Trianel: Stadtwerke-Netzwerk macht erstmals Verlust

Trianel: Stadtwerke-Netzwerk macht erstmals Verlust

, aktualisiert 04. Juli 2017, 12:48 Uhr
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Das Steinkohle-Kraftwerk im westfälischen Lünen bereitet dem Stadtwerke-Netzwerk Probleme. Es wurde beschlossen, als die Strompreise noch deutlich höher waren.

von Jürgen FlaugerQuelle:Handelsblatt Online

Die Allianz von knapp 60 Kommunalversorgern Trianel hat im vorigen Geschäftsjahr einen millionenschweren Fehlbetrag verbucht. Das Kohlekraftwerk in Westfalen macht weiterhin Probleme. Ein Sparprogramm läuft bereits.

18 Jahre ist die Trianel GmbH inzwischen alt. Damals, der deutsche Energiemarkt war gerade geöffnet, schlossen sich mehrere Kommunalversorger zusammen, um sich gegen die großen Energiekonzerne und neue Wettbewerber zu behaupten – und gemeinsam gute Geschäfte zu machen.

Im vergangenen Jahr ist das dem Netzwerk, dem inzwischen knapp 60 Kommunalversorger angehören, gar nicht gelungen. Im Gegenteil: Erstmals in der Unternehmensgeschichte rutschte Trianel in die Verlustzone. Unter dem Strich stand ein Fehlbetrag von 4,1 Millionen Euro. Im Jahr zuvor hatte sich die in Aachen ansässige Trianel mit 0,1 Milliarden Euro noch knapp in der Gewinnzone gehalten – und eigentlich sollte das im Jahr 2016 mit 0,3 Milliarden Euro – so das selbstgesteckte Ziel – auch gelingen.

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„In den letzten Jahren haben wir die Belastungen aus der konventionellen Erzeugung sowie den zunehmenden Margendruck noch kompensieren können“, sagte Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung, „2016 ist es uns trotz der großen Anstrengungen aller Mitarbeiter nicht mehr gelungen.“

Trianel bereitet vor allem das Kohlekraftwerk im westfälischen Lünen Probleme, das die Gruppe 2013 in Betrieb genommen und in das sie 1,4 Milliarden Euro investiert hat. Das Kraftwerk leidet unter den niedrigen Strompreisen im Großhandel. Anfang 2016 war am Terminmarkt die Megawattstunde für den Jahreskontrakt auf kaum mehr als 20 Euro eingebrochen, aktuell kostet sie zwar wieder etwas mehr als 30 Euro.

Anfang 2011, vor der Reaktorkatastrophe von Fukushima, waren es aber noch 60 Euro – und vor zehn Jahren, als das Projekt begonnen wurde, noch mehr. Inzwischen werden die konventionellen Kraftwerke aber von Wind- und Solarenergie, die politisch begünstigt sind, aus dem Markt gedrängt.

Dabei sollte das Kraftwerk, als der Bau vor gut zehn Jahren beschlossen wurde, den Stadtwerken eigentlich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Die Stadtwerke wollten durch die gemeinsame Investition in die eigene Stromproduktion unabhängig von den Energiekonzernen werden. Trianel betreibt zudem im westfälischen Hamm ein Gaskraftwerk.

„2016 war für uns kein gutes Jahr, es war noch mehr als erwartet ein schwieriges Jahr“, sagte Becker. Trianel habe die Ziele „deutlich verfehlt“: „Die Asset-Verluste bleiben eine schwere Hypothek für das Unternehmen, die wir mit unseren anderen Aktivitäten auffangen müssen.“

Schon 2016 leitete Trianel Sparmaßnahmen ein, um die Belastungen in der konventionellen Erzeugung aufzufangen und Freiräume für Investitionen zu schaffen, insbesondere in die Digitalisierung. „Die derzeitigen Entwicklungen fordern eine Konzentration des Unternehmens auf Kosteneffizienz, Prozessexzellenz und auf die Weiterentwicklung einzelner Geschäftsfelder“, erläuterte Co-Geschäftsführer Oliver Runte. Die Restrukturierung werde bis 2018 dauern und soll die jährlichen Kosten nachhaltig um 7,5 Millionen Euro drücken.

Schon 2016 will Trianel zurück in die Gewinnzone: „Wir erwarten, dass wir das Jahr 2017 mit einer schwarzen Null abschließen – also mit einem leicht positiven Ergebnis“, sagte Becker, „nach dem ersten Halbjahr sehen wir uns in diesem Vorhaben bestätigt.“ Der Umsatz blieb mit 2,1 Milliarden Euro annähernd konstant. Das Eigenkapital verringerte sich zwar von 88,1 auf 83,9 Millionen Euro. Die Eigenkapitalquote ist mit 23,9 Prozent aber nach den Worten von Trianel-Chef Becker aber „solide“.


„Wir sind weiter ein gesundes und liquides Unternehmen“

Trianel sei „gut aufgestellt, um den Verlust tragen zu können“, betonte Becker. Das Netzwerk habe genügend Rücklagen gebildet. „Wir sind weiter ein gesundes und liquides Unternehmen“, sagte Becker – und verwies auf die Anfang des Jahres getroffene Entscheidung sich selbst am Ausbau des Offshore-Windparks Borkum zu beteiligen.

Trianel betreibt seit 2015 rund 45 Kilometer nordwestlich der Insel Borkum für 33 Stadtwerke einen Offshore-Windpark mit 40 Windrädern und einer Leistung von 200 Megawatt. Der – wie Trianel betont – „erste rein kommunale Offshore-Windpark in der Nordsee“ soll jetzt um weitere 200 Megawatt ausgebaut werden. Die Inbetriebnahme ist für 2019 geplant.

Trotz des Sparprogramms will Trianel für die Gesellschafter und interessierte Stadtwerke insbesondere neue Wachstumsfelder wie Smart Metering, Elektromobilität und Energieeffizienz entwickeln. „Ein weiteres Ziel unseres Umbaus ist es, Digitalisierungs- und Flexibilisierungsmanager für Stadtwerke zu werden“, sagte Becker.

Trianel hat inzwischen 58 Gesellschafter aus Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz. Zusammen versorgen die Gesellschafter mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland, den Niederlanden, Österreich und der Schweiz.

Quelle:  Handelsblatt Online
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