtual & Augmented Reality). Das belegen Zahlen des US-Marktforschungsinstituts IDC: Laut den Experten dürften sich die Lieferungen der Brillen bis 2021 verzehnfachen – von 10,1 Millionen in 2016 auf 99,4 Millionen.

Das Potenzial ist groß: Das belegt nicht zuletzt der Erfolg des Massenphänomens Pokemon Go im vergangenen Jahr. Auch Snapchat bietet für seine Brille „Lenses“ bereits einige AR-Funktionen an. Doch nicht nur der menschliche Spieltrieb wird hier bedient. Längst gibt es verschiedenste Einsatzszenarien. Die reichen vom Werkschutz, Marketing bis hin zum Einsatz in der Medizin – zum Beispiel bei kritischen Operationen.

Auch diesem Trend trägt die Cebit Rechnung: Zum ersten Mal widmet sich die Messe auf 3.000 Quadratmetern in Halle 17 der etwas anderen Realität. Die Aussteller präsentieren verschiedene Lösungen: Die Westsächsische Hochschule Zwickau präsentiert zum Beispiel eine Schutzhelm-integrierte Datenbrille, die zum Beispiel in der Stahlindustrie Warnhinweise an den Träger sendet und so die Arbeitssicherheit verbessern soll. Die Deutsche Telekom kooperiert mit Zeiss bei der Entwicklung einer Datenbrille. Der Reiseveranstalter Thomas Cook hat seine 880 deutschen Reisebüros mit einer Virtual-Reality-Brille ausgestattet. Kunden sollen so 50 Urlaubsziele und Hotels virtuell erkunden können. Der Telekommunikationsanbieter Vodafone simuliert an seinem Stand zum Beispiel das autonome Fahren per Datenbrille.

Quelle:  Handelsblatt Online
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