Trump im US-Wahlkampf: „Hillary ist auf eine Betrügerin hereingefallen“

Trump im US-Wahlkampf: „Hillary ist auf eine Betrügerin hereingefallen“

, aktualisiert 01. Oktober 2016, 16:55 Uhr
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Der Republikaner setzt weiter auf sein aggressive Linie.

Quelle:Handelsblatt Online

Donald Trump bedient sich im US-Wahlkampf der gewohnten Mittel: Lautstärke, Vorwürfe, Rhetorik. Diesmal geht es um die „Lewinsky-Affäre“ und die ehemalige Miss Universe. Clinton hingegen reagiert betont gelassen.

Bedford, New HampshireDie Themensetzungen nach dem Fernsehduell könnten kaum verschiedener sein: Donald Trump schießt sich nach seinem überwiegend als schwach eingestuften Auftritt auf die Privatsphäre seiner Gegnerin ein. Hillary Clinton nutzt den neuen Schwung ihres Wahlkampfes explizit für einen Fokus auf handfeste Politik. Sechs Wochen vor der Entscheidung liegen die beiden US-Präsidentschaftskandidaten trotzdem noch immer etwa gleichauf.

Trump verspricht zwar Steuersenkungen und „Jobs, Jobs, Jobs“. Ansonsten hält er sich mit positiven Botschaften aber derzeit eher zurück. Stattdessen konzentriert er sich ganz auf Angriff. „Das amerikanische Volk hat Jahre und Jahrzehnte voller Korruption und Skandale der Clintons hinter sich“, sagte der Republikaner. „Ein Amtsenthebungsverfahren wegen Lügen. Ein Amtsenthebungsverfahren wegen Lügen. Erinnert ihr euch?“

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Die Vorwürfe waren eine Anspielung auf die „Lewinsky-Affäre“ des früheren Präsidenten Bill Clinton. Nach Ermittlungen einer unabhängigen Kommission hatte das Repräsentantenhaus Ende 1998 eine Anklage gegen den Ehemann der aktuellen demokratischen Kandidatin wegen Meineids zugelassen. Grund dafür waren vor allem Aussagen bezüglich einer Affäre mit einer damaligen Praktikantin im Weißen Haus. Im Senat wurde Bill Clinton später jedoch freigesprochen.

Am Freitag legte Trump nach. Diesmal ging es um die ehemalige Miss Universe Alicia Machado. Im Jahr 1996 hatte der Milliardär die Frau mehrfach öffentlich beleidigt. Im Gegenzug ließ sie sich nun in die USA einbürgern, nur um bei der Wahl für seine Gegnerin stimmen zu können. Clinton habe Machado „als „Engel“ dargestellt, ohne ihre Vergangenheit zu prüfen, die furchtbar ist“, schrieb er in einer Twitter-Nachricht.

Mit Bezug auf das TV-Duell stellte er die Frage in den Raum, ob Clinton dem Model vielleicht sogar geholfen habe „eine US-Bürgerin zu werden, nur um sie in der Debatte ausnutzen zu können“. „Alicia M. in der Debatte als Vorbild der Tugend zu präsentieren, zeigt nur, dass die betrügerische Hillary an schlechtem Urteilsvermögen leidet“, fuhr Trump fort. „Hillary ist auf eine Betrügerin hereingefallen“, twitterte er.


Vertagte Pläne

Trump hatte nach Angaben seines Wahlkampfteams geplant, die „Lewinsky-Affäre“ schon während des Fernsehduells zum Thema zu machen. Nur weil Clintons Tochter Chelsea im Raum gewesen sei, habe er sich spontan doch dagegen entschieden, sagte Trump später. Clinton sagte am Rande einer Veranstaltung im US-Staat Iowa zu der Aussicht, dass Trump weiter auf den einstigen Affären ihres Mannes herumreiten könnte: „Er kann seinen Wahlkampf auf seine Weise führen. Das ist seine Sache. Ich werde über das sprechen, worum es bei dieser Wahl geht.“

Sie selber werde sich darauf konzentrieren, Lösungen für die vielen Alltagsprobleme zu finden, mit denen amerikanische Familien zu kämpfen hätten - ob hohe Kosten für die Kinderbetreuung oder zunehmende Studienschulden. „Ich möchte, dass es bei dieser Wahl um etwas geht, nicht nur gegen jemanden“, sagte Clinton in Des Moines. Überhaupt war sie sichtlich bemüht, Hoffnung zu verbreiten und damit einen Kontrast zu den oft stark von Warnungen vor düsteren Zeiten geprägten Reden Trumps zu bieten.

„Ich weiß, in diesem Wahlkampf ist so häufig nur darüber gesprochen worden“, sagte Clinton. „Aber darum geht es nicht. Es geht um euch. Es geht um eure Familien und um eure Zukunft. Und wir beide sollten euch sagen, was wir im Rahmen des Amtes vorhaben.“

Sechs Wochen vor der Wahl ist in Iowa und einigen anderen Staaten schon jetzt eine vorzeitige Abgabe der Stimme möglich. Entsprechend hart ringen beide um die noch immer unentschlossenen Wähler.

Doch Clinton kämpft noch an einer zweiten Front: Für sie geht es auch darum, diejenigen Republikaner für sich zu gewinnen, die mit dem umstrittenen Trump ein Problem haben. Der Fokus auf positive Perspektiven für die USA dürfte diesbezüglich eine geeignete Strategie sein.

Trump dagegen scheint weiter auf die aggressive Linie zu setzen, mit der er sich schon bei den parteiinternen Vorwahlen durchsetzen konnte. „Die Clintons sind die schmutzige Vergangenheit. Wir werden die strahlende und absolut saubere Zukunft sein“, sagte er im US-Staat New Hampshire.

Das nächste Aufeinandertreffen der beiden Präsidentschaftskandidaten findet am 9. Oktober in St. Louis im Staat Missouri statt. Bisher scheint es, dass Trump sich auch bei dieser Gelegenheit mehr auf vermeintliche Schwächen seiner Gegnerin als auf eigene Konzepte konzentrieren wird. Doch zur Vorbereitung auf das Duell hat das Team des Republikaners online eine Umfrage veröffentlicht. Seine Unterstützer werden darin unter anderem gefragt, ob Trump die Politik Clintons zu den Themen Terrorismus, Wirtschaft und Handel kritisieren soll. Ob er weiter auf die Seitensprünge ihres Mannes eingehen soll, wird allerdings nicht direkt abgefragt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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