Trump und Mexiko : Auf Kosten anderer

Trump und Mexiko : Auf Kosten anderer

, aktualisiert 10. April 2016, 13:14 Uhr
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Die Mexikaner zeigen eine brennende Figur von Donald Trump in Mexiko City.

Quelle:Handelsblatt Online

Donald Trump schwingt sich zum Anwalt der US-Arbeiter auf. Das gelingt, weil produzierendes Gewerbe ins Ausland verlagert wird. Doch der Republikaner hinterlässt dabei verbrannten Boden – nicht nur bei den Unternehmen.

BerlinDrei Dollar gegen 20 Dollar pro Stunde, mexikanische Arbeiter gegen amerikanische und ein US-Präsidentschaftsanwärter, der noch Öl ins Feuer gießt: Das US-Unternehmen Carrier will sein Werk in Indiana schließen. Die zu hohen Produktionskosten gefährdeten die Wettbewerbsfähigkeit des Produzenten für Klimaanlagen, so die Begründung. Doch die Fabrik wird nicht nur geschlossen. Sie soll nach Mexiko verlagert werden – und mit ihr 1.400 Jobs.

Die Reaktion des republikanischen Spitzenkandidaten Donald Trump auf diese Ankündigung ließ nicht lange auf sich warten. Er sicherte den Arbeitern seine Unterstützung zu, forderte das Management unverhohlen auf „Baut in den USA“ und schob direkt eine Drohung vorweg: Er als Präsident würde die in den Mexiko produzierten Artikel von Carrier auch höher besteuern, sollte das Unternehmen nicht einlenken.

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Ähnliche Aussagen hatte der Immobilienmogul auch über die Pläne von Ford und Mondelēz International gesagt. Auch diese Unternehmen kündigten an, neue Fabriken in Mexiko zu eröffnen.

Donald Trumps hartes Auftreten kommt bei den Arbeitern an. Er gewann die Vorwahlen in den Bundesstaaten Michigan und Illinois, die im so genannten „Rust Belt“, dem ehemaligen Industrieherz Amerikas liegen. In den vergangenen Jahrzehnten verloren viele Arbeiter dort ihre relativ gut bezahlten Jobs.

Ein zentraler Aspekt von Trumps Wahlkampfkampagne ist seine Ablehnung internationaler Handelsabkommen, die die Zölle auf im Ausland produzierte Güter beschränken oder abschaffen. Diese Haltung fällt bei Gering- und Normalverdienern auf fruchtbaren Boden, die in den vergangenen Jahrzehnten Jobs des produzierenden Gewerbes in andere Länder verschwinden sehen.

Trump bezog sich in der Debatte auf ein Video der Carrier-Mitarbeiter, das mittlerweile mehr als 3,7 Millionen Mal auf Youtube angeklickt wurde, und macht sich zum Anwalt der Arbeiter. „Wenn sie die Leute gesehen haben – es gibt ein Video von der Ankündigung von Carrier, nach Mexico zu gehen – die entlassen werden: Sie weinten. Das ist alles sehr traurig.“

Thea Lee, stellvertretende Chefin des AFL-CIO, dem größten Gewerkschafsverbandes in den USA, spricht nicht umsonst von einem „hohen Frustrationsgrad“ bei weiteren Jobverlagerungen nach Mexiko. Früher wäre das nur ein Thema bei den Demokraten gewesen. Seit Trump aber auch dieses heiße Eisen angefasst hätte, würden sich nun auch die Republikaner darum kümmern, sagt Lee.


Die Mexikaner müssen bluten

In Mexiko wurde nach dem Freihandelsabkommen 1994 mit den USA und Kanada eine Vielzahl von billiger produzierenden Fabriken eröffnet. Die stagnierenden Löhne haben viele neue Firmen angezogen. Carlos Capistrán, Chefökonom der Mexiko-Bank von Merrill Lynch erklärte jüngst in einem Bericht, dass Arbeitskräfte in China inzwischen 40 Prozent teurer sind.

Wirtschaftsexperten haben ausgerechnet, dass die Produktivität der Arbeiter in Mexiko zwischen 2007 und 2015 um 8,9 Prozent gestiegen ist, während die Löhne gleich blieben.

Vor allem die Autoindustrie ist abgewandert. Wurden 2014 noch drei Millionen Autos in Mexico produziert, werden es 2019 schon fünf Millionen Einheiten sein. Der neuste Trend dabei ist „Nearshoring“, wie Unternehmensberater Diego de la Garza erklärt. Bei „Offshoring“, etwa nach China, wären die Transportkosten wesentlicher höher, sagt der Projektmanager von Source One Management Services

Besonders in China sei die Rechtssicherheit oft nicht gegeben. Zu viele Produkte würden einfach kopiert, sagt Diego de la Garza. Im benachbarten Mexiko sei das alles nicht der Fall. Die Kontrolle sei hier einfacher, weil einfach auch näher. Eine Entwicklung, die Trump in die Hände spielt.

Trump kann sich auf die Unterstützung der abgehängten meist weißen Arbeiter verlassen. Seine Attacken gegen das Nachbarland Mexiko fallen auf fruchtbaren Boden. Mit großer Hingabe holt der Republikaner inzwischen gegen das südliche Nachbarland und seine Menschen aus, vergangenes Jahr beschimpfte er sie pauschal als Vergewaltiger, Verbrecher und Drogenschmuggler.

Sollte Trump die Wahl im November gewinnen, will er die ohnehin schon hermetisch gesicherte 3200 Kilometer lange US-mexikanische Grenze mit einer Mauer verstärken, kündigte er an. Dafür zahlen soll Mexiko. Und die elf Millionen Mexikaner ohne Papiere will er alle aus den USA abschieben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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