Trump zur Außenpolitik: Mit dem Teleprompter gegen den Iran

Trump zur Außenpolitik: Mit dem Teleprompter gegen den Iran

, aktualisiert 22. März 2016, 07:20 Uhr
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Der US-Präsidentschaftsbewerber bei einem Vortrag in Washington: Der Milliardär kritisierte dabei das internationale Atomabkommen mit Iran.

Quelle:Handelsblatt Online

Trump kommt einer Nominierung zum Präsidentschaftskandidat näher – und gibt Einblick in seine Außenpolitik-Agenda. Dabei bezieht er in der brisanten Nahost-Frage Stellung und erzählt seinen Wählern, was sie hören wollen.

WashingtonDer republikanische Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat erstmals in breiteren Pinselstrichen seine außenpolitischen Vorstellungen umrissen. In einem ausführlichen Interview des Blatts „Washington Post“ sprach sich Trump für eine amerikanische Politik der Nichteinmischung aus.

„Ich denke durchaus, dass die Welt heute eine andere ist, und ich finde, dass wir keine Nationenbildung mehr betreiben sollten.“ Stattdessen seien angesichts verfallender Zentren von US-Städten vielmehr Investitionen in die heimische Infrastruktur nötig. Gleichwohl sei er sich der Tatsache „sehr bewusst, dass eine Außenwelt existiert“, sagte Trump.

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Im Wahlkampf hat es der Polit-Seiteneinsteiger bislang weitgehend vermieden, Details zu seiner Agenda zu nennen. Mit umso größerer Spannung wurde daher eine außenpolitische Rede Trumps erwartet, die er am Montag bei der Jahreskonferenz der proisraelischen Lobbygruppe Aipac in Washington hielt.

Bei seinem Vortrag wich er von seinem üblichen Stegreif-Stil ab: Statt sich auf handgeschriebene Notizen mit Stichpunkten zu verlassen, las er von einem vorab verfassten Manuskript und einem Teleprompter ab.

Er sei „ein lebenslanger Unterstützer und echter Freund Israels“, bekräftigte Trump. Zugleich mahnte er Israel und die Palästinenser im Nahostkonflikt zu mehr Kompromissbereitschaft. „Jede Seite“ müsse für einen Friedenspakt „etwas aufgeben“, sagte er. Er werde per Veto jeden Uno-Versuch blockieren, beiden Konfliktparteien bei künftigen Friedensgesprächen Bedingungen aufzuerlegen. Auflagen würden „Israel nur weiter entlegitimieren“, erklärte Trump.

Das israelisch-amerikanische Verhältnis ist mehr als belastet. Die ständigen Friedensversuche von Außenminister John Kerry und Präsident Barack Obama werden bei der Regierung in Jerusalem nicht gern gesehen, schon gar nicht, wenn man den Palästinensern eine Gleichbehandlung verspricht. „Wir müssen endlich die Obama-Doktrin abschütteln, dass Israel und die Palästinenser sich auf der selben moralischen Ebene bewegen“, sagt etwa Jack Brach (53), Gründungsmitglied bei Aipac.

Am längsten sprach Trump jedoch über die Iran-Politik. Den im vergangenen Jahr erzielten Atomdeal mit Teheran bezeichnete er als „katastrophisch für Amerika, Israel und den gesamten Nahen Osten“. Den Iran kritisierte Trump zudem als „den größten Förderer des Terrorismus in der Welt“. Zudem griff Trump die Vereinten Nationen an. Die Organisation sei „kein Freund“ der Demokratie, der Freiheit, der USA oder Israel.

Vor dem Konferenzgebäude versammelten sich am Abend Gegner Trumps, um ihrem Unmut über dessen politische Rhetorik und dessen Teilnahme an der Tagung Luft zu machen. Sein ärgster Rivale Ted Cruz kritisierte vor Aipac zudem, dass Trump in seiner Rede mehrmals auf „Palästina“ verwiesen habe. Zudem nahm Cruz Anstoß daran, dass Trump im Wahlkampf versprochen hatte, bei Vermittlungsbemühungen zwischen Israel und Palästinensern „neutral“ sein zu wollen.

Vor der proisraelischen Lobby sprach auch die demokratische Präsidentschaftsbewerberin Hillary Clinton. Sie stellte unter anderem Trumps Eignung infrage, die USA durch internationale Verwerfungen zu steuern. „Wir brauche eine ruhige Hand“, sagte Clinton. „Nicht einen Präsidenten, der am Montag sagt, er sei neutral und am Dienstag proisraelisch und am Mittwoch wer weiß etwas, weil alles verhandelbar ist.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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